BRICS-Länder nehmen Dollar-freies Finanzsystem ins Visier

Die BRICS-Gruppe muss eigene Finanzinstitutionen gründen, um mit den wichtigsten internationalen Strukturen offiziell zusammenzuwirken, meint der Wirtschaftsexperte und Online-Redakteur beim Kopp-Verlag Markus Gärtner. Dieses Thema wird voraussichtlich im Mittelpunkt des für Juli in Russland angesetzten BRICS-Gipfeltreffens stehen.

Die westliche Systempresse schreibt eifrig die BRICS-Gruppe mit über drei Milliarden Menschen in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ab, so der Experte. „Die Leitmedien illustrieren ausführlich wirtschaftliche und politische Plagen von Peking bis Moskau, die freilich nur die Hälfte der Wahrheit darstellen.“

Das sei ein einseitiges Bild, sagte der Autor des Buches „Drachensturm. Wie China und Co. den Westen erobern“ im Interview mit Nikolaj Jolkin. „Man muss nämlich sehen, dass in der BRICS-Gruppe starke Urbanisierung herrscht. Es wandern viele Menschen vom bäuerlichen Hinterland in die Ballungszentren ab. Die Mittelschicht wächst sehr stark. Alle Länder in dieser Gruppe haben eigene besondere Stärken, die man gut miteinander verbinden kann. Russland hat viel Energie und gut ausgebildete Leute. Es hat geografisch eine gute strategische Lage. China hat enorme unternehmerische Energie. Brasilien ist eine Agrarweltmacht mit einem riesigen Binnenmarkt, wenn man Südamerika mit reinrechnet. Indien ist stark bei Software und Informationstechnologie und in der Pharmaindustrie. Die Generikafirmen, die Pharmaprodukte nachahmen, sind schon der größte ausländische Lieferant in den USA. Wenn man diese Stärken in der Gruppe intelligent miteinander verbinden kann, dann wird es eine noch viel stärkere Macht.“

Dank der Neuen Entwicklungsbank, deren Gründung beim Gipfel in Fortaleza vereinbart wurde und deren Kapital bei 100 Milliarden Dollar liegen wird, sollen die Handels- und Investitionsmöglichkeiten der fünf Mitgliedsländer unter den aktuellen turbulenten Bedingungen wesentlich verbessert werden. „Diese Institutionen braucht man, um die Wirtschaftspolitik dieser Länder abzustimmen. Das chinesische CIPS-System kann Swift ersetzen. Das ist ein Bankenabrechnungssystem, mit dessen Hilfe man Geld über Grenzen hinweg überweisen kann, z.B. von Russland nach Nordamerika oder von Deutschland nach Südamerika. Damit forciert die BRICS den Aufbau der neuen Weltordnung. Das Problem dabei ist immer, dass man von einer Währung in den Dollar geht und dann noch einmal in die Währung des Ziellandes wechseln muss. Das ist umständlich, da verdienen die Banken immer Geld daran. Das kostet denjenigen, der die Überweisung macht, Geld. Wenn es z.B. China gelingt – und Russland könnte sich daran technisch beteiligen, das wäre kein Problem – ein eigenes Bankenabrechnungssystem für internationale Überweisungen zu entwickeln, dann könnten Firmen, die direkt nach Russland oder nach China liefern, Geld sparen“, ist sich Markus Gärtner sicher.Er hat das in verschiedenen Studien in Deutschland gesehen. Ein deutsches Unternehmen, das Waren zum Beispiel nach China verkauft, könnte in diesem neuen Abrechnungssystem CIPS drei bis fünf Prozent an Kosten sparen, weil die Überweisungen gleich in chinesischer Währung abgerechnet werden. Wenn man einen Auftrag von zehn Millionen hat, dann wären das mehrere 100 000 Euro oder in diesem Fall Yuan. Für ein Unternehmen ist das schon eine sichtbare Einsparung und ein großer Vorteil.

Können die BRICS-Staaten auf den Dollar verzichten?

Der Experte hält das für möglich, dafür aber müssen viele Voraussetzungen geschaffen werden. „Das wird aber eine Entwicklung sein, die lange dauert. Da braucht man nicht nur eine neue Infrastruktur und neue Bankensysteme, sondern auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den BRICS-Ländern.“China sei auf einem erfolgreichen Weg, den Yuan international besser aufzustellen. Er sei jetzt in der Abrechnung des Außenhandels schon unter die fünf stärksten Währungen vorgerückt. China mache eine ganz clevere Politik, auch mit Russland zusammen, betont Gärtner. „Man macht Devisenvereinbarungen, gibt sich gegenseitig Sicherheiten, um bei der nächsten Finanzkrise auch mit Devisen auszuhelfen. Wenn das zügig weiterentwickelt wird, dann könnte man schon sagen, dass der Yuan innerhalb von fünf bis zehn Jahren frei konvertierbar wird und dann auch eine deutlich größere Rolle spielt. Das würde natürlich zu Lasten des Dollars gehen.“

Neben China sieht der Wirtschaftsexperte die Zukunft anderer BRICS-Länder optimistisch. „Sie haben jetzt den ersten und den relativ einfachen Wachstumsschub hinter sich. Jetzt geht es darum, große Unternehmen aufzubauen, eine eigene Industrie zu entwickeln, eigene Innovationen und selbstentwickelte Produkte herzustellen und sie auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Da liegt China deutlich vor den anderen Mitgliedern der BRICS-Gruppe. Man kann sich anschauen, wie die Chinesen das machen. Wenn wir in Deutschland einkaufen gehen, sehen wir schon die ersten erfolgreichen chinesischen Unternehmen: Lenovo als einen der größten Computerhersteller, Huawei als einen Ausrüster, der Telekom-Netzwerke mit allen möglichen technischen Geräten versorgt. Wenn man sich die internationalen Statistiken anschaut, ist es sichtbar, dass China ziemlichen Erfolg mit eigenen Innovationen hat. Für sie werden auch Patente auf den jeweiligen Zielmärkten angemeldet. Chinesische Firmen melden in Deutschland und dem Rest Europas sehr viele Patente für die hiesigen Märkte an.“Auf BRICS-Länder entfallen fast 50 Prozent der Weltbevölkerung und etwa 30 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Bei dem vorerst letzten Gipfel im brasilianischen Fortaleza im Juli 2014 wurde beschlossen, dass sich die Gruppe aus einer informellen Gesprächsrunde in eine vollwertige Institution verwandeln sollte, deren Mitglieder sich mit den wichtigsten Problemen der internationalen Wirtschaft und Politik befassen würden. Wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte, gehört der jetzige Vorsitz Russlands in der BRICS-Gruppe zu den Prioritäten der russischen Diplomatie in diesem Jahr.

Quelle: sputniknews

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Kommentare

BRICS-Länder nehmen Dollar-freies Finanzsystem ins Visier — 1 Kommentar

  1. Unverhohlene Hetze gegen Putin und sein Volk.

    Warum der US-General Joseph Dunford, ein Russlandfeind erster Klasse Generalstabschef der US wird, ist so durchsichtig wie vorausschaubar. Dieser Kriegshetzer darf wieder als Gallionsfigur der Rüstungsindustrie bzw. Wallstreet und den feinen Herrn in den weißen Handschuhen, die Drecksarbeit aufbereiten. Die USA, Gründungsmitglied der Terroristen in Afghanistan, bekanntermaßen gegen die Russen gerichtet und verantwortlich für die Destabilisierung des Irak, Syrien, Libyen usw. mit all den Folgen der Verelendung dieser Länder, ist wieder dabei mit Lügen und viel Geld einen Sündenbock zu präsentieren. Die ISIS und deren Splittergruppen sind das Resultat des verbrecherischen Handelns der USA in den genannten Ländern. Speziell im Irak, hat der von den USA eingesetzten Statthalter Nuri al-Maliki mit Wissen der USA die Sunniten verfolgt, gefoltert und grausam getötet. Die Gründer des Kalifats haben ihren Ursprung im Irak und die USA sind als Brandstifter längst ausgemacht. Die NATO, Erfüllungsgehilfe der USA mit einem karrieregeilen Stoltenberg mit viel Pomp und Trara an der Spitze, einem Ratspräsidenten Tusk in Brüssel, setzen die Einkreisung Russlands weiter fort. Ein Joseph Dunford Jr. posaunt im vorauseilendem Gehorsam die Meinung seiner Förderer und Hintermänner unter das irregeführte Volk: Russland ist eine existenzielle Bedrohung für die USA. Die USA sind ein Gefahr für Europa. Eine Annäherung Europas an Russland haben die USA erfolgreich verhindert und die Statisten in Brüssel sind den Amis, schon wieder auf den Leim gegangen. In der Griechenlandkrise warnen die USA unverhohlen vor einem „Grexit“, den sie aufgrund der strategischen Lage unbedingt verhindern wollen. Ja, der EU Bürger wird wieder die Zeche der Kriegshetzer über dem großen Teich bezahlen.

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