Crash-Termin 20. März?

In den letzten Tagen wurde in der Presse nur wenig über die bevorstehende partielle Sonnenfinsternis am 20. März 2015 berichtet.
Die Sonne geht doch jeden Tag auf und unter, warum sollte dann eine partielle Sonnenfinsternis ein Problem darstellen, werden sich viele fragen. Doch angesichts der heute flächendeckenden Photovolatik-Anlagen könnte die Sonnenfinsternis in der Tat den von vielen prognostizierten Crash an den Finanzmärkten auslösen.

Die zu meisternden Herausforderungen sind tatsächlich beachtlich und haben bisher nicht gekannte Dimensionen.
Die Netzbetreiber, allen voran die europäischen Übertragungsnetzbetreiber, bereiten sich umfangreich auf die durch die Sonnenfinsternis anstehenden Probleme vor – so Experten der Energieversorger.

Das Ereignis betrifft alle europäischen Länder.
Es fängt mit einer raschen Leistungsminderung an, da die Photovoltaikanlagen fortschreitend von Portugal über Mitteleuropa hinweg bis Polen infolge zunehmender Bedeckung der Sonne durch den Mond weniger einspeisen werden.

Die anschließenden Leistungsanstiege werden besonders gegen Ende der Sonnenfinsternis und gegen Mittag, also zeitlich nahe dem Sonnenhöchststand, auftreten, und mit einer absolut ungewohnten Leistungsänderungsgeschwindigkeit die Netzregelung extrem beanspruchen.
Bei bedecktem Himmel hingegen wären die Beanspruchungen deutlich geringer. Die Situation verschärfen würden allerdings z.B. zusätzliche Windeinspeisungen gegen Ende der Sonnenfinsternis.

Nicht absehbar sind sonstige Widrigkeiten wie Ausfälle von Infrastrukturen (Leitungen, Transformatoren) oder ungeplantes Verhalten von Kraftwerken. Alles Planbare wie die Vorhaltung zusätzlicher Regelungsmöglichkeiten und das Vermeiden von Infrastrukturarbeiten oder zu hoher Auslastungen der Betriebsmittel wird sicher geschehen.

Der Teufel steckt wie so oft im Detail.
Das Stichwort heißt Leistungsänderungsgeschwindigkeit.
Die Sonne kommt nach der Sonnenfinsternis viel rascher als beim täglichen Sonnenaufgang wieder zurück, und damit steigt die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen wesentlich rascher. Hinzu kommt, daß die Sonne dann auch noch höher steht und daher noch mehr PV-Strom erzeugt wird. Und das wird zu einer gewaltigen Herausforderung, diese kurzfristigen Leistungsänderungen auszuregeln. Denn konventionelle Kraftwerke können auch nur mit begrenzten Änderungsgeschwindigkeiten nachgeregelt werden. Abschaltung im vollen Betrieb führen zu extremen Beanspruchungen, die sonst nur bei Schutzauslösungen vorkommen. Am besten können noch Pumpspeicherkraftwerke solche raschen Änderungen vollziehen. Rein rechnerisch sieht das alles nicht gut aus.

Die Komponenten der Netzinfrastruktur haben physikalische Grenzen, die bei kurzfristigen Schwankungen und Überlastungen zu Ausfällen und im schlimmsten Fall zu Dominoeffekten führen können. Daher reicht es bei weitem nicht aus, daß sich nur die Energie-Wirtschaft über die möglichen Folgen eines Ausfalls Gedanken macht und sich darauf vorbereitet.

Sollte es zum gefürchteten europaweiten Stromausfall („Blackout“) kommen, dann zieht das unmittelbar einen weitreichenden Infrastrukturkollaps nach sich.

Das gesamte Bankenwesen und jeglicher Zahlungsverkehr wären sekundenschnell lahmgelegt.
Während man in Österreich rund einen halben Tag für einen möglichen Netzwiederaufbau veranschlagt, rechnet man in Deutschland mit mehreren Tagen. Das europäische Verbundsystem funktioniert aber nur im Ganzen. Und auch wenn der Strom wieder da ist, kehrt noch lange keine Normalität ein, da dann erst die anderen Infrastrukturen wieder hochgefahren werden müssen. Wir sind verwundbar, ohne daß uns das in der Regel bewußt ist.

Wir hätten dann den Crash-Fall, an dem keine irdische Instanz wirklich schuldig wäre.

Ein 24-stündiger Ausfall am 20. März wird für Österreich mit einem Primärschaden von rund einer Milliarde Euro beziffert (www.blackout-simulator.com). Diese Kalkulationen berücksichtigen keine Sekundärschäden, die wohl noch deutlich höher liegen dürften. Die aktuelle deutsche Studie Neue Erkenntnisse zur Lagerfähigkeit von Brennstoffen für Netzersatzanlagen‘ kommt zum Schluß, daß bei 60 % der Netzersatzanlagen der Brennstoff zum Zeitpunkt der Probennahme oder in naher Zukunft nicht mehr verwendbar war bzw. daß nur bei 8 % der Netzersatzanlagen der Brennstoff uneingeschränkt verwendbar ist. Das bedeutet, daß auch jene Organisationen und Institutionen mit massiven Ausfällen rechnen müssen, die sich eigentlich gegen dieses Szenario abgesichert haben.
Sollte der 20. März ein sonniger wolkenfreier Tag werden, und das kann man erst wenige Tage vorher abschätzen, dann ist alles andere als Entspannung angesagt. Die partielle Sonnenfinsternis ist ein europaweit einschneidendes Ereignis.

Auf einen europaweiten Stromausfall ist die Bevölkerung in keinem europäischen Land vorbereitet.
Das hat nicht zuletzt auch die Sicherheitsverbundsübung 2014 in der Schweiz mehr als deutlich gemacht. Und das gilt aufgrund langjähriger Erfahrung mit dem Szenario ‚Blackout‘ ebenso in Österreich und sicherlich auch in Deutschland.
Es bleiben noch gerade 10 Tage Zeit, um uns zumindest persönlich vorzubereiten. Natürlich besteht die Möglichkeit, daß wir den 20. März wie schon öfters dank der hervorragenden Arbeit der Netzbetriebsmannschaften unbeschadet überstehen. Sollte doch etwas Unvorhergesehenes eintreten, käme es gerade auf die persönliche Vorbereitung an (Was kann ICH tun?).

Das Vorspiegeln einer Scheinsicherheit, oder schlimmer noch, ein unzulässiges Verharmlosen, käme einer Volksverdummung gleich. Auch wenn diesmal nichts passiert, ist die bevorstehende Sonnenfinsternis eine gute Gelegenheit auf die steigende Gefahr eines europaweiten Blackouts, sowie die damit verbundenen Folgen, aufmerksam zu machen.

(Der Text wurde einer Arbeit von Herbert Saurugg, MSc und Dr. Franz Hein, jetzt Rentner, vormals leitender Mitarbeiter eines größeren deutschen Energieversorgungsunternehmens, entnommen.)

 

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