Deutschland ewiger Zahlmeister ?

Ist der Euro für Deutschland noch schlimmer als Versailles?

„Die im gestrigen Bericht erwähnten, von dem US-Ökonomen Paul Krugman zur Rettung des Euros von Deutschland eingeforderten Transferzahlungen werden nun langsam von Finanz-Experten in ihrer Höhe eingeschätzt.

Bislang teilten mit mir nur wenige Kommentatoren die Einschätzung, dass die Einführung des Euros für Deutschland eine Fortsetzung des Diktats von Versailles mit anderen Mitteln sei – ein Versailles 2.0.

Nun kommt der Chefstratege  Jamil Baz des britischen Vermögensverwalters GLG Partners zu einer ähnlichen Einschätzung. Unter der Überschrift Höhere Zahlungen als nach Versailles gab Jamil Baz die folgende Prognose ab: Sollten die Krisenländer in der Währungszone bleiben, müsste allein Deutschland rund acht Prozent seines Brutto-Inlandsproduktes jährlich in die Peripherie überweisen. „Nur zur Erinnerung: Nach dem Versailler Vertrag, der zur Hitler-Diktatur führte, waren es 3,5 Prozent.“ Letztlich empfahl Baz, eine Deflation in Kauf zu nehmen und die Volkswirtschaften aufzuräumen.

Versuchen wir diese Zahlen einmal in den Kontext der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Jahr 1933 zu setzten.

Im ursprünglichen Versailler Diktat vom Juni 1919 wurden Deutschland bis zum Jahr 1921 Reparations-Lasten von 20 Milliarden Goldmark – das entspricht 7.000 Tonnen Gold aufgelastet. Im Januar 1921 wurde die Gesamtsumme der Reparationen auf 269 Milliarden Goldmark – das entspricht nun in etwa 100.000 Tonnen Gold – festgelegt. Man muss berücksichtigen, dass diese 100.000 Tonnen Gold mehr als die Hälfte des bis zum heutigen Tage geförderten Golds entsprechen.

Nachdem Deutschland im Jahr 1923 bankrott war, folgte 1924 der Darwes-Plan, der die Reparationen auf 132 Milliarden Goldmark reduzierte. Nachdem auch dieser Plan scheiterte, trat im Jahr 1930 der Young-Plan in Kraft, für den Deutschland bis zum Jahr 1988 jährlich zwei Milliarden Goldmark an Reparationen zu leisten hätte. Das deutsche Brutto-Inlandsprodukt betrug im Jahr 1930 82,9 Milliarden RM, im Jahr 1931 nur noch 67,1 Milliarden RM und im letzten Jahr 1932 56,4 Milliarden RM. Setzt man die jährlichen Zahlungen von 2 Milliarden RM im Verhältnis zu den 56,4 Milliarden RM BIP des Jahres 1932, kommt man auf eine Reparations-Quote von 3,5 Prozent wie von Jamil Baz ermittelt.

Diese Zahl ist also schlüssig und historisch nachvollziehbar.

Schauen wir uns nun einmal die Auswirkungen der prognostizierten acht Prozent Euro-Reparations-Leistungen an, die laut dem Chefstrategen zur Bewahrung der Währungszone von Deutschland jährlich leisten zu wären.

Das Bruttoinlands-Produkt betrug für Deutschland im Jahr 2011 2.570 Milliarden Euro. Auf Basis der acht Prozent müsste Deutschland also jährlich 206 Milliarden Euro an seine Euro-Nachbarn überweisen.

Aus welchem Anteil der Bruttowertschöpfung sollen nun diese Versailles 2.0-Zahlungen erfolgen.

Etwa aus den 18 Prozent oder 463 Milliarden Euro für Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Wohl kaum, denn es handelt sich hier eher um nichtproduktive Bereiche, deren geschaffene Wertschöpfung nicht ins Ausland transferiert werden kann.

Und was ist mit den 15,2 Prozent oder 391 Milliarden Euro für Handel, Verkehr und Gastgewerbe – schon eher produktiver als die öffentliche Hand; kann aber trotzdem nicht zur Rettung unserer Euro-Partner eingesetzt werden.

Und so addieren sich die weiteren 10,7 Prozent Unternehmensdienstleister, 5,2 Prozent Finanz- und Versicherungsdienstleister, 4,5 Prozent sonstige Dienstleister und 3,9 Prozent für Information und Kommunikation zu insgesamt 69,1 Prozent oder 1.776 Milliarden Euro.

Die Leistung des Baugewerbes mit 4,4 Prozent Anteil am BIP kann auch nicht transferiert werden. Wenn die PIIGS-Staaten etwas im Überfluss haben, dann Bauträger und alles was mit Immobilien zu tun hat.

Bleibt die Landwirtschaft mit einem Anteil von einem Prozent und das produzierende Gewerbe mit 25,6 Prozent. Unsere landwirtschaftlichen Produkte und produzierte Waren kann man unseren Nachbarn als Reparationen übertragen. Allerdings erwirtschaften diese beiden Wirtschafts-Faktoren nur 684 Milliarden Euro.

30 Prozent unserer geschaffenen Lebensmittel und Produkte müssten wir also als Tribute unseren Nachbarn zwecks Sicherung der Friedens- und Wohlstands-Währung Euro abliefern. Da ist noch nicht einmal der Verbrauch der Anlagen, Maschinen etc (Abschreibungen) zur Aufrechterhaltung der Produktion beinhaltet. Würden wir hier realistische Zahlen ansetzen, dann betrüge die Reduzierung des Konsum-Anteils für Lebensmittel und Produkte bei der deutschen Bevölkerung wohl mindestens 40 Prozent.

Man erkennt leicht, dass ein erzwungener Konsumeinbruch auf 60 Prozent und weniger des heutigen Niveaus völlig unrealistisch erscheint.

Die diversen Versailles-Pläne haben schon nicht funktioniert. Der vorletzte (Darwes-Plan) hat Deutschland in die Falle der US-Dollar Auslandsverschuldung getrieben. Und nachdem der massive Abfluss von US-Kapital die deutsche Wirtschaft in eine Deflations-Spirale getrieben hat, waren selbst die 3,5 Prozent des ehemaligen Young-Plans für Deutschland nicht mehr verkraftbar. Was dann kam, ist wohl den meisten noch aus dem Geschichts-Unterricht bekannt.“

Quelle: bullionaer

 

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