Die Gold-Psychose kommt erst noch

Von Manfred Gburek, 29. Juli 2011

Die Gold-Psychose kommt erst noch

Es gibt unzählige Motive, Gold zu kaufen bzw. Sachwerte im Allgemeinen oder was man dafür hält. Aber warum jetzt noch, nachdem die Preise von Gold, Silber, Platin, Palladium und Kupfer, von Häusern in München, Hamburg, Frankfurt, London und Paris schon in die Höhe geschossen sind? Die generelle Antwort lautet: Weil die Menschen weltweit, nicht nur in Europa, ein gesundes Misstrauen in alles entwickelt haben, was ihnen von offizieller Seite vorgesetzt wird: nicht eingehaltene Versprechen, Schuldenberge und marode Währungen in Kombination mit kopflosen Politikern und hilflosen Bankern.

Das Ganze wird sich noch zu einer Psychose ausweiten. Wir stehen erst an deren Anfang, auch wenn zum Beispiel der bisherige Preisanstieg der Edelmetalle ihr Ende vorspiegeln mag. Nehmen wir einfach nur den Goldpreis: Er hat sich seit seinem Tief vor gut zehn Jahren in Dollar mehr als versechsfacht. Während der Goldhausse von 1970 bis Anfang 1980 war er, ebenfalls in Dollar, in der Spitze um mehr als das Vierundzwanzigfache gestiegen. Dieser Multiplikator entspräche, auf die kommende Entwicklung übertragen, einem Goldpreis von über 6200 Dollar.

Sind solche Gedankenspiele überzogen? In Anbetracht des erwähnten allgemeinen Misstrauens keineswegs. Aktuell konzentriert dieses sich stark auf die amerikanische Schuldenkrise. Die ist gewiss schlimm genug, zumal wegen der aktuell äußerst miesen Konjunkturdaten. Doch darüber wird allzu leicht weggewischt, was den Goldpreis sonst noch bewegt: Quasi als Basisnachfrage beispielsweise die enormen staatlichen wie auch privaten chinesischen Käufe, deren wahres Ausmaß nur geschätzt werden kann. Oder die indischen, die traditionell zu Beginn der Festsaison im Spätsommer einsetzen. Auch die jüngste Flucht in den Schweizer Franken wird von Goldkäufen flankiert, denn Anleger aus dem Euro-Raum wissen die Sicherheit ihrer Edelmetallbestände in eidgenössischen Tresoren zu schätzen.

Das gilt auch für reiche Griechen, die bisher ihr Geld vor den Finanzbehörden überwiegend nach Zypern in Sicherheit gebracht haben. Das ist vielen von ihnen nicht mehr geheuer. Also verteilen sie ihre Millionen zunächst über ihre Verwandten in ganz Europa, um sie anschließend vorzugsweise in der Schweiz zu bündeln. So viel als Ergänzung zur kürzlichen Griechenland-“Rettung“, d.h. zum offiziellen Beginn der europäischen Transferunion.

Nicht zu vergessen, was für einen ungeheuerlichen Spruch der frühere deutsche Finanzminister Hans Eichel, der noch zuletzt in Oberlehrermanier durch Talkshows getingelt ist, im Jahr 2000 vor dem griechischen Euro-Beitritt von sich gegeben hatte: „Ich freue mich, dass Griechenland mit seinem großen Beitrag, den es zur europäischen Kultur geleistet hat, Mitglied der Euro-Zone wird.“ Dabei muss man sich klar machen, welche Verantwortung für das Volksvermögen ein Finanzminister in Wahrheit hat. Eichels verantwortungsloser Spruch ist ein Beleg dafür, auf welches Niveau die politische Kultur schon damals abgestürzt war. Sie hat sich seitdem bis zum Absonderlichen verschlechtert, weil Deutschland als hauptsächlicher Euro-“Retter“ auf einmal nicht nur für sich, sondern auch für 16 weitere Euro-Mitglieder verantwortlich ist.

Kein Wunder, dass deutsche Anleger es satt sind, den heutigen politischen Sprücheklopfern in Berlin noch Glauben zu schenken. Folglich investieren sie ihr Geld in Anlagen, die sie für sicher halten, zuletzt immer mehr auch in Gold. Hinzu kommt für sie die Überlegung, dass die Inflation zusammen mit der Abgeltungsteuer jegliche Verzinsung auf Spar- oder Tagesgeldkonten ins Minus rutschen lässt. Wobei die Abgeltungsteuer pikanterweise von Eichel-Nachfolger Peer Steinbrück durchgeboxt wurde, der – nach seinen Medienauftritten zu urteilen – offenbar der nächste Bundeskanzler werden will. Au backe.

Nun könnte man meinen, nachdem der Euro ein wenig aus der Schusslinie geraten ist und die USA sich am Ende doch noch auf die Bewältigung ihrer Schuldenkrise konzentrieren, müsste das Vertrauen der Anleger in die Anleihen- und Aktienmärkte allmählich zurück- und der aufwärts gerichtete Goldpreistrend nach unten umkehren. Aber das ist nicht allein wegen der politischen Unkultur in Europa und Amerika unwahrscheinlich. Denn es gibt diesseits wie jenseits des Atlantiks so viele fast in Vergessenheit geratene Altlasten, dass allein schon deren Bewältigung das Anlegervertrauen immer wieder aufs Neue untergraben wird.

Denken wir zum Beispiel an die Probleme der Banken, die sich über alle Ländergrenzen hinaus erstrecken und eindrucksvoll in der Kursentwicklung ihrer Aktien manifestieren. Ganz egal, ob es um die Deutsche Bank, BNP Paribas, Santander, Goldman Sachs oder Bank of America geht. So büßte etwa die Deutsche Bank-Aktie seit ihrem Höchstkurs vom Frühjahr 2007 bis jetzt rund 65 Prozent ein. Blenden wir die Commerzbank aus, deren Aktienkurs bereits auf Crash-Niveau gefallen ist, und streifen wir noch kurz die frühere Skandalbank Hypo Real Estate. Ihre Milliardenpleite belastet den Bundeshaushalt und damit im Endeffekt die deutschen Steuerzahler stärker als bisher angenommen. Sie soll wieder privatisiert werden, nachdem ihre Verluste zu Lasten des Staats sozialisiert worden sind – ein auch unter deutschen Landesbanken praktizierter Klassiker des Bankgeschäfts, bei dem man sich fragen muss, wer unfähiger ist, die Banker oder die Politiker.

Wie Sie anhand solcher – auch international üblicher – Methoden erkennen, sieht es um das ganze Finanzwesen recht düster aus. Und nun droht auch noch der deutsche XXL-Aufschwung zu Ende zu gehen, was die Bankbilanzen und den deutschen Staatshaushalt in ein Meer von roten Zahlen zu stürzen droht. Den Nachbarländern und den USA geht es im Zweifel noch schlechter. Das alles ins Kalkül einzubeziehen, ist nicht Pessimismus, sondern purer Realismus. Das Ihnen ja schon reichlich bekannte, bis auf Weiteres gültige Fazit kann folglich nur lauten: Bleiben Sie im Gold und in den anderen Edelmetallen engagiert und verwenden Sie möglichst viel Zeit für die Beobachtung der Märkte, um bei Bedarf flexibel reagieren zu können.

Quelle:  http://www.gburek.eu/

 

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