Die große Spekulation mit Immobilien, Aktien und Edelmetallen

Manfred Gburek, 16. März 2012

Vor einigen Tagen traf ich einen alten Bekannten, der mir freudestrahlend von seinem neuesten Hauskauf im Niederbergischen Land erzählte. Als ich ihn nach dem Grund fragte, antwortete er mir mit einem einzigen Wort: Griechenland. Nun kenne ich die Gegend seit langer Zeit; über ihre Grenzen hinaus ist sie in erster Linie durch den Neandertaler bekannt. Was den mit dem Volk der Hellenen verbindet, war mir erst einmal schleierhaft. Aber mein Bekannter klärte mich ratzfatz auf: „Du weißt doch, Griechenland bringt uns Inflation, und ich schütze mich davor, indem ich ein Haus kaufe. So bringe ich mein Geld in Sicherheit.“ Sprach’s und verabschiedete sich mit einem Leuchten in den Augen.

Aussagen wie diese sind typisch für die aktuelle Gemütslage breiter Bevölkerungskreise hierzulande und für die Argumentation vieler Immobilienmakler. Sie enthalten sogar ein Körnchen Wahrheit, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen: Je mehr Griechen – und Bewohner aus anderen Peripherieländern Europas – nach Deutschland kommen, desto stärker wächst hier der Bedarf an Wohnraum, was die Immobilienpreise von Fall zu Fall durchaus nach oben treibt. Das hat indes nichts mit der Gegend rund um das Neandertal zu tun und mit der Inflation als solcher erst recht nicht.

Aber warum hat sich dann Griechenland als vermeintlicher Inflationstreiber in den Köpfen vieler Deutscher schon derart festgesetzt, dass sie auf einmal mehr Immobilien kaufen als noch vor zwei oder drei Jahren? Die Antwort ergibt sich zum Teil zwar aus der hinreichend bekannten Kombination von niedrigen Zinsen und Nachholbedarf in den Ballungszentren, zu einem weiteren nicht zu unterschätzenden Teil aber aus der medialen Wahrnehmung und aus der Massenpsychologie: So gut wie alle gängigen Medien bombardieren uns ständig mit den Themen Griechenland, Schuldenkrise, -bremse und -schnitt, ESM, Target2, Geldschwemme usw. Da können Reaktionen der Bevölkerung nicht ausbleiben, einer steckt den anderen an, und am Ende heißt es oft, die Deutschen seien in puncto Inflation besonders sensibel, weil sie eine ganz schlimme Geldentwertung 1923 und eine fast so schlimme nach dem 2. Weltkrieg erlitten haben.

Besonders an der Geldschwemme ist zweifellos viel dran. Nachdem sie bis zum vergangenen August die Edelmetalle so stark begünstigt hatte, dass damals sogar die Bild-Zeitung das Thema Gold auf die Titelseite hob, ergoss sie sich später immer mehr über deutsche Wohnimmobilien und – nach einigem Hin und Her – seit Beginn dieses Jahres auch über Aktien. Wobei zu beachten ist, dass es sich bezüglich der Edelmetalle und Aktien um ein internationales, bezüglich der Wohnimmobilien in diesem Fall dagegen um ein deutsches Phänomen handelt, während die Preise dieser Immobiliengattung in vielen anderen Ländern eher abwärts gerichtet sind (dazu später mehr). Was allerdings einschließt, dass sich bei uns inzwischen wieder viele Anleger aus dem Ausland tummeln, die besonders großen Gefallen an Wohnungen und ganzen Häuserzeilen in Hamburg und Berlin finden.

Die Edelmetalle haben, wenn man so will, zwei Konkurrenten. Sie mit Aktien und Immobilien zu vergleichen, gerät dennoch immer wieder zu einem wahren Abenteuer, auch wenn alle drei gemeinhin als Sachwerte gelten. Das beginnt damit, dass Edelmetalle sich nicht verzinsen, dass Aktien wie auch Immobilien Mischungen aus Ertrags- und Substanzwerten sind und dass alle drei ihre spezifischen Zyklen haben.

Spannende Frage: Werden Großanleger sich nach der fulminanten Rally der Aktien wieder mehr den Edelmetallen widmen? Beide Anlageklassen haben ja zumindest insofern etwas gemeinsam, als man schnell in sie einsteigen und auch wieder aus ihnen aussteigen kann, was im Fall Immobilien – abgesehen von Immobilienaktien und von noch nicht eingefrorenen offenen Immobilienfonds – höchst selten gelingt. Die Antwort heißt ja, wobei das Timing weniger von Kennzahlen als von plötzlichen äußeren Ereignissen bestimmt sein wird. Diese können politisch bedingt sein (zum Beispiel Eskalation in Nahost), mit der Staatsschuldenkrise zu tun haben (neue Euro-Probleme) oder durch die Börsentechnik zustande kommen (etwa große Short-Eindeckungen). Im Übrigen ist nicht auszuschließen, dass Edelmetalle und Aktien sich für eine bestimmte Zeit parallel entwickeln, was in der Vergangenheit immer wieder mal vorgekommen ist.

Bliebe noch ein weiterer Blick auf Wohnimmobilien. Dazu hat das Institut der deutschen Wirtschaft vor Kurzem eine interessante Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, wie wenig dynamisch sich der deutsche Wohnungsmarkt im Vergleich zu denen in anderen Ländern entwickelt. Demzufolge sind die Hauspreise in Deutschland seit Anfang 2000 kaum vom Fleck gekommen. Dagegen sind sie seitdem bis Mitte 2007 in den USA um 60 Prozent gestiegen, in Irland sogar um 120 Prozent, in Großbritannien bis Anfang 2008 um 110 Prozent und in Spanien bis dahin um sagenhafte 140 Prozent.

Falls Sie sich jetzt fragen, warum ich Ihnen diese Zahlen auftische: Die meisten deutschen Wohnungsspekulanten sind entweder in die Jahre gekommen oder haben das Zeitliche schon gesegnet. Übrig geblieben sind Bestandshalter und Händler von Wohnungspaketen, die ihre Bestände von Fall zu Fall arrondieren, ohne jedoch von vornherein bloß spekulative Absichten zu haben. Das ist im Ausland anders. Seit ich, beginnend in den 70er Jahren, Spanien bereise, sehe ich immer und überall Schilder mit der Aufschrift „se vende“. Und entfernte Verwandte von mir (er Ire, sie eine in England eingebürgerte Deutsche) sind während der vergangenen 20 Jahre sieben Mal umgezogen – nicht etwa persönlich oder beruflich bedingt, sondern aus Spaß an der Spekulation im Großraum London.

Zu den obigen Zahlen wie auch zum unterschiedlichen Umgang mit Wohnimmobilien in Deutschland und im Ausland sei noch ergänzt, dass die Hauspreise in den erwähnten Ländern seit 2007 bzw. 2008 stark eingebrochen sind, am schlimmsten in Irland und in Spanien, während sie in Deutschland gemäß IMX-Immobilienindex von ImmobilienScout24 seit 2009 (Neubau) bzw. seit 2010 (Bestand) moderat steigen. Andere Indizes, etwa von BulwienGesa, Hypoport oder IPD, bestätigen den Trend für Deutschland im Großen und Ganzen.

Kann es nun dazu kommen, dass international agierende Spekulanten sich mehr und mehr von den Edelmetallen abwenden, den Aktien weiterhin große Aufmerksamkeit schenken und obendrein wieder verstärkt in Wohnimmobilien einsteigen, weil deren Preise außer in Deutschland kräftig gefallen sind? Nein, denn über allem schwebt die Staatsschuldenkrise, und die wird noch lange von der Geldschwemme begleitet. Das heißt, mag von den drei Anlageklassen mal die eine, mal die andere favorisiert sein, Geldschwemme bedeutet Erosion der Währungen, und diese hat ihr Spiegelbild vor allem im steigenden Goldpreis, dem der Silberpreis unter größeren Schwankungen folgt.

Quelle: http://www.gburek.eu

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