Die letzten Tage im Führerbunker

Gastbeitrag von Marco D.

Die letzten Tage im Führerbunker

Es ist Ende April 1945. Ich bin Funker tief unten im Führerbunker im eingeschlossenen Berlin.  Bisher habe ich meinen Dienst immer ordentlich erfüllt und habe mir wenig Gedanken über das gemacht, was „DIE DA OBEN“ in der letzten Zeit so alles getrieben haben. Aber so langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen. Ich sitze hier hinter meterdicken Betonmauern. Noch können mir die Stalinorgeln, die unerbittlich ihre Geschosse auf das Stadtgebiet abfeuern nichts anhaben. Aber wie ergeht es wohl den Menschen, die diesem Feuer ohne Schutz ausgesetzt sind (Menschen, die von 1 Dollar am Tag leben müssen und jeden Monat dank Spekulationen auf Nahrungsmitteln noch weniger Nahrung für ihren hart erarbeiteten Lohn bekommen)?

Es hat doch alles mal so gut angefangen. Die Aufrüstungsprogramme (Globalisierung, Deregulierung des Finanzmarktes) haben doch Arbeit und bescheidenen Wohlstand für VIELE und großen Wohlstand für WENIGE gebracht. Nach den ersten Blitzkriegen waren viele sogar begeistert („Exportweltmeister“; sinkende Arbeitslosenzahlen). Die Verluste an der Front (steigende Leiharbeitsverhältnisse, Hartz4) hielten sich in Grenzen und wurden von vielen akzeptiert oder hingenommen.

Doch dann kam Stalingrad (Lehman-Pleite). An diesem Punkt hätten wir eigentlich aufwachen müssen. Doch stattdessen forderte man uns zum totalen Krieg auf. Totaler und brutaler, als die Welt ihn je gesehen hat (Schulden mit noch mehr Schulden bekämpfen). Und viele schrieen JA. Einige aber wollten das nicht mitmachen und forderten andere dazu auf, das System zu beenden.

Das waren zum Beispiel die Widerstandskämpfer (Blog-Schreiber in bestimmten Foren) oder die Mitglieder der Weißen Rose (Occupy).  Diese Minderheit konnte sich aber nicht durchsetzen, da sie es nie schaffte, die Massen zu mobilisieren. Nach Ausrufung des totalen Krieges ging es aber eigentlich nur noch bergab. Selbst die Ardennen-Offensive (Konjunkturprogramme) konnten der Übermacht des Feindes (Zinseszinssystem, Macht der Großbanken und Hedgefonds, Gier) nicht viel entgegensetzen. Jetzt sitze ich hier und die Einschläge kommen immer näher. Das einzige, was in der Stadt noch funktioniert sind die Lichtspielhäuser (Doku-Soaps, Bundesliga, usw.). Aus den Volksempfängern kommen die immer gleichen Durchhalteparolen: Kämpft bis zum Endsieg (der Euro ist sicher und bringt allen Wohlstand)! Es wird von Vergeltungswaffen (EZB, ESM) gesprochen, die besser sein sollen als die bisherigen V1 und V2 und denen kein Feind (Spekulant) etwas entgegen setzen kann. Doch wie sieht die Realität aus? Oben wird hastig aus Kindern (zukünftigen Steuerzahlern) und alten Männern (Sparern, die jahrzehntelang brav in Lebensversicherungen eingezahlt haben) der Volkssturm (EFSF) zusammengestellt. Da dieser Volkssturm aber nur mit alten Karabinergewehren ausgestattet ist, versucht man noch schnell diesen Greisen und Kindern ein paar Panzerfäuste (Hebelung) gegen die anrückenden russischen Panzer (Spekulationen gegen europäische Staatsanleihen) in die Hand zu drücken.

Aber was bringt das alles? Es wird doch nur zu noch mehr Opfern führen. Der Niedergang ist nicht mehr aufzuhalten. Aus dem Funkgerät kommen nur noch irgendwelche wirren Meldungen. Der Generalstab wartet auf die 12. Armee unter General Wenck (China soll im großen Stil europäischen Staatsanleihen kaufen). Aber die Überreste dieser 12. Armee haben im Moment andere Sorgen, da sie selbst unter massivem Beschuss stehen (Immobilienblase in China) und werden wohl daher als Retter ausfallen. Und selbst wenn der Volkssturm noch einige Zeit durchhält, was wäre dann gewonnen? Die Alliierten unter Führung der Amerikaner stehen schon tief im Reich und verfügen über nahezu unerschöpfliche Munitionsvorräte (dank Helicopter-Ben druckt die private FED Dollars ohne Unterlass; Öl darf nur in Dollar bezahlt werden). Man munkelt sogar, dass sie eine Atombombe (Derivate) erfunden haben. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn das Ding hochgeht. Vielleicht ist es doch besser, wenn die Russen bald hier sind und das ganze ein Ende hat. Warum bleibe ich diesem System weiter treu? Doch dann höre ich wieder die Propaganda, die mich vor einer Kapitulation und dem daraus resultierenden sicheren Tod (oder bestenfalls das russische Kriegsgefangenenlager) warnt.

Und was mache ich? Ich mache meinen Dienst weiter wie bisher und hoffe, dass es schon irgendwie nicht ganz so schlimm kommen wird. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ausblick:
Die Stunde Null. Ist das das Ziel? Die Befreiung von den Fesseln des Systems? Ja, es war ein Neuanfang, damals 1945. Aber einer, der bitter erkauft wurde. Es gab Massenvergewaltigungen, Mord und Totschlag. Es wurden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Die Menschen mussten noch einige Hungerwinter überstehen, bis es endlich wieder aufwärts ging.

Und zur Erinnerung: Von „DENEN DA OBEN“, die das ganze angezettelt haben, haben viele (trotz Nürnberger Prozesse) das ganze auch mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Sie sind z. B. in der späteren Bundesrepublik Richter geworden, haben beim Aufbau der Bundeswehr mitgeholfen, haben die Geheimdienste mit aufgebaut, sind in der Industrie untergekommen, usw. Die Stunde Null führt nie zu einer vollständigen Bereinigung des Systems. Aber eines ist sicher: Die größten Opfer bringen immer die sog. „Kleinen Leute“.

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Abschließend noch ein Hinweis in eigener Sache um eventuelle Missverständnisse auszuschließen: Dies ist eine Parabel um aufzuzeigen, an welcher Stelle des Systemzusammenbruchs wir meiner Meinung nach aktuell stehen.
Ich möchte mit diesem Text in keiner Weise die Grauen des 2. Weltkrieges in irgendeiner Art und Weise verharmlosen, noch möchte ich Personen oder Institutionen der Gegenwart mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringen.

Marco D.

Die letzten Tage im Führerbunker
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3 Kommentare

  1. Finger weg von Vergleichen mit dem 3. Reich. So war es nicht und die Art des Beispiels suggeriert, dass 1945 eine Befreiung war.
    Ich habe den Hinweis mit der Parabel wohl gelesen. Dennoch suggeriert die Parabel, dass es nötig war, uns zu befreien.
    Viele denken anders:
    – Deutschland – seit 60 Jahren besetzt und nicht souverän.
    – Befreit wodurch ? Besetzt wieso ? >> von der Souveränität Deutschlands und der Wirtschaftsform, die stark von der anderen Welt abwich! (Weg von Krediten, hin zu Warenaustausch – ohne Golddeckung und ohne Zins. DAS galt es zu zerstören.) Und (auch in der Gegenwart) deshalb galt es, Libyen vom ‚Despoten‘ zu befreien, damit dort ja niemand etwa eine andere Währung (Gold) einführt oder / und Öl gegen Rubel oder Yuan hergibt. Welche Katastrophe!

    Auf den Bänken der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse haben wenigstens die Hälfte der Leute gefehlt: Genau die der Gegenseite!

    Auch deshalb war mir die Parabel viel zu einseitig. Aber 60 Jahre Umerziehung mussten so etwas hervorbringen. Das kann man als Entschuldigung verstehen… Die Leute kennen es halt nicht mehr anders. Leider.

    Eine Befreiung war das nicht. Höchstens ein Zurückdehen des Rades. Die alten Mächte haben wieder mal gesiegt. Diejenigen, die mit Krieg immer alles hinbekommen haben: 1918 und 1945 oder um mit Namen zu sprechen: Deutschland, Irak, Libyen … >> Iran als Nächsten?
    Zitat:

    „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte.“

    Churchill zu Lord Robert Boothby, zit. in: Sidney Rogerson, Propaganda in the Next War, Vorwort zur 2. Auflage 2001, ursprünglich 1938 erschienen.
    Winston Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Scherz, München 1960.
    Winston Churchill in seinen „Erinnerungen“.

    Sehen Sie, und genau deshalb war die Parabel unpassend.

    Toma.

    P.S. Es gibt aber noch einen kleinen Trost:
    „Wir Deutschen sollten die Wahrheit auch dann ertragen lernen, wenn sie für uns günstig ist.“

    Heinrich von Brentano

    • Ich respektiere Ihre Meinung. Wie man geschichtliche Ereignisse bewertet ist immer etwas subjektives.
      Ich für meinen Teil jedenfalls bin froh, dass mein bisheriger Lebenslauf folgende Punkte NICHT enthält:
      Jungvolk
      Hitlerjugend
      Wehrmacht
      Reichsarbeitsdienst
      Das alles ist mir erspart geblieben, weil Deutschland am 08.05.1945 befreit / besetzt oder was auch immer wurde.

      In der Parabel ging es aber nicht im Geringsten um das 3. Reich. Daher möchte ich das hier nicht weiter vertiefen. Es geht um den aktuellen Finanz/Gier/Verschuldungswahnsinn. Und darum, wie sich viele Leute, die ich kenne, aktuell fühlen. Nämlich wie das Kaninchen vor der Schlange. Viele sehen / spüren / ahnen die Gefahr. Aber die meisten sind ratlos oder haben Angst vor dem was kommen könnte, wenn man radikale Veränderungen am System durchführen würde. Auch wenn ich viele Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges geboren wurde, kann ich mir vorstellen, dass es vielen Deutschen damals (natürlich in einem ganz anderen Umfeld, mit ganz anderen Auswirkungen, die mit den heutigen Problemen nichts zu tun haben) ähnlich ging. Es herrschte ein System, bei dem vielen klar war, dass es zusammenbrechen und viele Opfer fordern wird. Die meisten haben aber nichts dagegen unternommen, das System zu ändern oder vorzeitig zu beenden (ich weiß, dass das wahrscheinlich immens schwierig gewesen wäre). Und in so einer ÄHNLICHEN von einer Mischung aus Angst / Unwissenheit / Hoffnung / Trägheit, usw. geprägten Situation befinden sich auch heute im Oktober 2011 viele Menschen in diesem Land und rund um den Globus.

      Marco

      • Einverstanden!

        Die gleichen Leute, die für das Übel in der Welt verantwortlich waren sind es (immer) wieder. mal sehen, ob das sich jemals ändert. UND mal sehen, ob es gelingt, z. B. durch solche Seiten wie die hier (Krisenfrei, der Honigmann sagt, PolitikGlobal, MMnews, allesschallundrauch um nurt einige zu nennen) noch einige Leute aufzuwecken, damit „sie“ es mit uns nicht ganz so bunt treiben können…
        Ich für meinen Teil versuchge es täglich.

        Ich war in folgenden Organisationen:
        Pionierorganisation
        FDJ
        GST
        NVA
        Und ich kann versichern, ALLES war nicht schlecht, was dort passierte: Man lernte fürs Leben. Und wenn es manchmal nur das Lernen war, dass man zwei Gesichter haben muss. Ein Offizielles und ein Privates, bei … Es scheint so, als wenn das wieder kommt. Lasst uns dagegen angehen.

        Aber es gibt auch Hoffnung:

        HIER!! Link: http://www.youtube.com/watch?v=Gsax9KwHqog

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