Die moralische Abscheulichkeit von Sanktionen

Jacob G. Hornberger

Eine vor kurzem in der New YorK Times veröffentlichte Kolumne unter dem Titel “Pinched and Griping in Iran” (Abgehärmt und unzufrieden im Iran) von Nicholas D. Kristof zeigt, wie unterschiedlich Mitmacher im Vergleich zu uns Libertären denken, besonders wenn es um Außenpolitik und moralische Grundsätze geht. 

Kristof fährt im Iran herum und berichtet über seine Erfahrungen in dem Land. In seinem Artikel konzentriert er sich auf die schrecklichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Sanktionen, die die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Iran verhängt hat. (Deren europäische HiWis und Untertanen machen auch mit, d.Ü.)

Während Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika manchmal gerne behaupten, dass ihre Sanktionen gegen ausländische Regierungsvertreter gerichtet sind, könnte nichts weniger der Wahrheit entsprechen. Sorgfältig dokumentiert Kristof, wie die iranischen Menschen die Hauptlast der Sanktionen tragen. Er schreibt:

Weitgehend aufgrund der Sanktionen sperren Fabriken zu, verlieren Arbeiter ihre Arbeitsplätze, bricht der Handel zusammen und steigen die Preise. Das wirkt sich verheerend aus auf die Geldtasche des durchschnittlichen Iraners – und auf den Stolz.

Offen gesagt haben die Sanktionen die beabsichtigten Wirkungen: sie haben erstaunliches wirtschaftliches Leid für die Iraner zur Folge und erzeugen Unzufriedenheit. 

Kristof fährt dann fort mit besonderen Beispielen von Menschen, die unter den Auswirkungen der Sanktionen leiden.

Kristof sagt: „Ich bedaure dieses Leiden, und machen wir uns nichts vor, die Sanktionen treffen die einfachen Iraner schwerer als die höheren Kreise. Ich bin auch entsetzt, dass der Westen Verkäufe von Ersatzteilen für Flugzeuge blockiert und so Abstürze von zivilen Flugzeugen riskiert.“

Offensichtlich weiß Kristof nicht, dass infolge der Sanktionen bereits zivile Flugzeuge im Iran abgestürzt sind, wie ich 2010 in meinem Artikel „Another ‚Success’ Story from U.S. Sanctions“ ausgeführt habe.

Aber Kristofs offenkundige Unkenntnis dieser Flugzeugabstürze ist nicht das Schlimmste. Der schlimmste Teil dieses Artikels, der Teil, der den schiefen moralischen Kompass von Mitmachern allerorts aufzeigt, besteht darin, dass ungeachtet des schrecklichen Leidens, das die Sanktionen den iranischen Bürgern zufügen Kristof sagt, dass diese dennoch weitergeführt werden sollten. 

Was ist seine Begründung? Er betrachtet das Leid, das dem iranischen Volk durch die Sanktionen auferlegt wird als eine Möglichkeit, die iranische Regierung zu zwingen, sich dem Diktat der Vereinigten Staaten von Amerika zu unterwerfen oder seine Macht zu verringern. Kristof schreibt unverblümt: „Dennoch, mit Entschuldigungen an die vielen wundervollen Iraner, die mich mit ihrer Gastfreundschaft überwältigt haben, befürworte ich Sanktionen, weil ich keinen anderen Weg sehe, das Regime in der Frage der Atomkraft unter Druck zu setzen oder sein Festhalten an der Macht zu lockern.“

Offensichtlich stellt sich Kristofs vor, dass die Wut unter den iranischen Bürgern die iranische Regierung so in Angst versetzen wird, dass sie sich den Diktaten der Vereinigten Staaten von Amerika beugt. Vielleicht träumt Kristof sogar von einem Staatsstreich, der ein proamerikanisches Regime an die Macht bringt, wie denjenigen, den die CIA 1953 inszenierte, der das brutale proamerikanische Regime des Schah an die Macht brachte.  

Kristofs Anschauung erinnert mich an die infame Äußerung, die die damalige Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika bei den Vereinten Nationen Madeleine Albright machte, als sie wegen der Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Irak gefragt wurde. Die Sanktionen gegen den Irak pressten wie die gegen den Iran den wirtschaftlichen Lebenssaft aus dem irakischen Volk. Die Situation wurde so schlimm, dass neu geborene Babies und kleine Kinder aufgrund der harten Auswirkungen der Sanktionen sterben mussten.

Was war Albrights Reaktion auf all das Sterben und Leiden in den irakischen Familien? Im Prinzip bemerkenswert ähnlich wie die von Kristof. Leslie Stahl von 60 Minutes (amerikanische TV-Sendung) sagte zu Albright: „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder als in Hiroshima gestorben sind. Und wissen Sie, ist der Preis das wert?“ Albright antwortete: „Ich denke, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis, so denken wir, der Preis ist es wert.“

So kann leicht sein, dass Millionen Iraner ihre gesamten Ersparnisse durch die Sanktionen verlieren. Wenn sich die Lage schlimm genug entwickelt, kann es auch zu einer hohen Kindersterblichkeit kommen. Ja, vielleicht sterben auch hunderte Iraner, Erwachsene und Kinder, durch Flugzeugabstürze infolge der Sanktionen.

Aber, sehen Sie, vom Standpunkt des Mitmachers aus beurteilt ist es das alles wert, weil es die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass iranische Politiker so große Angst vor ihren Bürgern bekommen werden, dass sie vor den Diktaten der Politiker der Vereinigten Staaten von Amerika in die Knie gehen, oder, noch besser, freiwillig die Macht einem proamerikanischen Regime überlassen werden.

Sicher weiß Kristof, dass derartige Wunschvorstellungen sich kaum erfüllen. Im Irak dauerten die Sanktionen 11 brutale Jahre lang, brachten Tod, Verarmung und Leiden über die irakischen Menschen, Jahr für Jahr. Es bedurfte letztlich der militärischen Invasion des Irak nach dem 9/11 durch das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika, auf der Basis von zusammengelogenen Vorwänden, um endlich den Regimewechsel zu erzielen, den eigentlich die Sanktionen herbeiführen hätten sollen.

Während darüber hinaus einiges von dem Zorn und der Frustration über die Sanktionen gegen den Irak sich gegen das irakische Regime gerichtet haben könnte, kochte es letztlich über mit terroristischen Angriffen gegen die Vereinigten Staaten von Amerika, mit der Attacke gegen das Word Trade Center 1993, der Attacke auf die USS Cole, den Attacken auf die Botschaften der Vereinigten Staaten von Amerika in Ostafrika und, am ärgsten, den Attacken vom 9/11.

Was wird Nicholas Kristof sagen, wenn ein paar von den iranischen Familien, die alles verloren haben, darunter Geld und Kinder, als Ergebnis der Sanktionen herüber in die Vereinigten Staaten von Amerika kommen und sich mit einem massiven terroristischen Angriff rächen? Ich gehe davon aus, dass Kristof sofort die Standardlinie der Statisten nachbeten wird: „Der terroristische Angriff hat nichts zu tun mit den Sanktionen gegen den Iran. Diese Terroristen hassen uns nur wegen unserer Freiheit und unseren Werten.“

Die Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Iran sind moralisch abscheulich, nicht anders als sie es gegen den Irak waren und als sie es gegen Kuba sind und nicht anders, als wenn sie sich gegen andere Länder der Erde richten. In Wirklichkeit sind sie ein Akt des Krieges, der geführt wird gegen die zivile Bevölkerung eines anderen Landes. Sie zielen gegen die Unschuldigen in der Hoffnung, dass die Bürger die Richtung ihrer Regierung beeinflussen wird. Sie sind die perfekte Verkörperung des Sagers „Der Zweck heiligt die Mittel.” Und sie erzeugen das ständige Klima terroristischer Vergeltung, welches – und das ist kein Zufall – benutzt wird, um ständig steigende Budgets für das Militär und die CIA und ständig zunehmende Übergriffe auf die Freiheit und den privaten Bereich der Menschen Amerikas zu rechtfertigen.

Es gibt nur eine moralische Antwort für die Nicholas Kristofs und diese Sorte von Mitmachern, und wenig überraschend kommt diese Antwort von uns Libertären: Hebt alle Sanktionen gegen jegliches Land der Welt auf und befreit die Menschen Amerikas, damit sie frei reisen können, wohin immer sie wollen und frei Handel treiben können, mit wem immer sie wollen! 

Quelle: antikrieg

Die moralische Abscheulichkeit von Sanktionen
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