Die neue Ära wird ungemütlich

… wohl wahr, wohl wahr, Herr Gburek. Da stimme ich mit Ihnen völlig überein.

Der Schuldenmeister, alias Heli-Ben kann noch so viel Geld abwerfen – die US-Wirtschaft kommt dadurch nicht in Schwung. Im Gegenteil. Durch die anziehende Inflation, die in einigen Jahren in eine mögliche Hyperinflation ausarten könnte, wird das globale Aufschwungpflänzchen mehr und mehr abgewürgt.

Der US-Dollar hat als Weltleidwährung ausgedient. Ob allerdings der Euro dafür geeignet ist, wage ich zu bezweifeln. Die Chinesen attackieren bereits den Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748730,00.html

Wo das noch hinführen wird, bleibt abzuwarten. Generell sei noch anzumerken: Wenn der Dollar kippt, sind alle anderen Währungen auch am Ende.

Hier der gute Kommentar von Manfred Gburek, 4. März 2011

Die neue Ära wird ungemütlich

Kaum hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der jüngsten Sitzung des EZB-Rats eine Bemerkung gemacht, die man als Hinweis auf demnächst steigende Zinsen interpretieren konnte, machte der Euro im Vergleich zum Dollar einen Satz nach oben. Eine Reaktion, die Aufsehen erregte. Warum, liegt auf der Hand: In der Vergangenheit konnten die Zentralbanken beschließen, was sie wollten – sobald Unruhen in einem wichtigen Ölförderland aufkamen oder sich zu Ölkrisen entwickelten, reagierten die Märkte mit einem Dollar-Anstieg.

Steht uns jetzt eine Zeitenwende bevor oder ist sie schon da? Gehen wir den Dingen auf den Grund. Trichet hat seine Bemerkung bitterernst gemeint. Das geht auch aus den Protokollen der vergangenen Wochen hervor, als er sich zu Lohnerhöhungen wie folgt äußerte: „Das wäre das Dümmste, was man machen könnte.“ Und sein Mitstreiter Lorenzo Bini Smaghi assistierte ihm eher zufällig, als er hinausposaunte, viele Nahrungsmittelpreise würden wohl dauerhaft oben bleiben. Als Opfer von streikbedingten Verspätungen der Deutschen Bahn, weil zur Abwechslung mal wieder die Lokführer gestreikt haben, möchte ich Trichets Aussage ergänzen: Das „Dümmste“ – nennen wir es lieber das Konsequenteste – könnte man nicht nur machen, man wird es machen, nämlich die Lokführerlöhne erhöhen.

Auf den Punkt gebracht, haben wir es hier mit einem Kräfteviereck zu tun: Zinsen – Währungen – Öl – Löhne. Die beiden zuletzt genannten lassen sich in einem Begriff zusammenfassen: Inflationstreiber, was sich, wie wir am Freitag wieder erlebt haben, positiv auf Gold und Silber auswirkt. Und wer es konkret an einem Beispiel aufgehängt haben möchte: Bleibt der Ölpreis auch nur auf dem aktuellen Niveau, fallen im Euro-Raum je Haushalt zusätzliche Kosten von jährlich rund 200 Euro allein für Benzin und Heizöl an. Wer das für Kleinkram hält, sollte sich vergegenwärtigen: So eine Mehrbelastung trifft vor allem Bevölkerungsschichten, die ohnehin schon mit geballter Faust in der Tasche herumlaufen. Von daher kommen zumindest unruhige Zeiten auf uns zu, wenn nicht sogar mehr.

Die Bürgerkriege in Nordafrika und im Nahen Osten werden uns von den meisten Medien als das Ende der Ära korrupter und brutaler Herrscher präsentiert. Dagegen ist zwar nichts einzuwenden, weil die Berichterstattung zum journalistischen Handwerk gehört; aber die Bürgerkriege markieren auch den Beginn einer neuen Ära, und die wird für uns nicht nur wegen hoher Benzin- und Heizölpreise ungemütlich.

Ich spiele damit weniger auf die vielen Bootsflüchtlinge an, obwohl auch sie uns eines nicht allzu fernen Tages – direkt und indirekt – viel Geld und Integrationsbemühungen kosten werden. Vielmehr meine ich das jugendliche Gewaltpotenzial in den unruhig gewordenen Ländern, das sich aus der hohen Arbeitslosigkeit entwickeln wird. Sieht man von Libyen ab, wo sie geschätzte 30 Prozent beträgt und allein schon deshalb zu besonders heftigen Auseinandersetzungen geführt hat, bewegt sie sich in den anderen Ländern der Region von der Spanne 10/11 Prozent (Ägypten/Saudi-Arabien) bis 14/15 Prozent (Tunesien/Iran). Die hohe Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen dürfte diese zu Anschlägen verführen, von denen auch Deutschland nicht verschont bleiben wird.

Ein finanzieller Aspekt im Zuge dieser Entwicklung ist die Kapitalflucht aus den betroffenen Ländern in den Euro-Raum, speziell auch nach Deutschland. Sie wird uns von den Medien überwiegend als Kapitalanlage von Ölscheichs zwecks Diversifikation ihres reichlichen Vermögens verkauft. Doch schon die Sperrungen der Mubarak- und Gaddafi-Konten lassen ahnen, um was für einen Unsinn es sich bei solchen Diversifikationsmärchen handelt. Tatsache ist, dass die Ölscheichs Angst vor ihren eigenen Landsleuten haben und im Übrigen neuerdings Anlagen in Euro gegenüber dem Dollar bevorzugen. Insofern passt die eingangs zitierte Bemerkung von EZB-Präsident Trichet ins Bild, wonach die Zinsen – die im Euro-Raum – bald steigen könnten: Aus Petrodollars werden umso mehr Petroeuros, je attraktiver die Euro-Zinsen im Vergleich zu den Dollar-Zinsen zu werden versprechen.

Wie verhalten sich Gold und Silber bei so einem Szenario? Der Blick auf die bullishen Charts hilft zunächst nicht weiter, eher schon die Überlegung, dass steigende Zinsen zweierlei bedeuten: größere Attraktivität von Zins- im Vergleich zu anderen Anlagen und rückläufige Anleihekurse, also ein Mal kontra und ein Mal pro zinslose Edelmetalle. Dazu eine weitere Überlegung: Die Zinsen steigen ja nicht von sich aus oder weil Trichet sich einen Spaß daraus machen will, sondern weil sie ein Signal sind, dass die EZB es mit der Inflationsbekämpfung ernst meint. Bleibt es nicht bei dem einen Signal, sondern folgt ihm noch das eine oder andere, beginnen die Anleger an eine fortwährende Inflation zu glauben. Geraten die Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflationsrate) dann ins Minus, ist wieder die Stunde der Edelmetalle gekommen.

Das jüngste Auf und Ab der Edelmetallpreise – allerdings bei anhaltendem Aufwärtstrend – spiegelt die hier angestellten Überlegungen wider. Es ist nichts für schwache Nerven, sollte Sie jedoch nicht allzu nervös machen, weil der ultimative Preisschub uns noch bevorsteht. Die inflationären Preistreiber werden ihre volle Wirkung erst noch entfalten. Wer anderer Meinung ist, wird allein schon durch die rapide steigenden Brotpreise in den arabischen Ländern eines Besseren belehrt. Und niemand sage, Tunesien und Ägypten, wo die Bevölkerung regelrecht um Brot gekämpft hat, sei weit entfernt. Die Globalisierung sorgt dafür, dass fast alle Länder sich gegenseitig infizieren können.

„Der Schwarze Schwan“ ist zum internationalen Kultbuch geworden, weil der Autor es geschafft hat, mit einer einzigen These Weltruhm zu erlangen: Platt gesagt, dass das Leben voller Überraschungen steckt. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, in Zukunft mehr überrascht zu werden. Als Anleger können Sie sich – da wiederhole ich mich gern – mit physischen Edelmetallen und einer vernünftigen, auf Ihre persönlichen Belange zugeschnittenen Anlagenmischung dagegen wappnen. Und was ich in diesem Zusammenhang immer wieder als hilfreich empfinde: Viel Kommunikation und viele Reisen – möglichst auch in weit entfernte Länder – sind für die Geldanlage von großem Nutzen, weil man dann viel Gespür dafür bekommt, warum die Märkte sich in die eine oder andere Richtung entwickeln. Auch die Edelmetallmärkte, die bis auf Weiteres allerdings die Richtung nach oben bevorzugen.

Quelle: http://www.gburek.eu/

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