Ein Desaster rollt auf die spanischen Banken zu

The Pain in Spain – oder wie man mit der Not Spaniens viel Geld verdient

Verfasst von Niki Vogt

„In der Natur ist es ein sicheres Zeichen: Wenn die Aasfresser und Geier ein Tier bereits anvisieren und umkreisen, ist sein Ende nah. In der Finanzwelt ist das nicht viel anders. Die Spekulanten und Hedgefonds haben sich an die Fersen Spaniens gehängt. Sie analysieren, genau wie die Jäger in der Natur, wie schwach und angreifbar die Beute ist, und ob sie noch nennenswerte Gegenwehr bieten kann. Die Analyse geht zu Ungunsten Spaniens aus.

Die Fundamentaldaten Spaniens sind viel schlechter, als allgemein bekannt. Die Analysten der großen, internationalen Investmentgesellschaft „Carmel Asset Management“ haben eine Studie herausgebracht mit dem Titel „The Pain in Spain“ (Die Qual in Spanien) http://www.scribd.com/fullscreen/88388379

Dieser Analyse zufolge sieht es mit der Zukunft Spaniens alles andere als rosig aus. Fünf gewichtige Gründe führen zu dem Ergebnis, dass man in dieser Situation nur noch Kreditausfallversicherungen (CDS) für das Königreich Spanien kaufen kann. Die bringen, so die Empfehlung von Carmel an seine Kunden, noch 3,5% pro Jahr ein, und beim Staatsbankrott Spaniens innerhalb der Laufzeit der CDS noch eine stattliche Prämie. Sollte die „Spanische Krise“ noch im Jahr 2012 aufflammen, so wie von Carmel erwartet, kann daraus ein Gewinn von 300% gezogen werden. Was für wundervolle Aussichten!

Das Staatsdefizit, hat Carmel berechnet, ist viel höher, als offiziell immer ausgewiesen wird. Statt bei noch ganz ansehnlichen 50% des Bruttoinlandproduktes liegt es bei 90%. Spanien hatte bisher nur immer noch die Verschuldung der einzelnen Provinzen und andere staatliche Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Ausland herausgerechnet. Dazu zählen auch Finanzhilfen für angeschlagene spanische Banken. Nach Ansicht von Ökonomen liegt die Grenze zum kaum noch abwendbaren Bankrott bei 80% des BIP.

Es gibt aber noch weitere Faktoren. Punkt zwei der fünf Pleite-Indikatoren ist die Immobilienblase, die schon seit einiger Zeit geräuschvoll zusammensackt. Umgerechnet haben die Spanier bereits jetzt ein Haus für jeden Bürger gebaut, der in den nächsten zwanzig Jahren neu zur spanischen Bevölkerung hinzukommen wird. Das heißt: es gibt bereits jetzt mehr Häuser und Wohnungen als Menschen. Ein Preisverfall von mindestens 35% ist also sicher zu erwarten. Das wiederum wird zu hohen Kreditausfällen führen, denn diese Immobilien sind zum größten Teil kreditfinanziert. Ein Desaster rollt auf die spanischen Banken zu.

Dass es zu weitreichenden Kreditausfällen kommen wird, lässt sich schon an der immens hohen Arbeitslosigkeit im Lande ablesen. Spanien ist hierin trauriger Spitzenreiter aller entwickelten Staaten. Die Löhne sinken aber trotzdem kaum, weil der Arbeitsmarkt fest in der Hand der mächtigen Gewerkschaft ist. Besonders die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten bewegt sich zielstrebig auf 50% zu. Die Wirtschaft Spaniens, so die Analyse, sei daher instabil, nicht wettbewerbsfähig und werde die Talfahrt weiter fortsetzen.

Dabei sind die spanischen Banken bereits jetzt in einer brandgefährlichen Situation. Sie weigern sich bisher, die ca. 120 Milliarden Euro an faulen Krediten in die Bücher zu nehmen. Diese uneinbringbaren Darlehen sind jetzt schon verlorenes Geld und müssten abgeschrieben werden. Das würde aber die Bilanzen der Geldhäuser verheeren. Die Banken sind so gut wie alle unterkapitalisiert und können diese Verluste gar nicht tragen. Dazu kommt noch, dass sich die Geldhäuser auf Druck der EZB unfreiwillig aber massenhaft schlechte Staatsanleihen in die Bestände geholt haben, deren Wert optimistisch, aber realitätsfern in voller Höhe auf der Guthabenseite der Banken steht, de facto aber vollkommen offen ist, welchen Gegenwert sie wirklich noch haben.

Der letzte Punkt der Analyse besagt klipp und klar, dass die EU weder die Mittel noch den Willen haben wird, um Spanien „herauszuhauen“. Allein Deutschlands Anteil an der dafür nötigen Geldsumme würde von 211 Milliarden auf 401 Milliarden Euro anwachsen. Die Carmel geht davon aus, dass ein solches Rettungspaket nicht durch den Bundestag gehen kann. Der ESM hänge nicht nur von einer – bisher noch nicht beschlossenen – Genehmigung der deutschen Gelder ab, sondern auch von Kapital, das Portugal, Irland und Griechenland beisteuern müssten. Bezüglich dieser Beiträge für den ESM ist der Investmentfonds sehr skeptisch.
Spanien sei einfach zu groß, um gerettet zu werden.“

Quelle: Schildverlag

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