Ein umfassendes Kriegs-Konzept: der Yinon-Plan

Als im Dezember 2010 in Tunesien Unruhen ausbrachen, erfand die westliche Medienwelt dafür einen Begriff, der entweder für vollkommene Ahnungslosigkeit oder aber dafür spricht, daß die Journalisten bereit waren, im Kontext mit einer großangelegten Strategie des Umbruchs unterhalb der Schwelle des erklärten Krieges zu lügen, was das Zeug hält.

Es war der Begriff des „Arabischen Frühlings“, den man mit der Behauptung unterlegte, die Völker des Orients sehnten sich nach nichts so sehr, als nach den Regeln des Westens regiert zu werden, und daher wollten sie alle Tradition und eigene Wertvorstellungen über den Haufen werfen.

Wer den Orient besser kennt als von einer Woche Badeurlaub in Hurgada, weiß, daß das Unsinn ist, aber er weiß deshalb noch nicht, was hinter dem steckt, was so dumm oder so lügnerisch „Arabischer Frühling“ genannt worden ist. Tatsächlich ist die Blaupause des Geschehens, das sich von Tunis über Libyen, Ägypten, Irak und Syrien erstreckt hat und sich weiter erstrecken wird, keineswegs Ausdruck des Sehnens der Völker, sondern der Plan eines einzigen Mannes: Oded Yinon. Er war engster Mitarbeiter des nachmaligen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, als dieser noch Außenminister war. Yinon arbeitete damals eine Strategie aus, die nichts anderes zum Ziel hat, als den gesamten Vorderen und Mittleren Osten völlig neu zu gestalten.

Keine Frage: Die heutige Grenzziehung in den arabischen Ländern, die auf das Abkommen von Sykes und Picot nach dem Ersten Weltkrieg zurückgeht und einen Betrug an den Wüstenstämmen darstellte, ist keineswegs in Stein gemeißelt, das ist keine Grenze. Doch sie friedlich zu ändern, sind diejenige berufen, die darin leben, nicht Außenstehende, die zu Gewalt und Krieg bereit sind.

Der Yinon-Plan sieht vor, die heute bestehenden arabischen Länder und darüber hinaus den Iran, Afghanistan und Pakistan grundlegend neu zu zeichnen. Die gesamte Region soll fragmentiert werden. Der Zweck ist, schwache Länder zu schaffen, die Israel nicht gefährlich werden und die sich nicht wehren  können, wenn Mächte von außerhalb auf ihre Rohstoffe Zugriff nehmen wollen. Wer dafür in Frage kommt, ist nicht schwer zu erraten: In erster Linie die USA. Es kann daher nicht wundern, daß Washington den Yinon-Plan in seine langfristige außenpolitische Agenda übernommen hat.

Die vorgesehenen Brüche sind außerordentlich. So soll ein eigenes Kurdistan entstehen, in erheblichem Maß auf Kosten der Türkei, der Irak wird zertrümmert – was tatsächlich dort ja schon ebenso gesehen ist wie in Libyen -, Saudi Arabien wird dezimiert, und zwischen Afghanistan und Pakistan soll ein Staat der Belutschen entstehen.  Interessanterweise kommt der Iran relativ ungeschoren davon, jedenfalls im ursprünglichen Entwurf, aber auch der ist natürlich wandelbar. Nur soviel zu dem Plan in einigen Federstrichen, insgesamt umfaßt er erheblich mehr.  Welche Gebiete unmittelbar Erez Israel angeschlossen werden, ist nicht zweifelsfrei klar, aber man sollte diesbezüglich der Phantasie keine allzu schweren Fesseln auferlegen.

Keine Frage: Dieses Unterfangen kann nur Aufgabe eines Landes – oder zweier Verbündeter – sein, das auf dieser Welt ungehindert regieren kann, so wie es die USA im Sinne ihrer „Neuen Weltordnung“ beanspruchen. Noch haben in der Hauptsache diejenigen die Dreckarbeit für Washington gemacht, die von dort aufgehetzt, organisiert, ausgerüstet und finanziert werden, sei es die al Kaida oder der IS. Doch wenn die Umstürze ein gewisses Maß übersteigen, dann müssen die USA selbst eingreifen, an Ausreden fehlt es nie, wie man weiß. Im Falle IS ist es schon so weit. Im Schutze der US-Luftwaffe werden noch doch bald GI in den Irak zurückkommen, der Menschenrechte wegen, wie immer. Da kann es nicht verwundern, daß die USA alles tun, um Rußland zu schaden und zu schwächen. Wer derartige geopolitische Revolutionen betreibt wie den Yinon-Plan, kann keine Konkurrenten brauchen. Er darf sich allerdings auch keine Fehleinschätzungen erlauben, etwa diejenige, den Konkurrenten zu unterschätzen. Leicht möglich, daß daran der ganze schöne Plan scheitern wird.

Florian Stumfall

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Kommentare

Ein umfassendes Kriegs-Konzept: der Yinon-Plan — 6 Kommentare

  1. Pingback: Der Gipfel der Heuchler | buerger0815sagt

  2. Obama lobte gestern in seiner Rede vor der UN Geberkonferenz ausdrücklich Deutschland und Canada für ihre vorbildliche Umsiedlung der Syrer. „Umsiedlung“! Da ist es jetzt draußen das Wort. Umsiedlung. Nicht Asyl. Nicht Flucht. sondern Umsiedlung. Angefangen vom 9/11 machen fast alle Konflikte in der welt vor diesem hintergrund sinn

  3. Die IS , eine von den geheimdiensten angeblich unbemerkt entstandene terrormiliz sorgt ja momentan dafür dass die menschen bereits aus diesen Gebieten entfernt werden bzw fliehen. Die EU nimmt diese Flüchtlinge ohne murren und knurren auf und von einer Rückführung ist überhaupt nicht mehr die rede. nach dem anschlag in Paris werden die in europa lebenden Juden von Netanjahu aufgefordert möglichst bald nach Israel überzusiedeln. Wir haben also eine terrormiliz, ein menschenleeres gebiet und ein Volk dass kaum Platz hat. also beauftragt die UN das Israel die Terrormiliz kontrolliert und dafür das land besiedelt. Überall wird man aufatmen dass der Terror ein ende hat und niemand hat bemerkt dass das alles ein Trick war .

  4. Der wahren Umsturzpläne für Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten war nicht der sogennante Yinon Plan, sondern die Pläne wurden von Brzescinski und den Neocons entwickelt worden PNAC (Project of a new American Century) 1997 und von George W. Bush , der mit seinen Denkfabriken die Pläne für das „Greater Middle East“ ausheckten
    http://www.heise.de/tp/artikel/19/19379/1.html

    Einfach googlen…

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