Ein Zwischenruf von Apo über die belogene Generation

Roland Baader

von Apo Phil

Wem die Freiheit aller Menschen ein Bedürfnis ist, welche ausschließlich auf der Basis von Zwangslosigkeit sowie privater und freiwilliger Verträge erreicht werden kann, muss damit rechnen, in der „Bedeutungslosigkeit“ zu verweilen, allein gelassen oder gar angefeindet zu werden. Das liegt zum einen daran, dass sich Menschen vor Unbekanntem scheuen (getreu dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“), zum anderen daran, dass sie ihre Knechtschaft aufgrund geschickt verwendeter Lügen gar nicht als solche wahrnehmen oder diese sogar gegen die Freiheit verteidigen.

So mutet es regelrecht bizarr an, die Gerichte namens Freiheit sowie Freiwilligkeit schmackhaft machen zu müssen, da fälschlicherweise ein verdorbener Brei aus lebenslanger Indoktrination, die von Seiten der Herrschenden mittels fortwährender Propaganda in allen Lebensbereichen und -abschnitten initiiert wird (Schule, Universität, Medien etc.), dafür gehalten wird. Nicht nur, dass wir von Kindesbeinen nichts von freiheitlichen Positionen im Sinne des Libertarismus und damit verbundenen Denkern wie z.B. Friedirch August v. Hayek (der immerhin Nobelpreisträger war), Ludwig Mises, Israel Meir Kirzner, Murray N. Rothbard, Hans-Hermann Hoppe, Roland Baader erfahren (um nur einige zu nennen), nein, wir bekommen sogar die exakt gegenteiligen, verlogenen oder durch Ignoranz gekennzeichneten Positionen eingetrichtert! Mit der Gehirnwäsche verbinden sich Gewöhnung und Bequemlichkeit, eine wahrhaftig unüberwindlich anmutende Dreifaltigkeit, welche unschuldige Menschen in die Arme des Etatismus jedweder Couleur treibt und nicht mehr loslässt. Nicht ohne Grund stellte Roland Baader bereits richtigerweise fest, dass der gemeinsame Nenner der Feinde der Freiheit von links, von rechts und von der Mitte die Staatsgläubigkeit sei.

Doch anhand des Lügens ist das Potential, (v.a. junge) Menschen irrezuführen, zu des-informieren, zu täuschen und zu blenden, zu verführen und zu instrumentalisieren, noch lange nicht erschöpft. Ebenfalls das Schweigen kann diesem Zweck dienlich sein, ebenso das mangelnde Wissen meinungsbildender Akteure. Das Schweigen ist sogar ein überaus wirksames Mittel der Desinformation und der Irreleitung. „Die Wahrheit wird durch die Lüge verletzt“, schreibt die amerikanische Professorin für Recht und Ethik Marianne M. Jennings, „aber geschändet wird sie durch das Schweigen.“ Und mit Blick auf die Jugend, die sie als „Generation X“ bezeichnet, fügt sie hinzu: „Die Generation X hat niemals in einer Zeit der Wahrheit gelebt, weil wir geschwiegen haben, als unsere ganze (ältere) Generation gesehen hat, wie die Wahrheit verletzt wurde.“

Die Saat der Lüge, will uns Jennings damit sagen, kann nur auf dem Humus des Schweigens aufgehen und prächtig gedeihen, und zwar des Schweigens derjenigen, welche die Lüge erkennen, ohne ihr mutig entgegenzutreten. Natürlich ist das zutreffend, doch besteht das noch wesentlich größere Problem nicht darin, dass es kaum noch jemanden gibt, der die allgegenwärtigen Lügen erkennen kann, weil diesbezüglich ein erheblicher Fundus an Wissen und an Kenntnissen des Richtigen gehört? Und wie soll dieses Wissen erworben und gesammelt werden können, wenn nahezu alle verbreiteten Informationen falsch sind? Dass dem so ist, bewies Roland Baader mit seinem – und nach meiner Ansicht – so unglaublich wichtigen Buch „Die belogene Generation“.

Seine Grundthese: „Was in den Medien (Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen, Zeitschriften) von Politikern, Medienschaffenden, Interessenvertretern, Verbands- und Syndikatsfunktionären und von ‚Prominenten‘ aller Art hinsichtlich ökonomischer und gesellschaftspolitischer Phänomene gesagt wird, sowie was (diesbezüglich) von Pädagogen aller Art den Kindern und Jugendlichen eingetrichtert wird, ist manchmal Lüge und manchmal Irrtum, fast immer aber ist es falsch. Ob wissentlich oder unwissentlich, Tatsache ist: So gut wie niemand dieser Gruppen vertritt in der Öffentlichkeit auf diesem so umfassenden und wichtigen Gebiet die Wahrheit; entweder, weil er sie nicht sagen will – oder weil er sie aufgrund mangelhafter Kenntnisse oder opportunistischem Anpassen nicht sagen kann.“ Sehen Sie sich um! Man muss sich nur einmal überlegen, wer hinsichtlich gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Fragen und damit Gehör bei Medien aller Art findet! Sind es Personen des privaten Bereichs? Nein. Neben den Prominenten der Unterhaltungsbranchen (die in sozioökonomischen Belangen ebenso geschwätzig wie schimmerlos sind) kommen ausschließlich politische Vereinigungen zu Wort, deren Existenz entweder einen Machtfaktor oder ein nennenswertes Wählerpotenzial darstellt. Nun werden solche politischen Konglomerate aber niemals zugeben, dass es bei ihrer Politik in erster Linie darum geht, sich auf Kosten anderer besser zu stellen. Demnach verkleiden sie ihre Forderungen und Argumente insofern, dass der Eindruck entsteht, das Geforderte sei ein Segen für das ganze Land oder immerhin für die Mehrheit der Bevölkerung (manchmal auch für eine bestimmte Minderheit, die aktuell die Gunst der Mehrheit genießt).

Baader: „So werden beispielsweise Industrieverbände niemals offen sagen, dass sie bei der einen oder anderen Ware für Einfuhrbeschränkungen sind, weil ausländische Produzenten effizienter oder kostengünstiger produzieren und ihnen das Geschäft verderben; und Gewerkschaften werden niemals zugeben, dass sie gegen ausländische Niedriglohn-Arbeiter sind, weil ihnen bei sinkendem Lohnniveau die Mitglieder davonlaufen – oder weil sie dann nicht mehr die Inlandslöhne (zum Nutzen ihrer Mitgliederzahl) in schwindelnde Höhen treiben können. Die Vertreter beider Verbandsarten werden vielmehr argumentieren, die ausländischen Angebote, Güter und Löhne seien ‚unfaires Dumping‘ und würden ‚inländische Arbeitsplätze gefährden‘. In Wirklichkeit handelt es sich bei ausländischen Preisunterbietungen in den seltensten Fällen um ‚Dumping‘ (also nicht um Angebote unter den Kosten des ausländischen Anbieters, sondern zu dessen niedrigeren Kosten), und auch der verbohrteste Verbandsfunktionär weiß, dass das künstliche Aussperren des ausländischen Wettbewerbs auf längere Sicht viel mehr inländische Arbeitsplätze vernichten (oder nicht neu entstehen lassen) wird, als bei freiem Marktzugang – vielleicht (!) und wenn überhaupt, dann nur vorübergehend – verloren gehen würden.“

Argumente von Interessenverbänden sind zum größten Teil durch handfeste Lügen und/oder Täuschungen gekennzeichnet, was Baader zufolge jedoch nicht generell und nicht in jedem Fall moralisch zu verurteilen sei, da viele Verbände das für ihre Mitglieder überlebensnotwendige Geschäft betreiben, sich gegen Knebelungen und abartige Maßnahmen der staatlichen Politik zu wehren. Würde sich der Staat voll und ganz aus dem wirtschaftlichen Leben eines Landes heraushalten, so wären beinahe alle Interessenverbände überflüssig bzw. überhaupt nicht existent! „Weder der Kampf um die Gunst der (Sondervorteile gewährenden) Politik noch der Kampf gegen den Regulierungswahn und den kleptokratischen Zugriff der Politik oder gegen deren (wahltaktisch und machtpolitisch motivierten) diskriminierenden Sonderlasten für bestimmte Gruppen wäre dann noch notwendig oder lohnend.“ Nun sieht die Realität leider jedoch völlig anders aus, was zur Folge hat, dass Interessenverbände normalerweise nicht die Wahrheit sagen.

Doch wie sieht die Angelegenheit von Lüge und Wahrheit nun bei den Medien selbst aus, demnach in den Redaktionen der Fernseh- und Rundfunkanstalten, der Zeitungen und Zeitschriften? Baader trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er entlarvenderweise konstatiert: „Soweit sie parteipolitisch unabhängig sind (und ob das noch viele sind, darf bezweifelt werden), sind sie doch abhängig von der parteipolitischen Zugehörigkeit des Publikums oder – anders gesagt – von der politischen und weltanschaulichen Zugehörigkeit ihrer wichtigsten Abonnenten- und Lesergruppen. Ja, sie sind sogar abhängig von Berufs- und Standeszugehörigkeit ihrer Klientel. Ein Beispiel: Eine Redaktion, die weiß, dass ein nennenswerter Teil der Abonnenten und Leser ihrer Zeitung aus Beamten besteht, wird niemals in entschiedener Form für die Abschaffung des Berufsbeamtentums eintreten, auch wenn die maßgeblichen Köpfe des betreffenden Blattes von der Notwendigkeit einer solchen Änderung überzeugt sein sollten. Entsprechendes gilt für die parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Zugehörigkeiten, welche den Redaktionen natürlich durch Umfragen und statistische Erhebungen bekannt sind.“

(für Interessierte: Roland Baader – Die belogene Generation. Politisch manipuliert statt zukunftsfähig informiert.)

Quelle: freitum

 

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