Eine Lösung der Schuldenkrise ?

Folgendes habe ich aus einem Forum entnommen.

Kann mit der Annullierung von Staatsschulden durch Notenbanken die Schuldenkrise gelöst werden?
Könnte es so kommen?

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von Donn » 7. November 2012, 14:32

Entschuldung durch Notenbanken: Ist das die Lösung der Schuldenkrise?

Autor: Roland Klaus

Vor einem Jahr habe ich in meinem Buch „Wirtschaftliche Selbstverteidigung“ einen Weg skizziert, um die hohen Staatsschulden zu handhaben. Dabei geht es im Kern darum, dass die Notenbanken einen großen Teil der Staatsanleihen in ihrem jeweiligen Währungsraum aufkaufen und die Regierungen entschulden, indem sie auf die Rückzahlung verzichten.

Für diesen Vorschlag habe ich damals einige Schelte einstecken müssen. Er sei bilanziell nicht praktikabel, sagten mir Leute, die sich gut mit dem Thema auskennen. Die Notenbanken seien danach überschuldet und müssten ihrerseits von den Regierungen aufgefangen werden. Zudem fördere der Vorschlag den sogenannten Moral Hazard, das bedeutet, dass die Regierungen für ihr schlechtes Wirtschaften sogar noch belohnt werden würden.

Nun ist zum ersten Mal ein Bericht aufgetaucht, demzufolge bei einer der wichtigsten Notenbanken der Welt über genau diese Vorgehensweise nachgedacht wird. Wie die FAZ schreibt, hat der Chef der britischen Finanzaufsicht und potenzielle Kandidat für den Chefsessel der Notenbank, Adair Turner, folgendes vorgeschlagen: Die Bank of England solle doch einen Teil der von ihr gehaltenen Gilts (britische Staatsanleihen) annullieren, das bedeutet auf die Rückzahlung verzichten. Dies würde die Schuldenquote drosseln und gleichzeitig das Wachstum fördern.

Damit ist der Geist aus der Flasche. Auch wenn eine solche Vorgehensweise vermutlich nicht kurzfristig umgesetzt wird, bin ich doch überzeugt davon, dass bei einer Verschärfung der Krise – und die wird zweifellos kommen – in eine solche Richtung gedacht werden wird. Letztlich ist die Sache ziemlich simpel: Die alternden Industriestaaten werden aus der Schuldenspirale nicht mehr herauskommen. Das reale Wachstum der Wirtschaft ist aufgrund der demografischen Situation äußerst begrenzt. Die Umverteilung des Geldes von den Bürgern zum Staat durch höhere Steuern sowie durch finanzielle Repression wird zwar versucht, dürfte letztlich aber nicht ausreichen, um die Situation zu stabilisieren.

Es bleibt letztlich nur die Finanzierung durch die Notenbanken. Ein Weg, den sowohl Japan als auch die USA und Großbritannien sowie die Eurozone bereits mit unterschiedlicher Intensität gehen. Der Forderungsverzicht durch die Notenbanken wäre aus meiner Sicht die logische Konsequenz. Letztlich ist es doch so: Das Finanzsystem des Papiergelds ist in der Schuldenspirale gefangen und steuert auf einen Neustart zu. Dieser kann mit großem Knall in Form von Staatspleiten und Währungsreformen vor sich gehen – oder vergleichsweise geräuschlos auf Ebene der Bilanz von Notenbanken. Dass diese danach überschuldet wären – geschenkt.Pleite gehen kann eine Notenbank nicht, denn sie sitzt an der Quelle des Geldes. Ob man dann das negative Eigenkapital jahrelang mit sich herumschleppt oder die Bilanz neu aufsetzt, ist eine akademische Frage und kann von Bilanzspezialisten entschieden werden.Die Briten sind die Vorreiter, wenn es um kreative Staatsfinanzierung geht. Die Bank of England hat britische Staatsanleihen im Wert von 360 Milliarden Pfund in der Bilanz stehen. Das sind etwa 30 Prozent der britischen Staatsschulden. In den USA ist das Bild ähnlich: 12 Prozent der US-Anleihen liegen direkt bei der FED, 35 Prozent bei anderen US-Regierungsinstitutionen. In Japan, wo die Aufkäufe von Staatsschulden schon seit den 90er Jahren laufen, liegen auch ca. 40 Prozent der Anleihen bei staatlichen Stellen, davon rund die Hälfte direkt bei der Notenbank.

Wenn die Bank of England nun tatsächlich auf die Rückzahlung sämtlicher von ihr gehaltenen Staatsanleihen verzichten würde, dann würde dies UK auf eine Verschuldung von weniger als 60 Prozent des BIP rücken – und damit auf ein Niveau, das allgemein als „gesund“ gilt und eine Finanzierung durch private Anleger erleichtern dürfte. Es würde mich nicht verwundern, wenn die Briten diesen Weg demnächst gehen würden.

Das klingt auf den ersten Blick kurz- und mittelfristig gar nicht so blöd. Und auf den zweiten Blick??? Was meint ihr dazu???

Gruß
Donn

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von Donn » 8. November 2012, 12:09
Hallo!

Auch der Wellenreiter nimmt sich dieses Themas an:

Wellenreiter-Kolumne vom 6. November 2012
Annullierung von Staatsschulden

Die Debatte um die Annullierung von Staatsschulden gewinnt an Kraft.
Der Grundgedanke lässt sich am besten am Beispiel Großbritanniens erläutern. Dort befinden sich ein Viertel aller ausstehenden Gilts (britische Staatsanleihen) im Besitz der Bank of England. Dies wurden im Rahmen des Quantitative Easing erworben.

Die NZZ führt dazu aus: „Kernpunkt der Argumente im Markt ist, dass die bei der quantitativen Lockerung von den Notenbanken erworbenen Staatsanleihen problemlos annulliert werden können, da es sich um Transaktionen innerhalb des öffentlichen Sektors handle, die sich gegenseitig aufheben: Die Schuld der Regierung einerseits ist die Forderung der Notenbank anderseits, und beide Posten heben sich gegenseitig auf.“

Anders als von vielen Marktteilnehmern erwartet hat der Erwerb von Schuldenpapieren durch die Bank of England nicht zu einer Inflation in Großbritannien geführt. Im Gegen-teil: Die offizielle Inflationsrate sank von 5,2% im Oktober 2011 auf 2,2% im September 2012. Das Ausbuchen der Staatsschulden würde die Schuldenquote von 63% auf 41% des BIP absinken lassen.

Es erscheint wenig sinnvoll, die Schulden, die die Zentralbank von Staat sowieso niemals zurückfordern würde, in den Büchern zu belassen. Anders sieht es im Falle der privat geführten Banken aus, die Forderungen an den Staat haben. Diese lassen sich nicht ausradieren. Es sei denn, man verstaatlicht die Privatbanken. Aber das muss gar nicht sein. Mit einem Schuldenstand von 41% vom BIP kann ein Staat komfortabel haushalten.

In den USA beträgt der Anteil der durch die Fed gehaltenen US-Staatsanleihen etwa 16 Prozent.

weiterlesen: http://www.wellenreiter-invest.de/Welle … 121106.htm

Gruß
Donn

Quelle: TAC2000

Eine Lösung der Schuldenkrise ?
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5 Kommentare

  1. M.e. Ist das mit der Inflation kein Problem. Diese hat nämlich schon zum groesstenBahamainseln den letzten 30 Jahren stattgefunden, genauso wie auch das Kapital welches in den Staatsschulden steckt schon verfruehstueckt wurde. Die genannte Lösung ist aus meiner Sicht tatsächlich die wahrscheinlichste, weil am wenigsten schmerzlich. Bankrott und Deflationskrise sind ja wohl keine Option und Hyperinflation nur möglich, wenn man das Geld an die Verbraucher oder regierungstreue verschenken würde (Erhöhung der Sozialleistungen und staatsbezuege).

  2. Wie wären die Auswirkungen auf die Zinsentwicklung? Wie verhalten sich die privaten Halter von Anleihen in einer solchen Situation? Würde es so kommen, könnte man damit andere Konzepte wie das Vollgeld oder Free Banking kombinieren? Um zumindest den letzten Teil vorwegzunehmen: Die Annullierung von Staatsschulden würde den Anreiz für politische Entscheidungsträger, auf ein anderes Geldsystem umzusatteln, verringern.

  3. Wie bitte?
    Wo es Schuldner gibt, gibt es auch Gläubiger.
    Auf der einen Seite die Schulden, auf der anderen Seite das Geldvermögen.

    Schafft endlich die Zentralbanken ab, die Geld aus dem Nichts schöpfen.
    Und dann noch. Laßt die Politiker, die für Schulden verantwortlich sind, in Haftung nehmen.
    Damit wären viele Probleme gelöst.

  4. Das wird wahrscheinlich schwierig in den USA, da die FED ein privates Vergnügen der Hochfinanz ist.
    Deren Eigner werden wohl kaum von dieser Idee zu überzeugen sein. Sinn dieser Institution FED ist ja gerade Private, Unternehmen und Staaten um Ihre Ersparnisse zu bringen, zu verschulden und so Macht auszuüben.

  5. Das auf die Lösung noch (fast) keiner gekommen ist. So einfach!
    Hurra wir können uns am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.
    Wer war das gleich, der das schon mal gemacht hat?

    Aber warum denn nur die Staatsschulden bei den Notenbanken streichen?
    Die Privatbanken können doch einfach Ihre Staatsschulden auch den Notenbanken geben.
    Gegen eine Sicherheit versteht sich, z.B. die angefangene Rolle Klopapier (Superextraweich) im Chef WC.
    Die Zinsen behalten sie natürlich.
    Um das abzukürzen, könnte man die Privatbank X fragen, wie viel Staatsschulden (Anleihen)
    wollt Ihr diesen Monat kaufen. Die sagen dann, äh, diesen Monat mal nicht so viel, wir kaufen 100 Milliarden zu sagen wir 3%.
    Da aber die Schulden am Ende eh an die Notenbanken, gegen die Rolle Klopapier (inzwischen etwas kleiner geworden),
    zurückgegeben werden, kürzt man das ab und gibt der Privatbank X einfach nur die Zinsen. Klasse und so einfach!

    Und warum sollen wir einfachen Bürger eigentlich noch Steuern zahlen?
    Soll der Staat doch einfach das nötige Geld bei den Notenbanken leihen,
    die können die Schulden ja dann streichen, zum 1.1. eventuell. Hätte die Silvesterballerei endlich mal nen Sinn.

    Nur zu Dumm, das die Verückten da draussen nicht Blöd sind.
    Die würden nämlich was merken?
    Richtig, der Spargroschen ist nix mehr wert.

    Die Idee des Staatsschuldenstreichens führt direkt in die Hyperinflation.
    Denn was ist Geld? Richtig, Geld ist Kredit und Kredit ist nur ein anderer Begriff für Schuld.
    Streiche ich die Schuld, bleibt auf einmal das Geld übrig.
    Es wird ja nicht zurückgezahlt um damit die Schuld zu tilgen.

    Ende: immer mehr Geld ohne Ware = Infaltion -> Superinflation -> Hyperinflation.

    Was macht man dann? Richtig, Reset.
    Denn am Ende steht eine Währungsreform.
    Oder anders gesagt, dem einfachen Bürger wird alles weggenommen was er hat, aber der Staat ist Schuldenfrei.
    Also das Ende bleibt immer dasselbe.

    Ja, so einfach isses und man kommt doch nicht drauf.

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