Europäische Bauern befinden sich in prekärer Lage

Tatjana Golowanowa Online Redaktion (Stimme Russlands)

STIMME RUSSLANDS Tomatenkrieg in Amsterdam und ein Wettbewerb im Apfelessen in Polen. Das ist keine Ankündigung bevorstehender Veranstaltungen in Europa, das sind Protestaktionen von Bauern, die ihren Absatzmarkt verloren haben und auf Tonnen von Obst und Gemüse sitzengeblieben sind, die keiner braucht. Nachdem Russland ein Embargo gegen landwirtschaftliche Produkte aus Europa verhängt und Brüssel keine zielgerichtete Hilfe geleistet hat, sind solche Aktionen das Einzige, was die europäischen Produzenten tun können.

Viele Experten sind der Meinung, die Wirtschaft der Alten Welt könnte durch das russische Embargo und die eigenen Sanktionen gegen Moskau bis zu einer Trillion Euro verlieren. Es kommentiert Oleg Poddymnikow, Leiter der Verwaltung für Investitionsoperationen der „Lanta-Bank“:

„Ich möchte die Verluste der europäischen Staaten durch die Sanktionen in zwei Kategorien fassen. Die einen sind direkte Verluste. Das sind Waren, die für Russland hergestellt, aber nicht geliefert wurden, sondern entweder in den Lagerräumen geblieben sind oder vernichtet wurden. Das zweite sind indirekte Verluste. Das erklärt sich damit, dass die nichtgelieferten Waren und die Einstellung des Exports nach Russland die Preise sinken lassen. Diese Einwirkung kann sehr spürbar werden. Die indirekten Verluste werden sehr viel größer sein als die direkten. Das ist offensichtlich.“

Das Embargo hat nicht nur einen jähen Preisverfall hervorgerufen, sondern fast auch die EU-Länder untereinander entzweit. So wird Tschechien jetzt mit Obst und Gemüse aus anderen EU-Ländern überschwemmt, was die Preise am Markt fast um die Hälfte hat fallen lassen. Die Folge: die eigenen Bauern mussten bereits die eigene Produktion vernichten, die für den inneren Verbraucher vorgesehen war. Auf lettische landwirtschaftliche Betriebe und Konservenfabriken kommen Pleiten und Massenentlassungen zu. Die Bauern wissen, dass die gesamte Verantwortung für das Embargo vonseiten Russlands bei den europäischen Politikern liegt, und sie beginnen ihrem Unmut auf Kundgebungen Luft zum machen, führen ziemlich seltsame Aktionen durch und suchen Mittel, um die Sanktionen zu umgehen, sagt Dmitri Sasonow, Leiter des Ausschusses der Russischen Bürgerkammer für die Entwicklung des kleinen und mittleren Unternehmertums.

„Tatsächlich gibt es mehrere Initiativen. Erstens sind das Streiks und Forderungen nach Entschädigungen. In Polen sind die ortsansässigen Landwirte zum Beispiel schon bereit, Demonstrationen zu veranstalten, wenn die EU-Führung ihnen nicht ihre Verluste im Handelskrieg gegen Russland ersetzt. Litauen, Lettland und Estland wollen von ihren Regierungen Sonderbedingungen erhalten. Und es gibt Versuche der illegalen Einfuhr. Die Polen haben gar versucht, 40 Tonnen Äpfel als humanitäre Hilfe zu deklarieren und über die Grenze zu bringen.“

Bisher haben die europäischen Bauern allerdings keinen Grund zur Freude. Die versprochene Unterstützung durch Brüssel wird sie erst einmal nicht erreichen. Die Eurokommission hat erklärt, sie werde die Unterstützung für Obst- und Gemüseproduzenten vorübergehend einstellen. Grund sind Unregelmäßigkeiten. Dabei haben die Beamten versprochen, in allernächster Zeit werde ein neues, Schema kommen, das mehr auf individuelle Hilfe eingestellt ist. Aber wie viel Zeit wird bei der Suche und Verabschiedung dieses neuen Programms vergehen? Das weiß niemand.

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