Griechenland

Im 331. Pranger beschreibt Michael Winkler unser heutiges Geldsystem, das auf Lug und Trug aufgebaut ist.

Leider ist er nicht darauf eingegangen, das die Nutznießer dieses Betrugsgeldsystems die Reichen sind, deren Zinsen und somit ihr leistungsloses Einkommen bei all den Rettungsschirmen und Bürgschaften gesichert werden. Der Staat unterstützt dieses auch noch, indem er massiv die Steuerzahler ausplündert. Nun denn.

Hier nun der 331. Pranger von Michael Winkler

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Griechenland (1.6.2011)

Ist Griechenland nun bankrott oder nicht? Die Antwort lautet Ja, auf beide Fragen. Also, selbst nach den primitivsten Buchhaltungsregeln ist Griechenland pleite, total überschuldet und nicht mehr zu retten. Wer als Grieche an seinem Vermögen hängt, schützt es vor den einheimischen Banken, indem er es entweder bar nach Hause unter die Matratze holt, oder indem er es auf ausländischen Konten in Sicherheit bringt. Die modernen Griechen haben mit jenen altehrwürdigen Herrschaften nichts mehr zu tun, deren Namen wir in der Schule mit Ehrfurcht auszusprechen gelernt haben. Sokrates, Platon, Solon usw. hätten niemals auf Papier vertraut, sondern Gold und Silber gehortet. Andererseits darf das, was offensichtlich ist, nicht offenkundig werden, denn wenn Griechenland über den Rubikon geht, dann bekommt das ganze Euroland ein Problem. Ein Staatsbankrott in Athen bringt sehr viele Banken ins Straucheln.

Warum? Erinnern wir doch einmal an ein Parade-Gierchen, den zufällig dem jüdischen Glauben anhängenden Vorsitzenden der „Deutschen“ Bank, Josef Ackermann: Der wollte auf das Eigenkapital seiner Bank 25% Rendite erzielen. Das zu erreichen erfordert keinerlei Kunstfertigkeit, sondern nur ausgeprägte Erwerbsgene. Ich lasse im Folgenden die Einheiten „Milliarden“ oder „Billionen“ einfach weg, damit die Summen überschaubar bleiben. Und, da man in der Bankenwelt so gerne Inglistanisch spricht, überschreibe ich diese Lektion mit „Banking made simple“:

Man gründe eine Bank mit 4 Euro Eigenkapital und sammele 96 Euro Fremdkapital ein, beispielsweise über das Sparbuch der Oma Tüttelbek. Jetzt hat man 100 Euro und zahlt dafür – großzügig – höchstens zwei Prozent Zinsen. Dieses Kapital verleiht man an Bedürftige und kassiert dafür mindestens sechs Prozent Zinsen. Aus dieser kleinen Zinsdifferenz bezahlt man die Manager-Gehälter, die noch höheren Erfolgsprämien, die Bankpaläste, die Dienstwagen und Dienstreisen der Manager, die Werbung, um weitere Kunden anzulocken, und ein paar Hobbys des Chefs, wie Sportvereine oder Formel 1. Am Ende bleibt ein mickriges Prozent als Gewinn übrig. Ein Prozent auf die kompletten 100 Euro, natürlich! Auf das Eigenkapital von 4 Euro sind das – wie von dem überragenden Finanzgenie angekündigt – satte 25 Prozent.

Und weil das ganze so einfach ist und wenig Arbeit erfordert, bekommt ein Herr Ackermann zwölf Millionen Euro pro Jahr für seine außergewöhnliche Leistung. Allerdings ist es langweilig, das Spargeld von Oma Tüttelbek für ein bis zwei Prozent zu verzinsen und es an solide Schuldner für sechs bis zwölf Prozent weiterzuverleihen, deshalb haben Herr Ackermann und seine Glaubensbrüder in Baal Mammon wunderbare Umverteilungsinstrumente ersonnen. Diese funktionieren in etwa so: Sie gehen zur Bank, werden von einem jungen Mann mit Worten und viel Inglistanisch überschüttet, bekommen einen bunten Prospekt und leisten eine Unterschrift. Ein bis fünf Jahre später bekommen Sie die Nachricht, daß Ihr Geld jetzt einem Anderen gehöre (vorzugsweise der Bank) und Sie bitteschön zu einem weiteren Beratungsgespräch vorbeischauen möchten.


Weil das Geld so leicht verdient wird, werden die Banker allesamt zu wahren Gierchen, die ihren Hals nicht voll genug bekommen können. Es zahlt sich schließlich aus, denn wenn die Bank mit dem Geld von Oma Tüttelbek die eine oder andere Milliarde mehr einnimmt, dann bekommen die Bankgauner ein paar Millionen von dieser Beute ab. Damit nähert sich diese Lektion ihrem Ende und wir sind wieder bei Griechenland angekommen. Warum sollte eine Bank wie die „Credit Agricole“ das tun, was ihr Name besagt, also irgendwelchen Kuhbauern Kredite für neue Melkmaschinen geben, die dafür gerade einmal acht Prozent Zinsen zahlen? Statt dessen vergibt die französische Landbauern-Kreditbank lieber Kredite an die griechische Regierung zu zwölf Prozent.

Und deshalb ist Griechenland nicht pleite, klar?

Im Beispiel hatte die Bank einen Hebel vom 24fachen ihres Eigenkapitals, real ist die Zahl noch höher, im Durchschnitt das 38fache. Wenn nun die französische Landbauern-Kreditbank mit zehn Prozent ihres Anlagekapitals in hochverzinslichen griechischen Anleihen investiert ist, dann entspricht dies dem VIERFACHEN ihres Eigenkapitals. Muß die Bank diese Ausleihe wegen eines Staatsbankrotts abschreiben, ist die Bank selbst bankrott und bricht zusammen. Schulden Sie einer Bank 10.000 Euro und können nicht zahlen, haben Sie ein Problem. Schulden Sie einer Bank zehn Milliarden Euro und können nicht zahlen, hat nicht nur die Bank ein Problem, sondern auch die Regierung, die EUdSSR und die EZB.

Die Wurzel allen Übels liegt im „System Bank“ begründet. Der ungefährliche Teil des Bankgeschäfts besteht in der Dienstleistung zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs, das Führen der Girokonten. Der gefährlichere Teil ist das Einlagen- und Ausleihe-Geschäft. Im Prinzip könnte Oma Tüttelbek ihr Geld direkt an Kapitän Brambrösel verleihen, doch dafür müßte sie erst einmal bekanntgeben, daß sie Geld zu verleihen hat, die Kreditwürdigkeit von Kapitän Brambrösel prüfen, einen wasserdichten Vertrag aufsetzen und die Zinsen eintreiben. Dies alles übernimmt die Bank und sie ist damit wiederum Dienstleister. Dabei gibt es jedoch eine entscheidende Einschränkung: Das Geschäft wird in zwei Teilgeschäfte aufgespaltet: Die Bank nimmt das Geld von Oma Tüttelbek und haftet für dieses Geld gegenüber der Oma. Nicht die Oma, sondern die Bank verleiht das Geld an Kapitän Brambrösel. Es ist nicht das Geld der Oma, auch wenn es deren Einlage ist, sondern das Geld der Bank, das der Kapitän einsteckt.

Als Milliardär kann ich mein eigenes Geld zinsbringend verleihen, oder aber, dank meiner eigenen Kreditwürdigkeit, Fremdkapital aufnehmen und so viel mehr Geld verleihen – und damit deutlich mehr Geld verdienen. Dieser Teil des Geschäfts bringt richtig Geld, deshalb betreibt eine Bank eben dieses Geschäft. Natürlich gibt es in diesem Zusammenhang ein paar zusätzliche Dinge, die in „Banking made simple“ nicht erfaßt sind: vor allem eine Risikovorsorge. Auf Grund dieser Risikovorsorge kann eine Bank Kreditausfälle in Höhe ihres Eigenkapitals durchaus verkraften, doch es gibt irgendwo eine Grenze. Solange eine Bank das Kleinkundengeschäft betreibt – Omas Sparbuch hier, des Bauern Melkmaschine da – kann sie den gelegentlichen Ausfall eines Schuldners verkraften. Bei einem Großschuldner, also einem Staat, wird es kritisch.

Ein richtig sicheres Bankmodell ist das einer Bausparkasse: 10.000 Leute zahlen ein, 500 andere bauen. Der Kredit ist durch die Immobilie besichert, wenn nicht gerade eine Immobilienblase platzt, kann gar nichts passieren. Die Kreditnehmer sind bereits Kunden, sie müssen nicht erst geworben werden. Eine Genossenschaftsbank funktioniert ähnlich, zumindest wurde sie ursprünglich so konzipiert. Ein unbekannter Kreditnehmer ist dagegen ein Risiko, das erst einmal geprüft werden muß. Der Privatkunde – und dazu zählen in diesem Fall auch Firmen – muß für seinen Kredit Sicherheiten hinterlegen.

Jetzt bringen wir eine weitere menschliche Eigenschaft ins Spiel, die Faulheit. Angenommen, es gibt einen Schuldner, der von Haus aus „infallibel“ ist, also nicht Bankrott gehen kann. Ein Kunde, dessen Bonität nicht geprüft werden muß, ein Kunde, den man nicht zu akquirieren braucht. Staaten sind solche Schuldner, wenn ein Staat Geld braucht, stellt er keinen Kreditantrag, sondern hält eine Auktion ab. „Ich, der Staat X, hätte gerne zehn Milliarden. Was bietet ihr, die Banken, mir an Konditionen?“ Für die Bank ist das eine gute Gelegenheit, groß einzukaufen. Anstatt 10.000 Häuslebauer zu suchen und zu prüfen, bringt sie eine große Summe auf einmal unter. Ein Staat ist kreditwürdig, schließlich gibt es da Millionen Steuerzahler – deshalb „kauft“ die Bank die Staatsschulden. Sie bekommt vier Prozent Zinsen, hat kaum Ausgaben und streicht deshalb trotzdem das eine Prozent Gewinn aus der Zinsdifferenz ein.

Dummerweise stimmt die Grundannahme nicht, denn Staaten können trotzdem zahlungsunfähig werden. Dann sind nicht lächerliche 100.000 Euro im Feuer, sondern zehn, fünfzig oder hundert Milliarden Euro. Deshalb gibt es ein Rettungssystem. Das funktioniert, vereinfacht ausgedrückt, wie ein Altenheim mit massivem Personalmangel: Wer in der Lage ist, sich mit einem Rollator zu bewegen, kann genauso gut einen Rollstuhl schieben, in dem ein Mitpatient sitzt, der sich gar nicht mehr bewegen kann.

Das Zauberwort heißt in diesem Fall „Bürgschaft“. Ein Mensch mit gutem Einkommen und entsprechenden Sicherheiten bekommt jederzeit einen Kredit, wer das nicht hat, muß einen Bürgen beibringen. Die brutale Wahrheit steht, wie so oft, zwischen den Zeilen. Ein solventer Staat bekommt Geld zu niedrigen Zinsen, was heute drei bis fünf Prozent bedeutet. Ein Pleitekandidat muß höhere Zinsen bezahlen; die USA haben 1980 15% gezahlt. Bei Griechenland waren es in den letzten Monaten in der Spitze 25%. Ein Pleitestaat muß also so hohe Zinsen bezahlen, daß er noch tiefer in die Pleite abrutscht.

Um im Bild zu bleiben: ein hochverschuldeter Staat wird Patient im Altenheim. Solange er noch zu bezahlbaren Konditionen Kredite bekommt, marschiert er mit einem Rollator. In dem Augenblick, in dem er die Hilfe eines Bürgen benötigt, sitzt er im Rollstuhl. Griechenland war zu dem Zeitpunkt, als es den Rettungsschirm in Anspruch genommen hat, bereits überschuldet, da funktionierte nichts mehr aus eigener Kraft. Griechenland benötigte weiterhin mehr Geld, als es einnimmt, muß also weitere Schulden aufnehmen. Die Zusagen über 110 Milliarden sind – noch! – Bürgschaften, also keine Zahlungen. Griechenland wurde dadurch in die Lage versetzt, mittels „geliehener Bonität“ an günstige Bankkredite zu kommen. Im Endeffekt hat die Credite Agricole – französische Banken sind in Griechenland am stärksten involviert – eine Garantie bekommen, daß ihre Griechenland-Kredite bei Bedarf von der BRD zurückgezahlt werden.

Wie viel ist diese Garantie wert? Wenig! Die BRD hat selbst 2,1 Billionen Euro Schulden – und ein Viertel davon wurde in den sechs Regierungsjahren einer gewissen Angela Merkel angehäuft. Die BRD benötigt damit selbst einen Rollator – und schiebt statt dessen den Rollstuhl, in dem Griechenland sitzt. Das ist ganz sicher die optimale Paarung für einen Hundert-Meter-Lauf.

Aus der Nuklear-Physik kennen wir den Begriff der Kettenreaktion, im täglichen Leben sprechen wir lieber vom Domino-Effekt. Beide beschreiben das Gleiche, einen Vorgang, der, einmal ausgelöst, ständig weiterläuft und Zerstörungen anrichtet. Das Weltfinanzsystem ist wie eine geschlossene Kette aus Domino-Steinen aufgebaut. Fällt einer, reißt er alle anderen mit, es sei denn, ein Spieler greift schnell genug ein. Daß dies möglich ist, hat die Pleite der – zufällig jüdischen – Bank Lehman Brothers gezeigt. Das Weltfinanzsystem ist recht robust, es verträgt sogar solche Verbrecher wie den – zufällig jüdischen – Abzocker Bernie Madoff. Allerdings besteht dieses Weltfinanzsystem aus Luftschlössern. Den Sachwerten – Rohstoffen, Grund und Boden, Immobilien und Firmen – steht ein Geldwert-System gegenüber, das ausschließlich auf Vertrauen basiert. Ein synonymer Begriff ist „Treu und Glauben“, und Glauben bedeutet Kredit. Weil ich, weil mein Nachbar, weil wir alle glauben, daß ein Dollar, ein Euro, ein Yen Tauschwert und damit Kaufkraft besitzt, wird diesem Geld Wert zugemessen.

Vielleicht haben Sie schon den schönen Satz gehört, wonach Geld gemünzte Freiheit sei. Das mag auf Gold und Silber zutreffen, doch „unser“ Geld ist das nicht. Geld ist gedruckter Glaube – und im Gegensatz zu gewissen Büchern hat niemand behauptet, daß es göttlichen Ursprungs ist. Das Papier, mit dem Sie bezahlen, hat seinen Wert dadurch bekommen, daß eine übergeordnete Macht, der Staat, erklärt, daß dieses Geld als werthaltiges Zahlungsmittel zu betrachten sei. Und solange Sie daran glauben, daß der Staat dieses Versprechen einhält, erfüllt das Papier die Funktion des Geldes.

Nun ist Griechenland ein souveräner Staat und könnte als solcher jederzeit sagen, daß in seinem Bereich mit Drachmen oder Talenten zu bezahlen sei. Griechenland hat außerdem das Recht, seine Insolvenz zu erklären, also seine Gläubiger davon zu unterrichten, daß ihre Schuldscheine gerade noch Heizwert besitzen. Danach hat Griechenland nur noch das kleine Problem, neue Handelspartner zu finden. Kann man von Oliven und Schafskäse leben? Zumindest eine Weile sollte das gehen. Allerdings fahren die meisten Autos nicht mit Olivenöl im Tank. Ein paar Produkte, ein paar Rohstoffe muß Griechenland zukaufen, sofern es sich mit den Lieferanten über die Bezahlung einigt. Gold oder Ware? Drachmen wird kaum jemand akzeptieren, weil der Drachme nach dem Staatsbankrott der Glaube fehlen wird – der Glaube an ihren Wert.

Wenn nun eine Bank das Vierfache ihres Eigenkapitals verliert, bekommt die Bank ein eigenes Problem. Zum einen gibt es die Kreditvergabe-Vorschriften. Eine Bank darf Geld schöpfen, aber sie muß dafür eine kleine Einlage erbringen, eben eigenes Kapital. Ist dieses verbraucht, kann die Bank keine weiteren Kredite mehr vergeben und wird dadurch selbst zahlungsunfähig. Was tun Sie als Sparer? Finden Sie, daß Ihr Spargeld bei einer Bank gut aufgehoben ist, die sich gerade in Insolvenz befindet? Unter Ihrer Matratze wäre es sicherer… Womöglich verlieren Sie dann sogar Ihren Glauben an dieses Geld… Dann dürften Sie begreifen, warum Gold und Silber gemünzte Freiheit sind.

Mit Griechenland tritt auf jeden Fall der zweite Dominostein den Weg nach unten an, denn da man den Bürgen im Notfall würgen soll, müssen die Bürgen einspringen. Dann zahlen für die Insolvenz der Griechen andere Pleitestaaten wie Irland und Portugal, sowie die Pleitekandidaten Spanien, Italien und Belgien. Theoretisch bürgt sogar Griechenland selbst für die griechischen Gelder, aber dessen Anteil dürfen wir getrost abschreiben. Jetzt wird es an den Finanzmärkten lustig: Banken, die gerade unverbürgte Griechenlandgelder abschreiben mußten, sollen nun Geld bereitstellen, das sich die bürgenden Länder ausleihen müssen. Im Gegensatz zu Dagobert Duck verfügt keine europäische Regierung über einen gut gefüllten Geldspeicher; wenn Sonderzahlungen fällig werden, müssen sich diese Regierungen das Geld irgendwo leihen. Vermutlich werden wir großartige Buchungstricks vorgeführt bekommen: Schulden, die derzeit noch bei Griechenland verbucht sind, werden auf die BRD, Frankreich, Österreich, die Niederlande und ein paar weitere Länder umgebucht, deren Steuerzahler sich nicht allzu eifrig wehren. Danach leihen sich diese Länder bei ihren Banken weitere Milliarden, die anschließend als Eigenkapitalhilfe an die Banken gezahlt werden, um diese zu retten.

Warum? Weil Banken zwar Geld schöpfen dürfen, aber eben nur in einem bestimmten Verhältnis zu ihrem Eigenkapital. Deshalb, um weiteres Geld der Sparer als Kredite herausreichen zu können, müssen die Banken mit Eigenkapital versorgt werden – mittels einer Staatsbeteiligung. Das heißt, der Staat steigt mit „Steuergeld“ (das in Wirklichkeit von den Banken geliehen wurde) bei den Banken ein, damit diese Banken dem Staat mehr Geld leihen können. Sie dürfen jetzt entscheiden, ob sich da Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht oder ob da gerade das Perpetuum Mobile konstruiert wird.

Zwei Dominosteine fallen, doch mit diesen Tricks lassen sich die Finanzmärkte noch einmal retten. Eventuell gibt es noch einen weiteren Trick, der als letzte Rettungsmöglichkeit eingesetzt wird: Die Auflösung des Euro. Mit einer starken Währung, der neuen nationalen Mark, wäre Merkeldeutschland zahlungsfähiger als mit dem Euro. Ein Vierzonesien mit der eigenen Mark würde es womöglich schaffen, auch noch Portugal und Irland mit diesen schönen Tricks zu retten. Eine BRD mit Euro wäre da überfordert.

Wir sollten außerdem daran denken, daß die EUdSSR von Paris als vergrößertes Frankreich aufgefaßt wird. Wenn die Credit Agricole durch Griechenland ins Straucheln kommt, dann darf da Frankreich, und nur Frankreich, mit Staatsgeldern einsteigen. Dann wäre da noch die Credit Lyonnais… Ohne den Euro gibt es keinen Euro-Rettungsschirm, da lassen sich Bürgschaften viel leichter der gefügigen Bundeskanzlerin unterjubeln. Wenn die neue Mark kommt, dann heißt das, daß das Finanzsystem auf dem letzten Loch pfeift. Diese wird uns deshalb gewährt, weil Geld heute nur gedruckter Glaube ist. Die Deutschen glauben einer neuen Mark mehr als einem abgewirtschafteten Euro. Die neue Mark wird aufwerten, und dann denken Sie bitte daran, daß Gold und Silber gemünzte Freiheit sind. Der Glaube an die neue Mark wird vergehen, wenn diese von der Inflation gefressen wird.

Ich möchte zum Schluß drei Bilder wiederholen: Stellen Sie sich einen Kreis aus Dominosteinen vor, in dem Abstand, daß ein fallender Stein den nächsten umreißt. Dann fällt der Stein, auf dem eine griechische Flagge abgebildet ist. Er reißt einen zweiten Stein um – und eine schnelle Hand holt die Steine aus dem Kreis, bevor alle umfallen. Das ist die nahe Zukunft. Vorläufig wird noch versucht, den Stein am Fallen zu hindern. Das zweite Bild ist ein Schiff auf dem Meer, ein altes Schiff, das mit Kohle angetrieben wird. Leider ist der Kohlebunker leer, deshalb läßt der Kapitän die Aufbauten und das Mobiliar verheizen. Er könnte einen Hafen ansteuern, aber dann ist er sein Kommando los. Folglich setzt er alles daran, um weiterzufahren. Dieser Kapitän steht für unsere Regierungen. Die wollen solange wie möglich im Amt bleiben, selbst wenn das Schiff „Staat“ danach hilflos im Meer treibt.

Das dritte Bild ist der berühmte Dankesorden des – griechischen Volkes. Ja, der Laternenpfahl, der am Seil um den Hals getragen wird. Angeblich hat der griechische Ministerpräsident für seine Familie für 1,5 Milliarden Euro CDS auf griechische Staatsanleihen besorgen lassen. CDS sind Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps), die im Wert rasant steigen, wenn die Kredite, die sie absichern, in Gefahr geraten. Papandreou hat alles getan, damit diese griechischen Kredite unsicher werden und damit seine CDS wertvoller – angeblich sind sie auf 23 Milliarden Euro gestiegen. Es ist ein Gerücht, das von den qualitätsfreien Medien nicht bestätigt worden ist. Es zeigt aber die Stimmung in Griechenland – und was die Griechen ihren Volldemokraten zutrauen. Ach so, ja: Papandreou ist, rein zufällig, KEIN Jude, sondern Politiker.

Nebenbei, auch die Zentralbank, die EZB, ist eine Bank mit begrenztem Eigenkapital. Die EZB verleiht Geld gegen Sicherheiten – und diese Sicherheiten sind oft genug griechische Staatsanleihen. Wenn diese wertlos werden, wackelt sogar die scheinbar allmächtige EZB. Wenn es den Herrschaften gelingt, den Kreis der Dominosteine nach zwei Gefallenen zu halten, ist das eine echte Leistung. Deshalb ist es ganz in deren Sinne, wenn Griechenland nicht Pleite geht.

Ist Griechenland nun bankrott oder nicht? Die Antwort lautet Ja, auf beide Fragen, denn noch steht der Dominostein mit der griechischen Flagge darauf.

©Michael Winkler 

Quelle: http://www.michaelwinkler.de/Pranger/Pranger.html

Griechenland
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4 Kommentare

  1. vielleicht sollte sich stefan wehmeier einem anderen thema widmen. unabhängig von der rechten socke winkler, funktioniert unser geldsystem in der tat nur mit schulden. es wird, um es mal platt auszudrücken, einfach geld erfunden. real existiert es eben nicht (von den werten mal ganz abgesehen). und einen prof. senf als pseudowissenschaftlichen schwätzer hinzustellen zeigt mir, dass der gute stefan wehmeier von der thematik so viel ahnung wie eine kuh vom krapfen backen hat.
    …und natürlich….die sparer sind die schuldigen…der IWF bringt denen, wo sie ihre finger drin haben nur wohlstand, ackermann und merkel wollen nur unser bestes und die ausplünderungen der eu-länder, insbesondere den bürgschaften der europäischen steuerzahler, explizit der deutschen, sind alternativlos.

  2. Es gibt keine „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gilt:

    Geldvermögen = Kredite + M1 – (über Fristentransformation verliehener Anteil von M1)

    Die Summe der Geldvermögen in einer Volkswirtschaft ist immer um die Liquiditätsreserve größer als die Summe der Kredite!

    Der eigentliche Grund, warum pseudowissenschaftliche Kinderfilme wie „Fabian“ oder das „Geschwätz vom Senf“ eine gewisse Popularität erreichen (der dümmliche Artikel von M.W. verdient gar nicht erst erwähnt zu werden), ist der gleiche wie etwa beim „Denkfehler Marxismus“: Es wird vom eigentlichen Wesen der kapitalistischen Ausbeutung abgelenkt, sodass diese durch die jeweilige „Kritik“ nicht wirklich gefährdet wird.

    Zinseinnahmen der Geschäftsbanken: 420 Mrd. Euro pro Jahr
    Zinsaufwendungen für Sparer (vor allem Großsparer): 330 Mrd. Euro pro Jahr
    Bankmarge: 90 Mrd. Euro pro Jahr
    (Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand: Oktober 2007)

    Wer sind also die Ausbeuter in der Zinswirtschaft – die „bösen Banken“ oder die „lieben Sparer“? Die Summe aller „unverschämten Bankmanagergehälter“ beträgt weniger als zwei Prozent der Bankmarge, und im Gegensatz zu den Sparern erbringen die Bankmanager dafür sogar eine Arbeitsleistung, unabhängig davon, wie man diese anderweitig bewerten mag.

    Die Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins), die den Sparern gezahlt werden muss, damit die Geldersparnisse für Investitionen zur Verfügung stehen, setzt eine Untergrenze für die Rentabilität neuer Sachkapitalien, sodass ein struktureller Sachkapitalmangel bestehen bleibt, aus dem wiederum die Eigenkapitalrendite für alles (noch) unverschuldete Sachkapital resultiert, die zurzeit etwa 120 Mrd. Euro pro Jahr beträgt.

    Rechnen wir die private Bodenrente von etwa 100 Mrd. Euro pro Jahr hinzu, beträgt die Summe arbeitsfreier Kapitaleinkommen (unverdiente Knappheitsgewinne) auf Kosten der Mehrarbeit anderer 550 Mrd. Euro pro Jahr, was einem durchschnittlichen Nettolohnverzicht von 1200 Euro monatlich für alle 38 Millionen (noch) arbeitende Zinsverlierer entspricht. Der dadurch bedingte Kaufkraftverlust der breiten Masse destabilisiert schließlich die gesamte Ökonomie (gegenwärtiger Ist-Zustand).

    So einfach, wie die systemische Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz erklärt werden kann, ist sie auch zu eliminieren:

    http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

    Wo wir heute vielleicht schon sein könnten, wäre die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) bereits 1916 verwirklicht worden, kann bestenfalls erahnen, wer die „Großen Vier“ (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat. Wo die Menschheit aber heute wäre, hätte es die „heilige katholische Kirche“ nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen:

    http://www.deweles.de/files/himmel_auf_erden.pdf

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