Lehren aus dem japanischen Drama

Von Manfred Gburek, 11. März 2011

Lehren aus dem japanischen Drama

Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben an den Märkten zunächst zu rückläufigen Aktienkursen in Tokio und an anderen Börsen (speziell bei den Aktien der Rück- und sonstigen Versicherer), zu sinkenden Rohstoffpreisen und zu neuer Yen-Stärke wegen der Repatriierung von Geldern nach Japan geführt. Über die weiteren Folgen kann man trefflich spekulieren, sei es, dass weitere Erdbeben und Tsunamis folgen, sei es, dass der ersten Reaktion an den Märkten eine zweite, dritte und vierte folgt.

Der Phantasie der Anleger sollten da keine Grenzen gesetzt sein: Werden japanische Aktien noch einmal ihr bisheriges Tief vom März 2009 testen? Das wären, gemessen am Stand des Nikkei-Index vom Freitag, nachdem er schon kräftig gefallen war, noch einmal 28 Prozent Minus. Welche Unternehmen in anderen Ländern springen für die ausfallende japanische Produktion ein? Welche Folgen hat das Erdbeben für den Grundstücksmarkt? Zieht man jetzt weltweit Konsequenzen aus dem ausgerufenen Notstand japanischer Atomkraftwerke? Wie hoch soll die Rekord-Verschuldung Japans noch steigen, bis die Bevölkerung, die mit einem sehr hohen Anteil die Schuldenlasten trägt, nicht mehr zahlen kann oder will?

Früher ging man nach Ereignissen, die sich kurzfristig negativ auf die Märkte ausgewirkt hatten, wieder zur – entweder positiven oder weiteren negativen – Tagesordnung über. Dann dominierten erneut die ökonomischen Überlegungen, nach dem internationalen Crash vom Oktober 1987 ebenso wie nach den Anschlägen auf die Twin Towers in New York vom September 2001 und nach dem verheerenden Tsunami im Pazifik vom Dezember 2004. Nach dem Crash erholten sich die Aktienkurse, weil das wirtschaftliche Umfeld positiv war. Nach den Anschlägen gingen sie weiter in den Keller, weil Wirtschaft und Börse ohnehin schon angeschlagen waren. Und nach dem Tsunami setzte sich der Kursanstieg – außer in den betroffenen Ländern – weltweit fort, als wäre nichts gewesen.

Und dieses Mal? Japan ist die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und am höchsten von allen großen Ländern verschuldet, das sollte zu denken geben. Ob die Menschen dort weiterhin bereit sein werden, ihr Geld dem Staat anzuvertrauen, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Ebenso ist denkbar, dass Großanleger es dem Staat gleich machen und so wie er japanische Aktien kaufen, statt sich mit Minizinsen abspeisen zu lassen. Dann würden die Aktien, sobald die jetzige Katastrophenbaisse beendet ist, nach über zwei Jahrzehnten Abwärtstrend kaufenswert sein.

Japaner waren früher starke Goldkäufer, dann hat man jahrelang nichts mehr von ihren Käufen gehört und gelesen. Im derzeitigen Stadium und in Zukunft dürften sie eher zu den Verkäufern gehören. Das liegt nahe, denn zum einen ist der Goldpreis jetzt im Vergleich zu den Nullerjahren – auch in Yen – immer noch hoch, zum anderen zwingt die Katastrophe die Bevölkerung, auch ihre Reserven einzusetzen, und die bestehen nun mal zu einem großen Teil aus Gold.

Das allein ist es natürlich nicht, was den Goldpreis auf dem aktuellen Niveau immer wieder mal kurzfristig nach unten treibt. Vielmehr sind es in erster Linie die Verkäufe spekulativer Anleger. Haben die sich beruhigt, geht es – wie am Freitag – wieder aufwärts, und so weiter, bis der Preis sich auf hohem Niveau ausgependelt hat. Das kann Monate dauern, wird aber auf keinen Fall einen Abwärtstrend einleiten. Warum es für den zu früh ist, liegt auf der Hand: In einer allseits hoch verschuldeten Welt trennen Anleger sich nicht mal eben vom Gold, um anschließend mickrige Renditen von Staatsanleihen oder 1 bis 2 Prozent Zinsen auf dem Tagesgeldkonto zu kassieren. Das gilt analog auch für Silber, wobei die Pendelbewegungen hier kräftiger ausfallen.

Inzwischen gibt es, abgesehen von allzu heißen Überschriften in der Tagespresse und im Internet, sogar schon in der Werbung Indizien dafür, wann das Preispendel kurzfristig zu sehr nach oben ausgeschlagen hat und eine sogenannte Konsolidierung der Edelmetallpreise ansteht. Zum Beispiel beim Werbespot der DAB Bank, die neue Kunden mithilfe eines goldigen Geschenks gewinnen will. Oder in Form einer SMS, die mir am 8. März von Vodafone über mein Mobiltelefon gesandt wurde: Ich sollte mich auf eine Schatzsuche begeben und bei einem Spiel „echtes Gold gewinnen“. Ich habe auf den Schnickschnack verzichtet. Bezeichnenderweise sind die Preise von Gold und Silber nach ihrem kleinen Zwischenhoch vom 8. März erst einmal wieder gefallen, bevor sie sich drei Tage später erholt haben.

Um die oben gestellte Frage nochmals aufzugreifen: Werden die Märkte dieses Mal ebenso reagieren wie nach dem Crash von 1987, nach den Anschlägen von 2001 und nach dem Tsunami von 2004, nämlich mit der Fortsetzung des schon bestehenden Trends? Ja. Das heißt, die wirtschaftlichen Überlegungen werden sich durchsetzen: Schulden nicht mehr zu bremsen = Anleihenblase, Aktien als eine Möglichkeit, dem Schuldendilemma zu entfliehen = starke, von der Konjunktur abhängige Pendelbewegungen mit Chancen für antizyklische Käufer, Immobilien als weitere Möglichkeit = Konzentration auf Top-Lagen, Schutz vor dem Geldschwemme-Tsunami = Fortsetzung des Aufwärtstrends der Edelmetall- und Rohstoffpreise, aber erst nach einigen geringen (Edelmetalle) und starken (Rohstoffe) Pendelbewegungen.

Heute dominieren die reichlich fließenden Finanzströme die Märkte viel mehr, als die früher maßgebenden volks- und betriebswirtschaftlichen Kräfte das je konnten. Dass die Ströme sich, bildlich gesprochen, über den ganzen Globus ergießen, macht sie noch weniger kalkulierbar. Daran sollten Sie denken, wenn es hier oder da zu Preis- bzw. Kurskapriolen kommt. Das Tückische an den Kapriolen ist – neben der hohen Volatilität als solcher – auch ihr Verstärker, der sich aus zwei Komponenten zusammensetzt: Börsenspieler und Banken, die immer wieder neue Hebelprodukte lancieren, um die Spieler bei Laune zu halten.

Insofern dürfte die jetzige Katastrophe in Japan, verglichen mit den erwähnten früheren Ereignissen, eine Modifikation im Verhalten der Anleger mit sich bringen: Sie werden heftiger reagieren. Das Fazit daraus: Ist das Pendel im Rahmen des nach wie vor bestehenden Aufwärtstrends bei Edelmetallen allzu stark nach unten ausgeschlagen, heißt es umso mehr zuzugreifen. Das gilt für die Edelmetalle, im Prinzip auch für die viel volatileren Rohstoffe und für ausgewählte Aktien. Auf die japanischen habe ich Sie schon aufmerksam gemacht; achten jetzt mehr auf den Nikkei-Index: Erreicht er nicht mehr sein 2009er Tief von 7433 Punkten, gilt das als gutes Zeichen. Unter den deutschen Werten dürften nach dem bisherigen Anstieg und nach der aktuellen Abwärtsreaktion einige Immobilienaktien für Furore sorgen, wie Deutsche Wohnen, TAG Immobilien, conwert und später IVG. Verfolgen Sie in nächster Zeit ihre Kurse und greifen Sie nach größeren Rückschlägen zu.

Quelle: http://www.gburek.eu/

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3 Kommentare

  1. Japan muss eine nukleare Katastrophe fürchten: Die armen Menschen in Japan. Nicht nur, dass sie um ihr Leben fürchten müssen, sondern ihr Land wird nun verseucht sein. Im AKW Fukushima 1 ist die Radioaktivität schon auf das Tausendfache des Normalmaßes gestiegen. Deutlich erhöhte Werte gibt es auch in der Umgebung, die Evakuierungszone wurde ausgeweitet. Hoffentlich bekommen das die Japaner in den Griff.

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