Politik der BRD GmbH: Bankenrettung, ja – Bildung, nein Danke!

Schulfach Ökonomie muss endlich kommen!

Von Susanne Cassel und Tobias Thomas am 6. April 2012

Ökonomische Bildung ist heute mehr denn je erforderlich, um als mündiger Arbeitnehmer, Konsument, Steuerzahler und nicht zuletzt als Wähler verantwortungsvoll handeln zu können. Wie wichtig fundierte ökonomische Kenntnisse sind, zeigt aktuell die europäische Staatsschuldenkrise. Obwohl sie jeden Bürger betrifft, haben viele große Probleme, sich eine fundierte Meinung über die diskutierten und vollzogenen Maßnahmen zu bilden. Und auch bei anderen wirtschaftspolitisch relevanten Themen ist das nicht anders. Ein Schulfach Ökonomie bundesweit an allgemeinbildenden Schulen würde allen Schülern in Deutschland ökonomische Zusammenhänge systematisch und wissenschaftlich fundiert vermitteln. Voraussetzung für den Lernerfolg wäre allerdings, dass deutschlandweit eine eigenständige akademische Ausbildung für Wirtschaftslehrer eingeführt wird und wissenschaftlich fundierte Schulbücher genutzt werden.

Um die ökonomische Bildung ist es bei den Jugendlichen in Deutschland schlecht bestellt: 40 Prozent der 14- bis 24-jährigen verbinden „nichts Bestimmtes“ mit dem Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ und 54 Prozent können das Prinzip von Angebot und Nachfrage nicht korrekt erklären. Die mangelnden Ökonomiekenntnisse wiegen schwer, denn ökonomische Kompetenzen sind in einer zunehmend wirtschaftlich verflochtenen und auf Eigenverantwortung basierenden Welt unverzichtbares Rüstzeug für informierte Entscheidungen in vielen Lebensbereichen. Dabei geht es darum, die Konsequenzen eigener Entscheidungen für sich und andere einschätzen zu können. Sei es bei der Wahl der Ausbildung und des Berufs, der Bewertung von Konsumgütern, Aktien und Versicherungen oder der Beurteilung der wirtschaftspolitischen Performance der jeweiligen Regierung – nicht zuletzt an den Wahlurnen. Auch zeigen empirische Untersuchungen, dass Menschen, die sich mit Ökonomie beschäftigen und ökonomische Zusammenhänge verstehen, die Leistungsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft als Garant unseres Wohlstandes besser einschätzen können. In Zeiten, in denen Marktwirtschaft vielfach pauschal in Frage gestellt wird, ist dies nicht zu unterschätzen.

Inzwischen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass ökonomische Kenntnisse im Schulunterricht vermittelt werden sollen. Und in vielen Schulen ist dies auch bereits gängige Praxis. Allerdings existiert kaum ein eigenständiges  Schulfach   für   Ökonomie, obwohl sich Dreiviertel der Schüler und fast 80 Prozent der Erwachsenen dafür aussprechen. In der Regel wird Ökonomie in Fächern wie Politik, Geschichte, Sozialwissenschaft oder Gemeinschaftskunde behandelt. Dies hat zur Folge, dass Ziele, Inhalte und zeitlicher Umfang und damit das Ausbildungsniveau der Schüler stark variieren. Schwerwiegend kommt hinzu, dass die Schüler im Teilgebiet Wirtschaft oft von fachfremden Lehrkräften unterrichtet werden, denen es häufig an fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Wissen fehlt. Die ökonomische Schulbildung bleibt damit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Diese Defizite könnten mit der Einführung eines Schulfaches Ökonomie behoben werden. Um eine hochwertige Lehre zu gewährleisten, wäre es jedoch notwendig, deutschlandweit eigene Studiengänge für Ökonomielehrer zu etablieren. Auch bei den Unterrichtsmaterialien für den Ökonomieunterricht besteht Verbesserungsbedarf – nicht zuletzt im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Fundiertheit und Neutralität. So bestehen – zu Recht oder Unrecht – in der öffentlichen Debatte Vorbehalte gegenüber den zahlreichen von Interessenverbänden herausgegebenen Unterrichtsmaterialien. Und aktuell verwendete Schulbücher erfüllen oftmals moderne fachwissenschaftliche und fachdidaktische Anforderungen nur unzureichend.

Internationale Vergleichsstudien von Schulleistungen wie die PISA-Studie der OECD haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ein gesellschaftlicher Diskurs über Defizite in der Schulbildung in Gang gekommen ist und Maßnahmen zu deren Beseitigung ergriffen wurden. So konnte sich Deutschland von 2000 bis 2009 in der PISA-Rangliste deutlich verbessern: im Bereich Mathematik vom 20. auf den 10. Platz und in den naturwissenschaftlichen Kompetenzen vom 20. auf den 9. Rang. Eine PISA-Studie zu den Ökonomiekenntnissen deutscher Schüler   im   internationalen  Vergleich  könnte einen ähnlichen Diskussions-  und  Reformprozess anstoßen. Tatsächlich werden in der PISA-Studie 2012 erstmals ökonomische Kenntnisse in Finanzfragen untersucht. Deutschland beteiligt sich daran jedoch nicht und vergibt damit eine große Chance, das Thema ökonomische Schulbildung empirisch fundiert zu diskutieren und notwendige Reformen anzustoßen.

Dieser Policy Brief entstand auf Grundlage des ECONWATCH-Panels „Ökonomische Bildung an Schulen – Voraussetzung für verantwortungsvolle Wahlentscheidungen in Markt und Politik“ mit Prof. Dr. Franziska Birke (Universität Potsdam), Prof. Dr. Günther Seeber (Universität Koblenz-Landau) und Andreas Wegener (Direktor der Privaten Kant Schule e.V., Berlin) unter der Moderation von Dr. Ursula Weidenfeld am 17. Oktober 2011in Berlin.

Quelle: http://wirtschaftlichefreiheit.de/

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Kommentare

Politik der BRD GmbH: Bankenrettung, ja – Bildung, nein Danke! — 1 Kommentar

  1. in meinen augen macht es keinen sinn ökonomie an den schulen zu lehren

    warum?
    es wird doch nur das gelehrt/gelernt was dem herrschenden system dienlich ist! und das ist wie wir wissen nonsens!
    man kann feststellen, das das schul/bildungssystem mit jeder reform verschlechtert wird! man will einzig und alleine systemkonforme idoten-idotinenne erzeugen die das denken der obrigkeit überlässt!
    eigenes denken und kreativität ist unerwünscht!

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