Sachwert schlägt Geldwert, jetzt erst recht

Manfred Gburek

Wenn ein für seine Offenheit bekannter Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken wie Andreas Schmitz kein Blatt vor den Mund nimmt, ist er es wert, hier mit einigen brisanten Aussagen zitiert zu werden. Zumal seine Amtszeit demnächst ausläuft und er deshalb umso freimütiger über alle anstehenden Probleme und ihre Lösungen reden kann, wie in diesem Fall vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten am vergangenen Mittwoch. Sein Rundumschlag hat es mehrfach in sich:

Die Krise sei „zum Normalzustand geworden“, so Schmitz, der Interbankenmarkt werde praktisch nur noch von der Europäischen Zentralbank zusammengehalten. Der Sparkurs Griechenlands sei „nicht aufrecht zu erhalten“, die Proteste der dortigen Bevölkerung werden noch zunehmen und auch auf andere Euroländer ausstrahlen. Schmitz nennt das einen „psychologischen Dominoeffekt“. Für die Lösung des Problems der Eurozone gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine politische Union, oder die Währungsunion kann in ihrer jetzigen Form nicht mehr bestehen bleiben. Was die zweite Alternative betrifft, „nehmen die Risiken eher zu“, so Schmitz.

Für Spanien, Portugal und weitere Euroländer sei nie die Integration der Währungsunion das wichtigste Ziel gewesen, „sondern an die Fleischtöpfe der EU zu kommen“. Kanzlerin Angela Merkel habe vor zwei Jahren, nachdem die Griechenland-Krise offen ausgebrochen und das Land dringend auf Hilfe von außen angewiesen war, einen Fehler begangen: Statt Bedingungen auszuhandeln, habe sie einfach „einen Scheck unterschrieben“. Frankreich sei immer noch „der Idee der Grande Nation verhaftet“, stehe aber ökonomisch viel schlechter da als allgemein bekannt. Und Spanien? Dort sind die Risiken, nicht zuletzt auch die der in Spanien über faule Kredite involvierten deutschen Banken, sehr ernst zu nehmen. Und sobald die Konjunktur in Deutschland zu stottern beginnt, besteht die Gefahr, dass die Krise eskaliert.

Was lässt sich dagegen tun, welche Lösungen bieten sich für all diese Probleme an? Klar, dass der Bankenpräsident, ebenso wie viele andere, den derzeit heiß diskutierten Eurobonds eine Absage erteilt. Zumindest so viel steht aber fest: Es wird, wie an dieser Stelle schon prognostiziert, gezielte Wachstumsimpulse geben, die etwa der Infrastruktur, der Bildung, Forschung und Entwicklung zugute kommen. Darauf zielt auch der neue Wachstumsplan der Bundesregierung für den Euroraum ab. An den Details wird gerade tage- und nächtelang gefeilt. Deficit Spending, wie die Finanzierung des erhofften Konjunkturaufschwungs mit der Geldgießkanne über noch mehr Staatsschulden heißt und in Eurobonds münden könnte, gilt – jedenfalls offiziell – als Tabu. Ob am Ende nicht doch noch etwas davon durchkommt, werden wir in den nächsten Wochen erfahren.

In Anbetracht der hier geschilderten Umstände nimmt es nicht wunder, dass die Kurse an den verschiedenen Märkten einerseits kurzfristig wild hin und her hüpfen, andererseits mittelfristig gewisse Tendenzen erkennen lassen. So reagieren beispielsweise die Aktienkurse auf jede Meldung und auf jedes noch so dumme Gerücht hypernervös, ohne allerdings einzubrechen, weil sie ja in jeder Schwächephase von weitsichtigen Fondsmanagern eingesammelt werden.

Demgegenüber weist der Euro im Vergleich zum Dollar und anderen Währungen Schwächen auf, sodass schon eine leichte mittelfristige Abwärtstendenz zu erkennen ist. Ob daraus ein nachhaltiger Abwärtstrend wird, ist jedoch zumindest im Hinblick auf den Dollar zweifelhaft, weil der ebenso wie der Euro eine in sich schwache Währung darstellt: In beiden Fällen liegt der Realzins, gemessen an der Nominalrendite von US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen abzüglich der jeweiligen Inflationsrate, im negativen Bereich. Das sieht beim Vergleich von Staatsanleihen der USA und der schwachen Euroländer mit hohen Nominalrenditen zwar anders aus, aber dafür riskieren Anleger mit Anleihen von Frankreich abwärts bis Griechenland große bis größte Teile ihres Einsatzes.

Wie sind in diesem internationalen Kuddelmuddel Gold und Silber aus Anlegersicht zu bewerten? Im Zweifel nicht anders als vor Wochen und Monaten (außer wenn es zu Preisübertreibungen wie im vergangenen August kommt), nämlich als fester Anker in einem diversifizierten Vermögen, als Versicherung und als Spekulation gegen den Kaufkraftschwund bzw. Verfall der Währungen. Weil die beiden Edelmetalle aber im Gegensatz zu den gängigen Aktien keine laufenden Erträge abwerfen und weil Aktien zurzeit relativ niedrig bewertet sind, entsteht zeitweise so etwas wie Konkurrenz zwischen beiden Anlagekategorien.

Eine Konsequenz daraus ist, nach vorübergehenden Kursrückschlägen gezielt Aktien aus Dax, MDax, SDax, TecDax, SMI, Dow Jones, Nasdaq, Nikkei, Hang Seng usw. zu kaufen (weitere Gründe dafür finden Sie in meinen beiden letzten Kolumnen auf wiwo.de). Eine andere – für Leser meiner Kolumne hier wahrscheinlich näher liegende – Konsequenz besteht im Kauf von Gold- und Silberaktien aus den Indizes XAU und HUI, wie an dieser Stelle vor einer Woche begründet. Deren laufende Erträge können sich im Vergleich mit denen der gängigen Aktien wahrlich sehen lassen; und wenn nicht alles täuscht, haben Börsianer gerade in der abgelaufenen Woche diesem Umstand Rechnung getragen, indem sie bei steigenden Kursen massiv in Gold- und Silberaktien eingestiegen sind. Wobei – wie immer, wenn es mit Edelmetallen etwas zu verdienen gibt – Silberaktien unter dem Strich (aber mit viel stärkeren Kursschwankungen) besser abschneiden als die meisten Goldaktien.

Offenbar bewegt viele von Ihnen nicht nur die Frage, ob der Euro überleben wird – und wenn ja, in welcher Konstellation -, sondern auch, was für Auswirkungen die Eurokrise mittel- bis langfristig auf Ihre Anlagen haben wird. Im Grunde keine anderen als jede andere Krise auch: Die Finanz- und sonstigen Märkte werden mehr oder weniger kräftig durchgeschüttelt. In diesem Fall kommt allerdings hinzu, dass der Wertmaßstab selbst, nämlich die Währung Euro, zu einer unkalkulierbaren Variablen ausartet. Allein schon von daher empfiehlt sich die Streuung der Anlagen mit dem Schwerpunkt Substanz.

Das sollte man sich so vorstellen: Alles, was nicht von den Irrungen und Wirrungen der öffentlichen Geldschöpfung (Staatsschulden) und ihrer privaten Flankierung (zum Beispiel durch Derivate) abhängt und was bis zu einem gewissen Grad Substanz verkörpert (selbst genutztes Haus, Eigentumswohnung, Aktien und Aktienfonds, Edelmetalle, Rohstoffe), ist den sogenannten Geldwerten (Sparkonto, Anleihen aller Art, Renten- und Geldmarktfonds, Kapitallebensversicherungen) vorzuziehen. Lediglich als Liquiditätsreserve empfehlen sich Tagesgeldkonten bei zwei oder drei Banken bzw. Sparkassen. Falls Sie das alles beherzigen, können Sie das aktuelle Ringen um die Euro-Rettung in aller Ruhe weiter verfolgen.

Quelle: Manfred Gburek

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