US-Militär subventioniert die Pharma-Lobby

Chemische Kriegsführung

Robert C. Koehler

Um unsere wahnwitzigen Kriege zu führen, richten wir die Fähigkeit unserer Soldaten zugrunde, mit sich selbst zurechtzukommen und in der Gesellschaft zu funktionieren, um dann das, was von ihnen übrig ist, mit Chemikalien zu regulieren, die die Dinge oft unabsehbar verschlimmern.

Könnten wir in unserem Streben nach Ordnung möglicherweise noch mehr Chaos schaffen, nicht nur nach außen – in den zertrümmerten Ländern, die wir hinterlassen – sondern nach innen, in den Persönlichkeiten dieser Soldaten?

Die Los Angeles Times berichtete, dass der Luftwaffenpilot Patrick Burke vor kurzem freigesprochen wurde in einem Militärverfahren, in dem er angeklagt war wegen Autodiebstahls, betrunkenen Fahrens und zwei weiteren Verstößen – wegen eines „durch einen Substanzenmix verursachten Deliriums.“ Das war, so erklärte die L.A. Times, ein Wendepunkt: die erste offizielle Anerkenung durch Militärpsychiater und durch einen Richter eines Kriegsgerichts, dass die Drogen, die zu einem alltäglichen Bestandteil des Militärdienstes geworden sind – in Burkes Fall das verschriebene Amphetamin Dexedrine („go pills“) – zu temporärer Unzurechenbarkeit führen können.

Besser leben durch Chemie!

Die chemische Lösung durchzieht natürlich die gesamte Kultur, und während Drogen zu erstaunlichen Ergebnissen führen können, sind sie dämonisch verführerisch und haben immer eine Schattenseite. Und nirgends, so scheint es, äußert sich ihr Missbrauch dramatischer als im modernen Militär.

„Nach zwei lang dauernden Kriegen mit eskalierenden Stufen von Kampfstress nahmen im letzten Jahr über 110.000 Soldaten im aktiven Dienst verschriebene Antidepressiva, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, antipsychotische und Drogen gegen Angstzustände zu sich, laut den Zahlen, die vor kurzem der L.A. Times vom Chef des Sanitätsdienstes der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika mitgeteilt worden waren,“ schreibt Kim Murphy in dem Artikel. „Nahezu acht Prozent des Heeres im Einsatz ist jetzt auf Beruhigungsmitteln und mehr als sechs Prozent auf Antidepressiva – achtmal so viel wie 2005.“

Murphy zitiert den Psychiater Peter Breggin, der über die Beziehung zwischen Drogenkonsum und Gewalt geschrieben hat: „Vor dem Irakkrieg konnten keine Soldaten, die unter dem Einfluss psychiatrischer Drogen standen, in den Kampf gehen, aus. Vor nicht sehr langer Zeit … konntest du nicht einmal den bewaffneten Kräften beitreten, wenn du eine von diesen Drogen benutzt hast, besonders Aufputschmittel.“

Jetzt hört er von Soldaten, die ihm sagen, dass „der Psychiater ihren Einsatz nicht genehmigt, wenn sie keine psychiatrischen Drogen nehmen.“

Das klingt nach Sucht, und nicht auf Seiten der Soldaten. Das Militär selbst ist süchtig nach … wie Murphy erklärt, „enthält die Einsatzapotheke des modernen Armeepsychiaters höchstwahrscheinlich neun Sorten Antidepressiva, Benzodiazepine gegen Angstzustände, vier antipsychotische Substanzen, zwei Schlafmittel und Drogen gegen Hyperaktivitätsstörungen mit Wahrnehmungsdefizit, laut einer Untersuchung 2007 in der Zeitschrift Military Medicine.“

Die Anwälte von Sergeant Robert Bales, des angeblichen einzelnen Mörders von 17 Afghanen im vergangenen Monat, haben eine Liste aller Medikamente verlangt, die er genommen hat. Es wird sehr viel gemutmaßt, ob er insbesondere auf dem Antimalaria-Mittel Mefloquine war, das mit bizarrem und gewalttätigem Verhalten in Verbindung gebracht wird und den „Mefloquine-Wahn“ hervorruft, wie dieser Zustand dort genannt wird.

Alles das lässt mich denken an den unkontrollierten Einsatz von Chemikalien im globalen Geschäft mit der Landwirtschaft, an dessen profitgieriges Streben, das bebaubare Land des Planeten in endlose Monokulturen zu verwandeln, in äußerster Missachtung der und im Krieg gegen die Vielfalt der Natur. Das ist unser Krieg gegen „Ungeziefer“ und „Unkraut,“ und wie in unserem Krieg gegen „das Böse“ vulgo Terrorismus, oder was sonst auch immer, und mit unserer Entschlossenheit, eine wirtschaftliche und politische Monokultur auf dem gesamten Planeten einzurichten, verlieren wir nicht nur einfach, sondern wir zerstören uns selbst.

„‚Farmer brauchen gerade jetzt eine Technologie, die ihnen hilft, mit Problemen wie resistentem Unkraut umzugehen,’ sagte ein Funktionär von Dow im vergangenen Monat. Das heißt? Farmer brauchen gerade jetzt eine Technologie, die ihnen hilft, mit Problemen fertig zu werden, die … von einer Technologie versursacht wurden, die vor 15 Jahren eingeführt wurde,“ schrieb Verlyn Klinkenborg neulich in Yale Environment 360. 

„Statt die Farmer dazu zu bewegen, weg von der Uniformität zu größerer Vielfalt zu kommen,“ fuhr er fort, „hilft ihnen das USDA (United States Department of Agriculture – Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika), das gleiche alte falsche Ding schneller zu machen. Wenn etwas schief geht, scheint das USDA zu denken, dass man dagegen am besten vorgeht, indem man die Einführung von Ideen beschleunigt, die aus genau dem gleichen Grund scheitern werden. Und irgendwie ist es immer die gleiche schlechte Idee: der uniforme Einsatz eines antibiologischen Mittels, sei es ein Pestizid bei Pflanzen oder ein Antibiotikum in Tierfabriken. Heraus kommt immer das Gleiche. Die Natur findet einen Weg drum herum, und das schnell.“  

Das ist die Mentalität der Beherrschung: Während wir die Herrschaft über die Natur und die Herrschaft über die Nationen der Erde anstreben, prügeln wir auf unsere wahrgenommenen Feinde los mit einem endlosen Trommelfeuer des gleichen alten, gleichen alten, in zunehmend tödlicher Dosierung. Und wenn der Krieg in unsere Hirne zurückschlägt, dann setzen wir das chemische Trommelfeuer gegen unsere eigenen Gedanken, gegen unsere eigenen Seelen ein. 

Was wird es brauchen, um institutionalisierte Wut und Angst in etwas umzuformen, das nicht dem Hirn des Reptils entspringt? Wie bringen wir Liebe in kollektive Bewegung? Bis wir das schaffen, wird die Welt mehr und immer mehr aussehen wie eine SciFi Techno-Dystopie.

Quelle: antikrieg

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