Was die Signale aus Davos und von der Fed bedeuten

Von Manfred Gburek, 27. Januar 2012

Was die Signale aus Davos und von der Fed bedeuten

Gold und Silber entwickeln sich prächtig. Die grundsätzlichen Argumente dafür habe ich hier schon mehrfach genannt. Grund genug, auch den aktuellen Hintergrund auszuleuchten. Da gibt es nämlich viel zu sehen. Etwa aus Anlass des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos, aber auch weit darüber hinaus.

Davos, das ist längst nicht mehr nur ein Schweizer Promi-Skiort, sondern gleichzeitig der Sitz von einer Art Weltregierung. Jedenfalls immer Ende Januar, und das schon seit vielen Jahren. Zu dieser Regierung gehören neben Spitzenpolitikern natürlich auch Zentralbanker und Topmanager aus Konzernen. Alle zusammen gefallen sich darin, dass Medien aus aller Welt die – manchmal sachlichen, überwiegend aber von eigenen Interessen und einem Schuss Eitelkeit getriebenen – Kommentare der Versammelten nach draußen kommunizieren.

Konzentrieren wir uns hier auf die sachlichen, wobei der größte Teil solche Informationen betrifft, die aus Gesprächen hinter verschlossenen Türen nach draußen gedrungen sind, betonen meine Informanten unisono. Da ist zunächst der erbitterte Streit um die Verteilung der finanziellen Lasten von Griechenland, Portugal, Spanien, Italien usw. zwischen öffentlichen und privaten Gläubigern. Er wird weiter anhalten und immer wieder zu hektischen Reaktionen an den Finanz-, Edelmetall- und Rohstoffmärkten führen.

In welchem Ausmaß, haben wir ja in den vergangenen Wochen erlebt – mit der Pointe, dass ausgerechnet die Entscheidung der US-Notenbank Fed für eine noch lockerere Geldpolitik eine besonders große Hektik ausgelöst hat. Aktionäre, Edelmetallbesitzer und Rohstoffhändler haben es ihr mit kräftigen Preissprüngen nach oben gedankt. Damit ist einmal mehr bestätigt, dass vor allem Gold und Silber favorisiert bleiben, zumal ihre Preise besonders überzeugend auf die Fed-Entscheidung reagiert haben.

Europäische Staatsanleihen repräsentieren einen Betrag von insgesamt über 8 Billionen Euro. Käme es zu größeren Schuldenschnitten allein in den oben genannten Ländern, müsste ein so großer Teil davon abgeschrieben werden, dass sogar die Europäische Zentralbank (EZB) mit Rettungsaktionen überfordert wäre. Allein schon daraus folgt, dass es nur noch auf die Modalitäten der Euro-Rettung ankommt, aber nicht auf deren Ausgang. Denn der wird positiv sein, jedenfalls im Sinn der Schuldner. Auch das ist ein wichtiges Fazit meiner Informanten aus Davos.

Ein weiteres: Die privaten und öffentlichen Gläubiger der staatlichen Schuldner werden zwar selektiv Opfer bringen müssen, aber sie werden zum größten Teil mit einem blauen Auge davonkommen. Das impliziert, dass im Zweifel auch die EZB ähnlich wie andere Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik Vollgas geben wird. Ein wichtiger Auslöser wird dabei sein, dass die sogenannte Fiskalunion, also ein Finanzausgleich innerhalb der Euro-Länder, wegen viel zu unterschiedlicher Interessen nicht rechtzeitig ausgehandelt werden kann. Folglich muss die EZB mit ihrer Geldpolitik einspringen, damit die Konjunktur im Euro-Raum nicht doch noch einbricht.

Wenn Länder mit zu hoher Verschuldung gerettet werden und die meisten Gläubiger mit einem blauen Auge davonkommen, stellt sich die Frage: Wer sind die Verlierer? Die Reaktion der Märkte auf die Fed-Entscheidung vom vergangenen Mittwoch hat dazu ein entscheidendes Signal gesetzt: Alle, die im Lauf der nächsten Jahre negative Realzinsen (Nominalzinsen minus Inflationsrate) in Kauf nehmen müssen, gehören zu den größten Verlierern. Das sind nur zu einem geringen Teil private Anleihenbesitzer, die in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnt werden, denn sie bilden eine kleine Minderheit und können ihre Anleihen im Normalfall ja immer verkaufen. Am schlimmsten betroffen sind alle langfristig orientierten Sparer, deren Geld in Lebensversicherungen, Pensionskassen, sonstigen Einrichtungen zur Altersvorsorge, Rentenfonds und Riester-Rentenverträgen angelegt ist.

Was steckt hinter dem Fed-Signal? Zunächst der folgende verräterische Satz von Fed-Chef Ben Bernanke: „Falls es sich als notwendig erweist, die Inflationsrate etwas langsamer zu senken, um die Beschäftigung zu fördern, sind wir dazu bereit.“ Zerpflückt man diesen Satz und Bernankes Äußerungen zur Beschäftigungspolitik, wird schnell klar: Die oberste Geldbehörde der USA bekennt sich zum ersten Mal ohne Wenn und Aber öffentlich zu zwei Zielen, den Geldwert stabil zu halten und für Vollbeschäftigung zu sorgen.

Wie und in welchem Rhythmus sie diese beiden sich widersprechenden Ziele erreichen will, bleibt fürs Erste ihr Geheimnis. Weniger geheimnisvoll gibt sie sich dagegen im Hinblick auf ihre Zinspolitik: Der amerikanische Leitzins soll bis Ende 2014 de facto bei null Prozent bleiben. Allein schon das bedeutet bei dem von Bernanke vorgegebenen Inflationsziel von 2 Prozent, dass der Realzins entsprechend ins Negative rutscht. Bei den 2 Prozent bleibt jedoch die Entwicklung der Lebensmittel- und Energiepreise außen vor. Berücksichtigt man auch sie, landet das Fed-Inflationsziel realistisch betrachtet bei rund 3 Prozent.

Es bedarf nun keiner allzu großen Phantasie, um sich vorzustellen, zu welch immensen Verlusten 3 Prozent auflaufen, wenn sie von Jahr zu Jahr anfallen. Dass Europa oder speziell der Euro-Raum von so einer Entwicklung verschont bleibt, ist illusorisch. Wer Geld in Lebensversicherungen, Pensionskassen usw. langfristig angelegt hat, wird am Ende sehr hart bestraft. Dies umso mehr, als die Manager solcher kollektiven Einrichtungen zur Altersvorsorge überwiegend dem Nominaldenken verhaftet sind.

Da ich davon ausgehe, dass Sie als Leser von goldseiten.de fast ausschließlich zu den Realdenkern gehören, stellt sich die Frage, welche Anlagen jetzt und in Zukunft am besten zu Ihnen passen. Jetzt ohne Zweifel Gold und Silber einschließlich Edelmetallaktien, je nach persönlicher Situation und Risikoneigung auch eine selbst bewohnte Immobilie, Aktien mit solider finanzieller Basis und möglicherweise ein wenig Land zur Selbstversorgung. Warum der Schwerpunkt immer noch auf Gold und Silber liegen sollte, belegt am besten die nun ganz eindeutige Fed-Politik nach dem Motto „Inflate or die“. Denn mit der Aussage, den Leitzins bis Ende 2014 auf seinem Tief zu belassen, hat Bernanke den Edelmetallpreisen einen kräftigen Schub gegeben.

Wie lange wird der Schub wirken? Damit kommen wir zur Zukunft. Die seit fast elf Jahren mit nur kurzen Unterbrechungen nach oben gerichteten Preise von Gold und Silber werden zwar auch bis auf Weiteres im Trend steigen, aber nach dem nächsten größeren Preisanstieg zunehmend Ermüdungserscheinungen zeigen. Diesen Anstieg noch mitzunehmen, wird sich lohnen, weil er besonders stark zu werden verspricht. Sobald aber andere Anlagen, in erster Linie wahrscheinlich Aktien, in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses rücken werden, sollten Sie Gold nur noch als Sicherheitsreserve in physischer Form (Anlagemünzen, Barren) für den Notfall behalten. Die Zeitspanne bis dahin bleibt derweil ebenso offen wie die Preisziele, positive Überraschungen inbegriffen. Einstweilen können Sie getrost abwarten und sich über jeden Zwischengewinn freuen.

Quelle: www.gburek.eu

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Kommentare

Was die Signale aus Davos und von der Fed bedeuten — 2 Kommentare

  1. Pingback: Vollbeschäftigung von der FED « Vollbeschäftigung

  2. Betreffend Ihrer Zukunftsprognose machen Sie es sich m.E. zu einfach. Sie blenden einen ganz wichtigen Aspekt aus: Der Fall der Petro-$ Mauer und damit zusammenhängend der Untergang des US$ als sog. internationale Reservewährung. Diesen Prozess können wir doch aktuell gerade beobachten (im Falle Libyens und des Irak konnte er dank kriegerischer Intervention noch verhindert werden) . Der langsame aber stetige Zerfall des petrodollar Systems (siehe die dieversen Abkommen zw. Japan,China,Indien, Iran und Russland) ist bullisch für Gold und bearish für den $ selbst. Gleichzeitig wird der Ölpreis (nebst der Tatsache von Peak Oil)zumindest in US$ gemessen stark ansteigen und damit die US amerikanische Wirtschaft endgültig abwürgen, was selbst nicht zwingend für Aktienengagements spricht.

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