„Weberaufstand“ 2.0? – wurde Axel Weber dem Euro geopfert?

Der neueste Newsletter von Gerhard Spannbauer (krisenvorsorge.com)

„Weberaufstand“ 2.0? – wurde Axel Weber dem Euro geopfert?

Einst war Axel Weber ein enger Freund von Bundeskanzlerin Merkel. Umso erstaunter zeigen sich die Medien jetzt, dass der Präsident der Deutschen Bundesbank plötzlich „den Bettel hinwirft“.

Weber, einer der mächtigsten Kämpfer für Geldstabilität und für ein ausgeglichenes Staatsbudget wäre doch eigentlich genau das, was eine europäische Wirtschaftsregierung in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank bräuchte, wenn man den allgemeinen Verlautbarungen unserer Elite glauben will.

Axel Weber war auch schon so gut wie sicher als Nachfolger von EZB-Chef Jean-Claude Trichet gehandelt worden.

Nun plötzlich heißt es, er komme nicht mehr in Frage.

Er geht einfach. Warum?

Was wir jetzt mitbekommen ist nur die äußere Sichtbarkeit von Tatsachen, die hinter den Kulissen schon lange Wirklichkeit geworden sind. Eigentlich hatte sich Axel Weber nämlich schon viel früher als Kandidat für die EZB ausgeschossen.

Das kam so:

Am Donnerstag, den 6. Mai 2010 tagte die EZB in Lissabon.

  • Die Krise mit Griechenland droht aus dem Ruder zu laufen.
  • Griechenland sollte gerettet werden.
  • Über die Zinspolitik der EU sollte beschlossen werden.

In dieser Situation warnt Bundesbankpräsident Weber eindringlich vor den Folgen der sich abzeichnenden Verwerfungen auf dem Finanzmarkt.


Was den anderen Anwesenden bezeichnenderweise nicht bewusst war:

Es musste eine überzeugende Lösung für die internationale Finanzwelt präsentiert werden, wollte man eine panische Flucht der Investoren aus dem Euroland verhindern. Eine Kapitalflucht aus dem Euro und den Staatsanleihen der wackeligen Euroländer, allen voran dem tiefbankrotten Griechenland, wäre das Ende der Eurozone gewesen. Griechenland musste irgendwie gerettet werden, koste es, was es wolle.

Axel Weber legte den Entscheidern in Lissabon dringend nahe, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Die Banken sollten großzügig mit Geld versorgt werden.

Aber er stieß auf taube Ohren. Man verkannte den Ernst der Lage und lehnt Webers Vorschläge verständnislos ab.

Die Presseerklärungen zum Abschluss des Treffens war das übliche, euroselige alles-wird-gut-Blabla, und man ging mit sich und der Welt zufrieden auseinander.

Doch Weber hatte Recht. Das Geschwafel überzeugte die globalen Investoren nicht. Der Sieg der überschuldeten, maroden USA im Finanzkrieg gegen den Euro schien fast gewonnen.

Die Börsen drehten ab zum Sturzflug, Panikverkäufe begannen, der Euro stürzte ab, der Finanzmarkt in Europa stand vor dem Zusammenbruch.

Am Freitag, den 7. Mai 2010 konnte bis zum Nachmittag fast keine Staatsanleihe aus Europa – außer Deutschland – mehr verkauft werden. Damit war den anderen Ländern innerhalb von Stunden der „Hahn abgedreht“, und ein Gesamtkollaps des Systems war zum Greifen nahe.

Jetzt begriffen es plötzlich alle:

Im Prinzip sind ja bereits alle Staaten pleite. Wenn sie keine neuen Schulden mehr machen können und ihnen niemand mehr Geld leiht, sind sie sogar unmittelbar und sofort bankrott!

Selbst die starken Länder haben ja in die schwachen investiert. Alle haben quer durch das marode System irgendwo irgendwie in irgendwas riesige Summen angelegt. Die Investitionen wären verloren. Das System würde innerhalb von Stunden komplett in sich zusammenfallen.

Plötzlich wurde jetzt in der aufkommenden Panik eine Lösung vorgeschlagen, gegen die der abgelehnte Weber-Vorschlag ein laues Lüftchen war:

Die EZB soll die Staatsanleihen der EU-Wackelkandidaten in riesigem Umfang aufkaufen. Damit wäre deren Geldzufluss wiederhergestellt und die Finanzmärkte würden sich sofort beruhigen.

Jetzt aber stemmte sich Axel Weber vehement gegen diesen Plan. Damit würden ja die Europäische Notenbank den Staatshaushalt der EU-Pleitestaaten finanzieren.

Wie wahr. Und nicht nur das:

Weber drohte auch noch. Wenn man diese katastrophale Entscheidung tatsächlich fällen werde, würde er öffentlich seinen Widerspruch und seinen Rücktritt aus Protest kundtun. Tatsächlich gab er am Montag auch das berüchtigte Interview in der „Börsenzeitung“.

Von da ab war er eine Unperson im Kreise der hohen Eurokraten. Er hatte den Verein gleich mehrmals bis auf die Knochen blamiert.

Seitdem Frau Merkel nun auch nicht mehr die „Madame Non“ gibt, sondern sich ganz vorne ans Steuerrad in Richtung „gemeinsame EU-Wirtschaftspolitik“ stellt, passt ihr ein eigenwilliger Hardliner wie Weber, mit seinen eigenen Vorstellungen, nicht mehr ins Konzept.

Bekanntermaßen beißt Merkel sowieso jeden weg, der auch nur Anflüge von Selbstbewusstsein oder Mut zu eigenen Entscheidungen zeigt. Er könnte ihr ja gefährlich werden.

Und es gibt einen weiteren Grund:

Am 17. November tauchten Hintergrundberichte auf, dass es ein Geheimtreffen zwischen Angela Merkel und Jean Claude Trichet gegeben habe. Dieser kurze Bericht in der Welt Online wurde allerdings schnell wieder entfernt.

Trichet soll demnach „Tacheles“ mit Frau Merkel geredet haben.

Die Verschuldungskrise in der EU habe ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr zu bewältigen sei. Faktisch seien Portugal, Irland, Griechenland und Spanien bereits rettungslos bankrott.

Der Euro sei im Grunde schon ruiniert und könne nur gerettet werden, wenn Deutschland die gesamten Schulden dieser vier Pleitekandidaten übernehme. Da es sich dabei nicht um eine Bitte des Herrn Trichet, sondern einen Befehl aus Brüssel an Frau Merkel handelte, wurde das auch offenbar gar nicht diskutiert.

Alles in allem geht es um eine Summe von 530 Milliarden Euro, die dem deutschen Volk wieder einmal aus den leeren Taschen gezogen werden soll. Dazu braucht man willfährige Systemdiener, die – wie Frau Merkel – bereit sind, ohne Widerspruch alles auszuführen, was die EU-Eliten diktieren.

Dafür hat Axel Weber sich gründlich „disqualifiziert“. Es war also nur noch ein Abgang, dessen Zeitpunkt er (vielleicht) noch selbst wählen durfte.

Herzliche Grüße
Ihr
Gerhard Spannbauer
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Ja, Frau Merkel hat so einiges von ihrem Ziehvater gelernt. Unannehmlichkeiten werden verschwiegen und einfach ausgesessen, und wer nicht ins politische Konzept passt, wird weggemobbt.
Herr Weber hat die richtige Entscheidung getroffen – er möchte eben kein Schoßhund einer unfähigen Kanzlerin sein. Meine Achtung, Herr Weber!

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