Welche Kräfte auf Ihre Geldanlage einwirken werden

Von Manfred Gburek, 9. März 2012

Griechenland wird uns noch über Jahre hinaus mehr beschäftigen, als uns allen lieb sein kann. Auch wenn Sie dieses Themas überdrüssig sind, sollten Sie hier trotzdem weiter lesen. Denn es wird sich auf Ihre Geldanlage auswirken. Aber nicht allein, sondern in Verbindung mit anderen Einflussfaktoren, und das macht die Sache so gefährlich.

Beginnen wir kurz mit Griechenland. Das Handelsblatt, das sich früher aus unerfindlichen Gründen für griechische Staatsanleihen stark gemacht hat, trifft jetzt den Nagel auf den Kopf, wenn es titelt: „Griechenland erkämpft Enteignung der Gläubiger.“ Das heißt, diese – in erster Linie institutionelle Anleger wie Banken, Versicherer und Fonds – verzichten auf den Großteil ihrer Forderungen gegen den griechischen Staat.

Daraus folgt: Kunden und Eigentümer der institutionellen Anleger, also Millionen von Bundesbürgern, erleiden durch die kalte Enteignung Verluste, deren Höhe erst in den kommenden Jahren zu ermitteln sein wird, wenn zum Beispiel Ihre Bank sich mit immer höheren Gebühren bei Ihnen schadlos zu halten versucht oder wenn die Ablaufleistung Ihrer Kapitallebensversicherung zusammenschrumpft.

Damit nicht genug, auch als Steuerzahler werden Sie früher oder später auf Umwegen zur Kasse gebeten. Einer dieser Umwege hat den wohl klingenden Namen FMS Wertmanagement, der mich irgendwie an einen Wertstoffhof erinnert, weil auch dort viel Müll landet. Es handelt sich um eine in der Finanzsprache Bad Bank genannte Anstalt des öffentlichen Rechts, Nachfolgerin der verstaatlichten Skandalbank Hypo Real Estate in Bezug auf deren „Risikopositionen und nicht strategienotwendige Geschäftsbereiche“ (Details unter fms-wm.de). Sie besitzt gut 9 Milliarden Euro an Griechenland-Anleihen und -Krediten. Für deren Abwertung werden Steuerzahler im Endeffekt genauso aufkommen müssen wie für den ebenfalls schwergewichtigen griechischen Anleihen- und Kreditmüll der deutschen Landesbanken.

Nun zu den eingangs erwähnten weiteren Einflussfaktoren, die sich auf Ihre Geldanlage auswirken werden. Da ist zunächst die Konjunktur. In Deutschland überschreitet sie gerade den Zenit, im restlichen Europa hat sie den größtenteils schon hinter sich. Spannender verspricht es in den USA zu werden, wo Anfang November bekanntlich die Präsidentschaftswahl ansteht. Denn bis dahin wird die Konjunktur dort schöngeredet und -geschrieben, sodass erhebliche Abstriche an den öffentlichen Statistiken und Verlautbarungen zu machen sind. Zuletzt hat der Konsum die US-Konjunktur begünstigt, doch inzwischen sind die Ersparnisse der Amerikaner derart geschrumpft, dass in absehbarer Zeit wieder mehr gespart und damit weniger konsumiert wird.

Das chinesische Wirtschaftswachstum ist zwar immer noch viel höher als das in Europa und in den USA, aber der gleitende Übergang von der Export- zur Binnenwirtschaft kostet bereits den einen oder anderen Wachstumspunkt. Aus Anlegersicht relevant ist die allmähliche Abkehr der chinesischen Zentralbank vom Dollar, und zwar weniger in absoluten Zahlen als in der Relation zum Euro und zum Gold. Das heißt, die Zusammensetzung der chinesischen Währungsreserven ändert sich zu Lasten des Dollars und zu Gunsten von Euro und Gold.

Ein ganz gravierender Einflussfaktor, der zurzeit an den Börsen stark unterschätzt wird, ist der Konflikt Israel/Iran. Sobald es zwischen beiden Ländern zum Krieg kommt, ist wirtschaftlich gesehen die folgende Entwicklung zu erwarten: Der Ölpreis schießt in die Höhe, daraufhin knickt die Weltkonjunktur ein, und im Gefolge dieser Entwicklung kommt es nicht allein zu politischen Spannungen zwischen den USA (Garant für das Überleben Israels) und China (Großimporteur von Öl aus Iran), sondern auch zu stimulierenden Konjunkturspritzen von Seiten der Regierungen und Zentralbanken, im Vergleich zu denen die jetzigen Griechenland-Hilfen sich wie Mini-Infusionen ausnehmen werden.

Alles in allem haben wir es also mit fünf Faktoren zu tun, die zum Teil miteinander verwoben sind und Ihre Geldanlage stark beeinflussen werden: Weltkonjunktur, US-Präsidentschaftswahl, Spannungen zwischen den USA und China sowohl wegen der chinesischen Dollar-Müdigkteit als auch – und erst recht – wegen der konträren Interessen in Nah- und Mittelost, Verhalten der Zentralbanken und Euro-Rettung in Form der Griechenland-Hilfen. Den letzten Punkt kann man auch so beschreiben: Gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen, auf dass es sich über Griechenland hinaus als Asset Inflation auswirkt.

Dieser Begriff bezeichnet im Wesentlichen den Preisanstieg von Immobilien und Edelmetallen, den Kursanstieg von Aktien und Anleihen. Das heißt, das viele Geld, das durch die Zentralbanken in den Verkehr gebracht wird, bahnt sich seinen Weg mal zu der einen, mal zu der anderen Anlageklasse. So kommen heftige Preisbewegungen nach oben zustande, wenn alle Welt glaubt, es gebe etwas zu holen, wie derzeit bei deutschen Wohnimmobilien, aber auch weniger heftige, wie im Fall von deutschen und amerikanischen Aktien. Zwischenzeitlich kommt es immer wieder zum Favoritenwechsel, aktuell etwa derart, dass Aktien mehr Aufmerksamkeit genießen als Edelmetalle, was allerdings schon in einer Woche oder in einem Monat umgekehrt sein kann, und das Ganze unter erheblichen Schwankungen von Monat zu Monat.

Eine Erkenntnis daraus ist, dass der Einstieg und der Ausstieg zum richtigen Zeitpunkt, üblicherweise Timing genannt, unter solchen Bedingungen zur entscheidenden Gewinnquelle wird. Wer keine Zeit oder keine Lust hat, dieses Spiel mitzumachen, ist darauf angewiesen, ohne Rücksicht auf das kurzfristige Auf und Ab (aber das mittel- bis langfristige tendenzielle Auf im Hinterkopf) geduldig die Anlagen durchzuhalten, von denen man mit relativ großer Sicherheit sagen kann, dass sie die Kaufkraft erhalten werden. Das sind neben dem selbst genutzten Eigenheim bzw. einer adäquaten Eigentumswohnung in guter Lage bis auf Weiteres Gold (einschließlich Silber) und Aktien. Wobei das Timing zum Kaufen aktuell eher für Gold und Silber spricht, weil die Preise beider Edelmetalle zuletzt etwas zurückgekommen sind. Dagegen dürften Aktien im Fall eines durch den Israel/Iran-Krieg ausgelösten heftigen Ölpreisanstiegs und einer einknickenden Weltkonjunktur in dessen Gefolge erst später auf niedrigerem Kursniveau kaufenswert sein.

Quelle: http://www.gburek.eu/

 

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