Welt – Macht – Geld

Vor einiger Zeit hat mir ein Leser eine sehr interessante Seite empfohlen. Zu der Zeit muss ich wohl sehr beschäftigt (bin ich eigentlich immer) gewesen sein und habe der Seite wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Beim Löschen vieler alter Mails bin ich zum Glück erneut auf diese Seite gestoßen und stellte fest, dass mich der Inhalt mehr und mehr fesselte.
Lange Rede, kurzer Sinn, hier nun einige Auszüge aus dieser Seite. Vorab noch dieses Zitat:

„Eine brillante und vor allem investigative Tour de raison zur Finanz- und Geldtheorie. Wer Fakten will, um den Phantomen der Weltwirtschaft und ihrer Krise auf die Spur zu kommen, wird hier die Antworten finden, die er schon lange gesucht hat.“ (Peter Weibel)

Wie die Welt auf den Dollar gekommen ist (1944)

Heute stellt der US-Dollar mit großem Abstand die wichtigste Währung der Welt dar. Er dominiert den internationalen Handel mit Öl, Metallen, Rohstoffen, Nahrungsmitteln etc. ebenso wie die weltweiten Zentralbankreserven, die zu rund 65 Prozent in US-Dollar gehalten werden.

Die Entwicklung des US-Dollars zur Weltleitwährung festigte die Position der USA als Supermacht und hat die Welt in einer Weise geprägt, wie es nur wenige historische Ereignisse vermögen; Marshallplan, Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, Wirtschaftswunder, Mondfahrtprogramm, Kalter Krieg, Vietnamkrieg, Ölkrise, Irakkrieg, Globalisierung und vieles andere mehr – etwa der Klimawandel – wären ohne den US-Dollar als Weltleitwährung anders verlaufen.

Seine Sonderrolle erhielt der US-Dollar im Jahr 1944 durch die Konferenz von Bretton Woods, einem Kurort im US-Bundesstaat New Hampshire. Allerdings gestaltete sich diese Konferenz nicht etwa so, wie häufig angenommen: Denn keineswegs hatten sich die dort vertretenen 44 Nationen nach langen Debatten rational begründet auf den US-Dollar als Weltleitwährung geeinigt. Vielmehr wurde dieser dazu gekürt, ohne dass die Konferenzteilnehmer dies bemerkt oder auch nur besprochen hätten. Denn dieses Ergebnis wurde erst Monate später bekannt und führte unter anderem zu Protesten der britischen Regierung.

Im Vorfeld dieser Konferenz spielten die imperialistischen Währungspläne Nazi-Deutschlands eine wesentliche Rolle; ebenso die im Auftrag der britischen Regierung von Sir John Maynard Keynes entwickelten Vorstellungen einer supranationalen Wirtschaftsordnung.

http://weltmachtgeld.tnparty.eu/index.php/Wie_die_Welt_auf_den_Dollar_gekommen_ist_%281944%29

Dollarknappheit

Um den Bretton-Woods-Vertrag in die Tat umsetzen zu können, musste zunächst ein seltsames Problem gelöst werden: die Dollarknappheit. Denn – da die USA kaum Waren aus dem Ausland importierten – standen nach Ende des Zweiten Weltkriegs außerhalb der Vereinigten Staaten nur sehr geringe Mengen an US-Dollar zur Verfügung. Solange aber keine US-Dollars zur Verfügung standen, konnten sie auch nicht als internationales Zahlungsmittel verwendet werden. Hierzu mussten sie erst in die Welt gebracht werden – und zwar in großen Mengen.

Falls dies nicht gelingen würde und der US-Dollar weiterhin knapp bliebe, drohten die USA zudem unter die sogenannte „Scarce-Currency“-Klausel des Bretton-Woods-Vertrags zu fallen. Diese Klausel sah vor, ein Land mit Handelsbeschränkungen zu versehen, falls dessen Währung knapp werden sollte.

Dollarflut: Die USA exportieren Papier und Inflation

Der Dollarknappheit folgte bald eine Dollarflut. Während zunächst US-amerikanische Hilfsprogramme Quelle dieser Dollarflut waren, wurde die Welt schließlich mit US-Dollar überschwemmt, als die Vereinigten Staaten in zunehmendem Maße das Bretton-Woods-System zur Finanzierung US-amerikanischer Interessen ausnutzten. Denn die anderen Nationen mussten die von den USA gedruckten Dollar in unbegrenzter Menge zu festen Wechselkursen ankaufen – und waren hierzu schließlich genötigt, selber die Notenpresse anzuwerfen.

Auf diese Weise finanzierten die Vereinigten Staaten ihre militärische und wirtschaftliche Expansion, die Subvention der heimischen Wirtschaft, die Berliner Luftbrücke, die Mondfahrt, den Kalten Krieg und vieles mehr und exportierten dabei mit ihren Dollars zugleich ihre hausgemachte Inflation in alle Welt.

http://weltmachtgeld.tnparty.eu/index.php/Dollarkrise,_1._Akt_%281971%29:_Wo_ist_das_Gold%3F

Geldschöpfung 2.0 – „amerikanisch“

Die Anomalie der US-Immobilienblase beginnt mit dem Finden immer neuer Kreditnehmer. Normalerweise ist ihre Zahl dadurch begrenzt, dass Banken für ihre Kredite Sicherheiten verlangen; nur wer diese anzubieten hat, kann einen Kredit erhalten.

Geld wird also nicht wirklich nur „aus dem Nichts“ geschöpft, sondern es bedarf auch eines „Etwas“: des als Sicherheit verpfändeten Eigentums, zum Beispiel eines Grundstücks.

Da Sicherheiten nur begrenzt verfügbar sind, ist –nach Lehrbuch – auch die Zahl der Kreditnehmer, genauer gesagt die Summe der Kredite, begrenzt. Die Höhe der im Kredit geschöpften Geldmenge steht somit in einem Verhältnis zu den zur Verfügung Sicherheiten. Mit anderen Worten: Die Geldmenge ist durch das Vorhandensein an verpfändbarem Eigentum begrenzt.

In den USA wurden jedoch in zunehmendem Maße auch dann Kredite vergeben, wenn nur sehr geringe oder gar keine Sicherheiten vorhanden waren: die „Subprime Mortgages“, Kredite mit mangelhafter Sicherheit. Außerdem wurden Immobilien, die bereits als Sicherheiten eingebracht waren, aufgrund der gestiegenen Immobilienpreise neu und nun höher bewertet und mit weiteren Krediten belastet: deren Eigentümer erhielten von den Banken weiteres Geld. Hierdurch stiegen Geldmenge und Nachfrage nach Immobilien weiter. Dadurch erhöhten sich die Immobilienpreise. Dadurch konnten die bereits hinterlegten Sicherheiten von den Banken erneut höher nachbeliehen werden. Dadurch wurde wieder mehr Geld geschöpft. Dadurch stiegen die Immobilienpreise. Und so weiter und so fort.

Es wurde also mehr Geld geschöpft, als es nach dem Prinzip traditioneller Geldschöpfung überhaupt möglich gewesen wäre – sehr viel mehr Geld, als verpfändbares Eigentum zur Verfügung stand. Die so geschöpfte Geldmenge blähte die Immobilienblase so weit auf, bis sie vor ihrem Platzen etwa 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts enthielt – aus dem Nichts geschöpftes Geld, das durch keine entsprechenden Sicherheiten gedeckt war.

Diese neue Methode der „Geldschöpfung 2.0“ wurde ermöglicht, weil es den US-Kreditinstituten gelang, die Schuldversprechen der Hauskäufer in alle Welt weiterzuverkaufen und somit das Ausfallrisiko der Kredite zu externalisieren.

Um diesen Trick der Externalisierung des Ausfallrisikos zu ermöglichen, mussten die Schuldversprechen der vielen einzelnen Kreditnehmer handelbar gemacht werden. Dies geschah durch die sogenannte „Verbriefung“ oder ’securitization‘, ein technischer Vorgang, bei dem die Schuldversprechen zahlreicher Kreditnehmer sozusagen in „Wundertüten“ verpackt in handelbaren Wertpapiere verwandelt werden: die „Mortgage Backed Securities“ (MBS). Diese MBS-Wundertüten ließen sich dann wiederum in noch größere Wundertüten umpacken: die „Collateralized Debt Obligations“ (CDO). Derart verschnürt wurden die Schuldversprechen in alle Welt verkauft, wodurch deren Käufer nun zu den eigentlichen Kreditgebern des Immobilienbooms wurden. Die Welt lieferte Geld, die USA in Wundertüten gebündelte Schuldversprechen (im Folgenden vereinfacht als „Immobilienanleihen“ bezeichnet).

Diese Immobilienanleihen wurden von Investoren aus aller Welt stark nachgefragt, da sie von US-Ratingagenturen bestmöglich mit „AAA“ bewertet wurden, jedoch wesentlich höhere Renditen erzielten, als andere „AAA“-bewertete Papieren, beispielsweise US-Staatsanleihen.

Zunächst gewannen alle Beteiligten; die amerikanischen Bürger erhielten Kredite für den Bau von Häusern, Hedgefonds und andere Investoren konnten am boomenden US-Immobilienmarkt teilhaben und erhebliche Gewinne erzielen, die Kreditinstitute verzeichneten hohe Einnahmen, die US-Wirtschaft boomte. Durch den Verkauf von Immobilienanleihen konnten die US-Defizite und Militärausgaben nun scheinbar mühelos finanziert werden.

Jedoch hat diese neue Methode der Geldschöpfung einen für das langfristige Funktionieren der Weltwirtschaft schwerwiegenden Mangel: Die Geldschöpfung kann in nahezu unbegrenzter Höhe erfolgen. Denn aufgrund des Weiterverkaufs der Schuldversprechen, also der Externalisierung des Kreditrisikos, benötigt die „Geldschöpfung 2.0“ weder Sicherheiten noch belastet sie die Mindestreserven der Banken.

Falschgeld – die Finanzpolitik der USA

Die Motivation, Falschgeld zu drucken, besteht darin, sich fremdes Eigentum anzueignen. Dies ist möglich, da man zu seiner Schöpfung kein bereits vorhandenes Eigentum verpfänden muss, sondern die Blüten einfach druckt und damit einkaufen geht.

Ganz anders bei „echtem“ Geld: Dieses erhält der Kreditnehmer unter Leistung einer Sicherheit. Er muss seine Schulden also zurückzahlen, um sein Eigentum aus der Verpfändung wieder zu lösen. Solange er statt seines Eigentums nun frei über das im Kreditvertrag erhaltene Geld verfügt, ist er gezwungen, mit diesem Geld gewinnbringend zu wirtschaften, da er – nach Bedienung des Kredits – sein verpfändetes Eigentum zurückerhalten will. „Echtes“ Geld läuft im Kreis, denn es muss an den Kreditgeber zurückgezahlt werden. Falschgeld läuft nicht im Kreis, da ihm weder Kredit noch Sicherheit zugrunde liegt. Mit „echtem“ Geld kauft man sein eigenes Eigentum zurück, mit Falschgeld ergaunert man sich fremdes Eigentum.

Aus dieser Sicht des Eigentums ist das in den USA mittels „Geldschöpfung 2.0“ geschöpfte Geld von Falschgeld kaum zu unterscheiden. Da bei seiner Schöpfung nur geringe bis keine Sicherheiten geleistet wurden, konnte mit diesem Geld fremdes Eigentum in großem Stil angeeignet werden: Grundstücke, Häuser, Autos.

Wer Falschgeld druckt, steht zunächst vor einem unangenehmen Problem: Er muss es möglichst unauffällig in den Verkehr bringen, es schnell gegen „echtes“ Geld oder Waren eintauschen. Wie Geld diskret in Umlauf gebracht werden kann, erläuterte der derzeitige US-Zentralbankchef Ben Bernanke am 21. November 2002 in einer beachtenswerten Rede, die ihm den Spitznamen „Hubschrauber-Ben“ einbrachte, da er unter anderem auch die Möglichkeit erwähnte, Geld durch das Abwerfen aus Hubschraubern zu verteilen. Da dies jedoch keine besonders diskrete Methode darstellt, führte Bernanke bei dieser Gelegenheit andere, sehr viel elegantere Methoden zur Verteilung von Geld an. Als eine dieser Möglichkeiten nannte Bernanke ausdrücklich auch das Anschieben der Immobilienbranche:

Für die Fed bestünde noch eine weitere Möglichkeit; sie könnte ihre Autorität nutzen und in den Märkten für Verbindlichkeiten der staatlichen Agenturen tätig werden (zum Beispiel Mortgage Backed Securities – hypothekarisch besicherte Wertpapiere – von Ginnie Mae, der Government National Mortgage Association).

http://weltmachtgeld.tnparty.eu/index.php/Dollarkrise,_2._Akt_%282008%29:_Wo_ist_das_Geld%3F

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Eine Übersicht und reichlich mehr Informationen zu dieser Thematik finden Sie hier:

Quelle: http://www.weltmachtgeld.de/

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2 Kommentare

  1. Das Buch kannte ich noch nicht.
    Danke für den Tipp.
    Warum erscheint dieser Bericht nicht bei Net News Express?
    Wäre doch gut, wenn möglichst viele darauf aufmerksam gemacht werden.

  2. Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass die „imperialistischen Währungspläne Nazi-Deutschlands“ nicht mit Begeisterung von den Kriegsgegnern und potentiellen Kriegsgegnern aufgenommen wurden: da hätten die Herren aus USA und Großbritannienen nichts mehr ‚mitverdient‘.
    DESHALB musste man ja dieses verhasste Deutschland Besitigt werden….
    Zitat Churchill: „Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass dieser Krieg nicht gegen Hitler oder den Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Kraft des deutschen Volkes, die man für immer zerschlagen will, gleichgültig, ob sie in den Händen Hitlers oder eines Jesuitenpaters liegt.“
    Churchill, Winston (britischer Premierminister, 1874-1965)
    Das muss man nicht weiter kommentieren, denke ich..

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