Wie macht man eine Währungsreform?

Wie macht man eine Währungsreform? (21.9.2011)

Im Prinzip ist es ganz einfach: Irgendein Gremium beschließt, diese Währungsreform durchzuführen. Das Volk wird nicht gefragt, wir leben schließlich in einer Demokratie, da ist das nicht nötig. Das Gremium legt fest, wann sie passiert, wie die Währungsreform aussehen soll und wer dabei betrogen wird. Eine Währungsreform kann man symmetrisch und asymmetrisch durchführen, vor allem mit einer Asymmetrie kann man ganz wunderbar die Einen ausnehmen und die Anderen begünstigen.

Griechische Währungsreform

Beginnen wir mit einer einfachen, symmetrischen Währungsreform. Wir, die Regierung Griechenlands, setzen ganz einfach einen Euro auf 100 Drachmen. Damit wird ein Euro-Cent zu einer Drachme und Untereinheiten zur Drachme sind überflüssig. Wir entscheiden uns für eine vollkommene Symmetrie, das heißt, alle Anleihen Griechenlands werden zum Stichtag in die guten neuen Drachmen umgerechnet. Die Credit Agricole zum Beispiel, die gerade noch 25 Milliarden Euro aus Griechenland in den Büchern stehen hatte, besitzt nun Anleihen in Höhe von 2,5 Billionen Drachmen.

Innerhalb Griechenlands ändert sich erst mal gar nichts, die Eurobeträge verhundertfachen sich und lauten auf Drachmen, das ist alles. Rentner und Beamte, Gewerkschafter und Arbeitslose, sie alle werden ab sofort in Drachmen bezahlt. Die Regierung kratzt noch ein paar Guthaben zusammen, um den Kurs der Drachme ein paar Tage zu stützen, damit alles fair und gerecht aussieht.

Ist diese Frist abgelaufen, beschuldigt man George Soros oder einen anderen internationalen Finanzhai, gegen die Drachme vom Leder gezogen zu haben, weshalb man nun die Drachme leider abwerten müsse, sagen wir, auf 200 Drachmen pro Euro. In Wahrheit brauchen wir gar keinen internationalen Finanzjuden, sondern nur die Notenpresse. Die arbeitet heutzutage kostenlos und elektronisch.

Was ist jetzt passiert? Griechische Produkte werden deutlich billiger und deshalb begehrter. Die Flasche Metaxa, die bisher für 11,99 Euro im Regal gestanden hatte, kostet jetzt nur noch 7,99 Euro („Nur für kurze Zeit!“). Urlaub in Griechenland ist billiger als in der Türkei, wenn man das griechische Personal entsprechend einweist, vergraulen nicht mal mehr die Hotelangestellten oder die Taxifahrer die zahlreich ins Land strömenden Touristen.

Die Importe werden dafür viel teurer. Asbach Uralt oder Jim Beam können sich die Griechen nicht mehr leisten, was zusätzlich den Metaxa-Konsum ankurbelt. Neue Autos kann sich keiner mehr leisten, Diesel und Benzin ist ebenfalls kostbar. Das fördert die heimischen Nahverkehrsbetriebe. Dummerweise sind die Griechen undankbar und streikfreudig, sie wollen einen „Inflationsausgleich“. Dank der selbstgedruckten Drachmen ist das möglich, die Demonstranten bekommen, was sie wollen. Der Außenwert der Drachme sinkt auf 250 Drachmen pro Euro. Die Leute von der Credit Agricole sind ein wenig verschnupft, weil ihre 2,5 Billionen Drachmen nur noch 10 Milliarden Euro wert sind, aber dafür bezahlen wir Griechen diese Restschuld pünktlich und mit selbstgedruckten Drachmen.

Mit der Drachme geht es in den folgenden Jahren weiter bergab, dafür saniert sich Griechenland gründlich. Die griechische Regierung wird gelegentlich ausgetauscht, was die Chance erhöht, daß statt Volldemokraten auch einmal fähige Fachleute ans Ruder gelangen. Jene Banken, die griechische Anleihen gezeichnet haben, bekommen die gleiche Chance, ihre unfähigen Vorstände auszutauschen. Wenn es ganz schlimm kommt, müssen diese Damen und Herren sogar ihre Bonuszahlungen zurückerstatten. Und die reichen Griechen, die ihr Geld ins Ausland verbracht haben? Die dürfen es wieder einführen, gegen eine kleine Sondersteuer, natürlich. 25%? 35%? Ach, da sind wir kreativ.

Griechenland darf natürlich in der EU verbleiben. Warum sollte man ein Land, das sich gerade finanziell saniert, aus der Union werfen? Die Griechen müssen allerdings lernen, daß Touristen keine Streiks mögen. Sie müssen ebenfalls lernen, daß Streiks Geld kosten, nicht etwa den Reichen, sondern jedem Einzelnen, mag er nun streiken oder arbeiten. Aus erzieherischen Gründen sollten die Griechen das selbst durchführen, unfähige Eurokraten aus Brüssel würden dem Land mit ihrem Bürokratendünkel und ihrer Professorenweisheit nur noch mehr Schaden zufügen.

Eine Währungsreform ist in jedem Fall besser als ein Staatsbankrott, bei dem alle Schulden auf Null gesetzt werden. Die Gläubiger sehen, wie ihr Geld langsam verfällt, doch sie nehmen weiterhin Tilgung und Zinsen ein. Griechenland durchlebt harte Zeiten, die Menschen werden sich einschränken müssen. Der Wildwuchs, den Volldemokraten in ihren Regierungen angerichtet haben, wird kontrolliert zurückgeschnitten.

Es kommt noch ein Pluspunkt hinzu, der sehr gerne verschwiegen wird: Das Land verschwindet vom Radar der internationalen Finanzmafia! Die Griechen müssen kämpfen, müssen leiden, müssen die Gürtel enger schnallen – aber sie werden frei! Es geht sogar noch weiter: Griechenland kann sich so dem Zusammenbruch der Finanzmärkte entziehen. Die Währungsreform ist KEIN Selbstmord, um einer Hinrichtung zu entgehen, sondern eine vernünftige Selbstbeschränkung, eine Art Heilfasten gegen den drohenden Krebstod.

Ist diese Beschreibung realistisch? Es tut mir leid, sie ist es nicht. Die Hochfinanz, die Geldmacht, hat zwei Weltkriege und unzählige kleinere Gemetzel ausgefochten, um jene Macht zu erlangen, die sie heute in Händen hält. Diese Hochfinanz hat die Volldemokraten, nicht als Volksvertreter, sondern als Volksverräter an die Macht gekauft. Die Hochfinanz entläßt kein Land aus ihrem Würgegriff, selbst um den Preis seiner Selbstkasteiung durch eine Währungsreform nicht. Wer Schulden hat, steht in der Knechtschaft des Kreditgebers und darf nie wieder daraus entlassen werden.

 Währungsreform in der Euro-Zone

In den Euro sind bis heute 17 Währungen versenkt worden. Diese Währungen hatten zuvor unterschiedliche Wechselkurse, deshalb wurde jede von ihnen mit einem eigenen Faktor umgerechnet (1,95583 DM = 1 Euro). Dabei vergißt man leicht, daß Franc (belgische und französische), Gulden, Lira und Peseta einstmals bessere Zeiten gesehen hatten, mit Werten in der Nähe der D-Mark. Es gab tatsächlich einmal Centesimos – lange bevor es für eine Mark volle tausend Lire gegeben hatte.

Wenn nun im Hinterzimmer ausgehandelt wird, wieder zu den alten Währungen zurückzugehen – in Demokratien muß das Volk ja nicht gefragt werden -, könnte man das natürlich zu den alten Umtauschkursen tun. Das wird hier bei uns lustig, wenn ein Liter Benzin statt 1,569 Euro jetzt 3,079 Mark kostet (rechnerisch 3,072, aber auf die sieben Zehntel kommt es den Mineralölgesellschaften nicht an). Die Tiefkühlpizza steigt von 2,24 Euro auf 4,39 Mark und mein Buch „Die spirituelle Welt“ wird vom 18-Euro-Schnäppchen zum 35,25-Mark-Wälzer befördert. Wir fühlen uns damit ganz plötzlich in die Schweiz versetzt, weil alles so unendlich teuer geworden ist.

Wenn man 1 alter Euro = 1 neue Mark umrechnet, erspart man sich diese psychologische Hürde. Außerdem kann man auf diese Weise, ähnlich wie damals beim Anschluß der DDR, das Münzgeld noch ein paar Monate weiter verwenden, bis genügend Mark- und Pfennig-Münzen geprägt worden sind. Den Italienern könnte man eine 1 zu 100 Umrechnung in neue Lira vermutlich vermitteln, die sind hohe Beträge gewohnt. Telephonchips brauchen sie auch keine mehr, dafür gibt es Karten und Handys. Den Franzosen unter le Empereur Nicolas I. ist jedoch nicht zu vermitteln, daß ihr neuer Franc nur ein Drittel des Wertes der neuen Mark haben soll. Das wäre ein Angriff auf die Ehre Frankreichs, alles andere als 1 Euro = 1 neue Mark = 1 neuer Franc ist inakzeptabel.

Das alte Preisgefüge war „organisch gewachsen“, die Umrechnungskurse haben sich beim Eintritt in den Euro aus den Wechselkursen ergeben. Beim Austritt aus dem Euro darf frei gewillkürt werden, nach nationalem Prestige. Der wirkliche Wert der neuen Währungen wird auf dem Devisenmarkt sehr schnell herausgefunden, Franc, Lira und Peseta steigen ab, die Mark auf. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung und Kaiser Nicolas I. muß sich damit abfinden.

Ein „Haircut“ würde da problematisch. Nicolas I. wäre strikt dagegen, wenn sein neuer Franc mit einem anderen Faktor belegt würde als die neue Mark. Ganz davon abgesehen, würde Silvio von Bunga-Bunganien nicht verstehen, wieso die Lira überhaupt einen Abschlag erfahren soll. Gehen wir folglich davon aus, daß 17 dem Nationalprestige geschuldete Umrechnungskurse und 17 ausgewürfelte Haircuts mit zahllosen Auslandskonten der Eurozonen-Bürger maximale Verwirrung auslösen. Ich gehe folglich davon aus, daß es eine symmetrische Umrechnung werden wird, ohne jeglichen Haircut.

Ist das realistisch? Ja, leider. Eine solche Währungsreform steht unmittelbar bevor, weil sie verhindert, daß sich einzelne Staaten aus dem Griff der internationalen Finanzgewaltigen befreien. Der gordische Knoten wird aufgeschnitten, die Einzelwährungen bleiben verflochten und die Bühne wird für das große Abräumen vorbereitet. In der starken neuen Mark kann man Deutschland noch eine Zeitlang ausnehmen wie die berühmte Weihnachtsgans – und davon haben alle etwas. Außer Deutschland, natürlich.

 Währungsreform der neuen Mark

Abschließend kommen wir zur Königsdisziplin, der asymmetrischen Währungsreform. Nur bei ihr kann man gezielt die Opfer ausnehmen und die Hochfinanz bereichern. Die beiden großen Währungsreformen in Deutschland, die von 1923 und die von 1948, haben diese Maxime befolgt.

1923 war zunächst symmetrisch, jeder hat für eine Billion alte Mark eine neue Rentenmark bekommen. Der große Fischzug erfolgte in der vorhergehenden Inflationszeit, wo mit stabilen Auslandswährungen Sachwerte im Deutschen Reich aufgekauft wurden. Nach der Währungsreform wurde ein zweiter Fischzug unternommen, mittels Sondersteuern auf Immobilien. Offiziell wurden Inflationsgewinne abgeschöpft, da Immobilienbesitzer im Gegensatz zu Geldbesitzern gut durch die Inflationsphase gekommen sind.

1948 war man dreister, das Land war schließlich besetzt, da konnte man viel effektiver plündern. Der Normalbürger hat für 100 Reichsmark 6,50 D-Mark erhalten, bei seinen Schulden wurden aus 100 Reichsmark volle 10 D-Mark. Das heißt, auf jeden Kredit wurden 53,85% Währungs-Gewinn eingestrichen. Die Banken haben damit Geld erhalten, Geld, mit dem sie den Wirtschaftsprozeß ankurbeln konnten. Ausländer wurden damals bevorzugt, die durften Guthaben 1:1 umrechnen.

Eine asymmetrische Währungsreform kann dem Staat Geld und damit Handlungsfähigkeit verschaffen. Auch wenn das Betrug ist, kann dieser Betrug zum Nutzen des Ganzen durchgeführt werden. Wir schrieben das Jahr 1948, viele Schuldner waren im Krieg untergegangen. Insofern ist es leicht, aus über 60 Jahren Abstand von Betrug und Enteignung zu sprechen, diese Asymmetrie war vermutlich nötig, um das Wirtschaftswunder anzuschieben. Die zweite Asymmetrie erfolgte, 1948 wie 1923, in Form einer Sonderabgabe der Immobilienbesitzer, als sogenannter Lastenausgleich.

Ein verantwortungsvoller Staat kann sich zum Wohl seines Staatsvolkes zur Asymmetrie veranlaßt sehen. Volldemokraten und Volksverräter führen diese Asymmetrie jedoch nicht zum Wohl des Volkes, sondern zum Wohl der Banken und damit der Privatwirtschaft durch. Damit gewinnt nicht der Staat an Handlungsfähigkeit, sondern die Banken erlangen Macht über den Staat.

Die zweite Währungsreform wird, anders als die vorherige zur neuen Mark, durch den Volkswillen „erzwungen“. Die Volldemokraten haben die neue Mark in Grund und Boden gewirtschaftet. Es gab einmal Tanksäulen, die waren nur auf 99,9 Pfennig eingerichtet, die mußten in den Siebzigern „aufgebohrt“ werden, als die zweite Ölkrise die Preise über eine Mark ansteigen ließen. Heutige Zapfsäulen verarbeiten zumeist Preise bis 9,999 Euro bzw. Mark, im Rahmen der Inflation werden sie „aufgebohrt“. Die Rechnersysteme der Tankstellen sind für Preise bis 99,999 Euro/Mark ausgelegt.

900 Mark rücken eine „Spirituelle Welt“ schon in die Nähe eines ledergebundenen Werkes aus dem Brockhaus-Verlag, dabei wäre das gerade einmal ein Inflationsfaktor von 50, geradezu mickrig gegen eine Billion wie 1923. Inflation bringt selbst die Schlafmenschen auf die Straße, und sie werden von der Allparteien-Regierung fordern, etwas gegen die galoppierende Inflation zu tun. Und ja, das beste Mittel ist die bewährte Währungsreform.

Für 50 nicht mehr ganz so neue Mark gibt es dann einen neuen Euro, bzw. einen SERY. Woher diese Währung ihren Namen hat? $ wie Dollar, € wie Euro, R wie Renminbi und ¥ wie Yen. SERY klingt doch schön, viel netter als Globo, oder? Um die Banken zu sanieren, bleiben für 50 Kurzzeit-Mark Schulden 1,50 SERY oder gleich 2,00 SERY Schulden stehen. Auf diese Weise werden die ausgefallenen Kredite ersetzt und die Finanzmacht ist wieder liquide.

Sie nennen das einen „Haircut“? Ach, bei einem Haarschnitt schnippelt der Friseur nur ein wenig an Ihnen herum. Was wirklich erfolgt, ist eine Rasur – da haben Sie das Messer an der Kehle und Widerstand ist nicht nur zwecklos, sondern womöglich tödlich. Wenn danach die Bürger auf die Straßen gehen, wird das vergeblich sein. Sie hatten doch schon ihren Willen, mit der zweiten Währungsreform. Und wenn danach alles schlechter wird, dann haben Sie das so gewollt, oder etwa nicht?

Quelle: http://www.michaelwinkler.de/Pranger/Pranger.html

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